Road­trip mit Ker­mit Tag 26 – 29

Als wir mor­gens auf­wa­chen, gibt es eine Über­ra­schung. Ker­mit ist über Nacht zum Wan­der­weg von zahl­rei­chen grü­nen Amei­sen gewor­den. Nur mit Gewalt in Form eines Hand­fe­gers las­sen sich die klei­nen Bies­ter ver­trei­ben. Da wir auf dem Cam­ping­platz kei­nen Stell­platz mit Strom­an­schluss bekom­men hat­ten, ist über Nacht der Kühl­schrank aus­ge­fal­len. Zum Glück ist nichts schlecht gewor­den, aber Milch und Joghurt hät­ten käl­ter bes­ser im Müs­li geschmeckt.

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Sky­line von Dar­win

Nun geht’s wei­ter Rich­tung Dar­win. Wir müs­sen drin­gend Lebens­mit­tel­vor­rä­te auf­sto­cken. Aber erst­mal heißt es einen Cam­ping­platz fin­den. Die Camp­si­tes in und um Dar­win sind recht teu­er. Zwei güns­ti­ge Alter­na­ti­ven hat­ten wir als Tipps von Cam­pern bekom­men. Auf einen Platz, 15km vom Zen­trum ent­fernt, dür­fen wir nicht drauf, eine von der eng­li­schen Kro­ne erho­be­ne Rege­lung erlaubt nur bestimm­ten Fahr­zeu­gen den Zutritt. Uns lei­der nicht. Auf dem ande­ren emp­foh­le­nen Platz fin­den wir aller­dings einen super­schö­nen, schat­ti­gen Stell­platz, den wir prompt für drei Näch­te buchen. Wir ver­brin­gen den ers­ten Tag mit Tele­fo­nie­ren und Ein­kau­fen. Es ist heiß, und so lockt immer wie­der der cam­pei­ge­ne Pool zum Abküh­len.

Abends soll es Kän­gu­ru­bur­ger geben. Da unser Kocher nur zwei Flam­men hat, die Gina bei­de fürs Gemü­se braucht, gehe ich zum cam­pei­ge­nen BBQ und bra­te die Bur­ger. Süd­ame­ri­ka­nisch kochen wir spät, dem­entspre­chend dun­kel ist es und ich hab nur mei­ne Stirn­lam­pe mit. Ich kann kaum den Fort­schritt beim Bra­ten erken­nen. Als die Bur­ger end­lich fer­tig sind, dre­he ich das Gas aus. Beim Bücken sto­ße ich den Tel­ler an, der mit­samt Bur­ger auf den Boden knallt und in tau­send Scher­ben zer­bricht. Na toll!! Erst­mal die Bur­ger abwa­schen und die Scher­ben besei­ti­gen, dann gehe ich zurück zum Wagen. Gina’s Lau­ne ist auch nicht die Bes­te, denn der Cous­cous war hart gewor­den. Das reins­te Kata­stro­phen­es­sen.

Als Krö­nung des Tages ist Gina’s Lese­bril­le ohne Gewalt­ein­wir­kung in der Mit­te ein­fach durch­ge­bro­chen. Was für ein Tag ??

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Hat wohl die Hit­ze nicht ver­tra­gen ?

Am nächs­ten Tag wol­len wir in die City. Dar­win mit sei­nen 125.000 Ein­woh­nern liegt am Meer und hat his­to­risch gese­hen drei High­lights zu bie­ten: die Grün­dung der Stadt 1869, der Luft­an­griff der Japa­ner im zwei­ten Welt­krieg 1942 und die Zer­stö­rung der Stadt durch den Cyclon Tracey Weih­nach­ten 1974.

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Denk­mal der vom Cyclon zer­stör­ten Town Hall

Die Stadt macht auf mich einen freund­li­chen und ent­spann­ten Ein­druck. Eher ver­schla­fen als Metro­po­le. Schö­ne klei­ne Häu­ser, Parks und viel Grün rund­her­um.

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Par­li­a­ment House mit Blick aufs Meer

Im Hof eines alter­na­ti­ven Thea­ters fin­det gera­de eine Auf­füh­rung statt. Zwei chi­ne­si­sche Dra­chen tan­zen zur Musik, bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren kom­men die Akteu­re ganz schön ins Schwit­zen.

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Chi­ne­si­sche Dra­chen bei 30 Grad im Schat­ten

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Der kann sogar mit den Augen­li­dern klap­pern ?

Spä­ter schau­en wir uns noch Geschäf­te an. Wir benö­ti­gen ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­men­te. Das Rezept bekom­men wir aber nur von einem ansäs­si­gen Arzt. Also müs­sen wir einen Arzt auf­su­chen. Die­sen fin­den wir im Zen­trum. Es ist kurz vor Fei­er­abend, trotz­dem darf Gina noch vor­spre­chen und wir bekom­men die Rezep­te.

Als wir danach das tür­kis­far­be­ne Meer erbli­cken, hüpft das Herz höher. Wir füh­len uns wie an der Kari­bik. Nur das hier über­all Warn­ta­feln das Baden im Meer wegen Kro­ko­di­len ver­bie­ten. So ein Mist, aber es gibt hier eine Lagu­ne, wo man schwim­men darf. Zuerst aber am Hafen Fish&Chips essen. Und dabei aufs Meer gucken, so läßt es sich pri­ma leben.

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Fish&Chips&Meeresblick

Am nächs­ten Tag fah­ren wir in ein Ein­kaufs­zen­trum in einem Vor­ort. Außer der zer­bro­che­nen Bril­le gibt’s noch eine ande­re, die gerich­tet wer­den muss. Bis­her hat­ten wir noch kei­nen pas­sen­den Opti­ker gefun­den. Hier haben wir Glück, zumin­dest teil­wei­se. Das Rich­ten klappt, aber die zer­bro­che­ne Bril­le kann auf die Schnel­le nicht repa­riert wer­den.

Einen wei­te­ren Tag ver­brin­gen wir fast aus­schließ­lich im Muse­um. Es gibt viel zu sehen über die hei­mi­sche Tier­welt. Hier im Nor­den Aus­tra­li­ens gibt es nur zwei ver­schie­de­ne Jah­res­zei­ten. Von April bis Okto­ber ist Tro­cken­zeit, es reg­net fast nie und die Tem­pe­ra­tu­ren sind bei 20–35 Grad, danach beginnt die Regen­zeit mit Tem­pe­ra­tu­ren bis nahe­zu 50 Grad und 100% Luft­feuch­te. Die Pflan­zen und Tie­re sind gut an die Extre­me ange­passt, was im Muse­um anschau­lich dar­ge­stellt wird.

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Fünf-Meter-Kro­ko­dil – zum Glück aus­ge­stopft

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Bei die­ser Auto­tür wur­de mir ganz warm ums Herz ?

Neben von Abori­gi­nals kunst­voll bemal­ten Auto­tü­ren gibt es eine extra Aus­stel­lung über den Cyclon Tracey und des­sen Fol­gen, als er Weih­nach­ten 1974 mit Wind­ge­schwin­dig­kei­ten über 260km/h über Dar­win feg­te. Damals gab es 66 Tote, die Stadt war zu gro­ßen Tei­len zer­stört und vie­le Men­schen muss­ten eva­ku­iert wer­den.

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So schön ist es nach dem Cyclon wie­der

Nach­mit­tags  ent­schei­den wir uns spon­tan, im Muse­ums­re­stau­rant Kro­ko­dil zu pro­bie­ren. Hm, das habe ich mir anders vor­ge­stellt. Das Fleisch ist hell wie Huhn, hat aber weni­ger Eigen­ge­schmack.

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Wie wohl Kro­ko-Bur­ger schmeckt?

Blei­ben wir lie­ber beim Kän­gu­ru, des­sen Fleisch ist dun­kel und geschmack­vol­ler. Den ursprüng­li­chen Plan, in der Lagu­ne zu schwim­men, las­sen wir fal­len. Es ist schon zu spät und hier wird es um 18.30 Uhr sehr schnell dun­kel. Scha­de, da wäre ich ger­ne noch ins Meer gesprun­gen. Viel­leicht ein ande­res Mal. Mor­gen gehts zum Litch­field Natio­nal Park, und da soll man viel schwim­men kön­nen. (M)

Ker­mit-Log­buch Tag 2629:

Bark Hut Inn Road­house – Dar­win

Kilo­me­ter: 292

Camp Dar­win: Oasis Tou­rist Park

Gesamt­ki­lo­me­ter: 4130