Der Bus, der uns von La Paz nach Copacabana am Titicacasee bringen soll, ist mal wieder ein Klapperbus.

Hauptsache, schön bunt

Hauptsache, schön bunt

Das Gepäck wird auf dem Dach verladen und in El Alto fährt er erst mal kreuz und quer durch die Straßen, an bunten Märkten vorbei, während der Schaffner in der offenen Tür steht und „Copacabanacopacabanacopacabana“ brüllt, um weitere Mitfahrwillige für die letzten freien Plätze zu gewinnen.

Sich auf den Märkten in El Alto ist es bunt

Auch auf den Märkten in El Alto ist es bunt

Schließlich geht es rappelnd und klappernd auf den Weg. Neben der schönen Landschaft gibt es leider auch unendlich viel Müll zu sehen, der den Straßenrand säumt. Wir erreichen den See, an dessen Ufer es eine ganze Weile entlang geht.

Spitze Garben

Spitze Garben

Zu spitzen Kegeln aufgerichtete Getreidegarben, ein paar Kühe, Schafe und ab und zu ein Schwein zeugen von der landwirtschaftlichen Selbstversorgung in dieser Region.

Mit der Fähre Richtung Copacabana

Da Copacabana auf einer Halbinsel liegt, die von der peruanischen Landesgrenze abgetrennt ist, erleben wir eine abenteuerliche Fährfahrt über den Estrecho de Tiquina. Alle Passagiere müssen den Bus verlassen, sich für zwei Bolivianos ein Fährticket kaufen und mit kleinen Bötchen übersetzen lassen.

Bötchen für die Passagiere

Bötchen für die Passagiere

Derweil wird der Bus auf eine Art Floß bugsiert, grobe Holzplanken mit einem kleinen Rand. Es passen jeweils ein Bus und ein Auto auf diese Flösse, von denen mehrere über die Seeenge unterwegs sind.

Eher trudeln als fahren

Eher trudeln als fahren

Es macht keineswegs den Eindruck, als ob das irgendwie kontrolliert abläuft, aber schließlich kommt unser Bus auf der anderen Seite an und wir dürfen wieder einsteigen.

Copacabana

In Copacabana herrscht Volksfeststimmung.

Folkloregruppe post fürs Foto

Folkloregruppe post fürs Foto

Aymara-Würdenträger beim Fest

Aymara-Würdenträger beim Fest

Viele Autos sind mit Blumengirlanden und -Rosetten geschmückt.

Geschmücktes und gesegnetes Fahrzeug

Geschmücktes und gesegnetes Fahrzeug

Es ist Sonntag, und Sonntag ist Auto-Segnungs-Tag. Copacabana ist ein bedeutender Wallfahrtsort, hier hat die Nationalheilige, die Virgen de Copacabana ihren Sitz. Daher fällt die Kirche auch ziemlich bombastisch aus.

Stattliche Kirche für den kleinen Ort

Stattliche Kirche für den kleinen Ort

und gaaaanz viel Popcorn!

und gaaaanz viel Popcorn!

Uns zieht es auf die Isla del Sol, die bereits zu Inka-Zeiten ein spiritueller Ort war. Hier sollen die Sonne und der Mond erschaffen worden sein, die Inkadynastie hat ihren Ursprung an dieser Stelle. Damit war die Insel eine der wichtigsten religiösen Stätten. Von den vielen Tempeln und Schreinen haben die spanischen Eroberer nicht viel übrig gelassen. Ein paar Überreste gibt es aber noch zu sehen. Außerdem bietet die autofreie Insel eine schöne Möglichkeit, dem alltäglichen Lärm zu entfliehen.

Isla del Sol

Wir fahren morgens mit der Fähre zum nördlichen Ende der Insel. An der Pier werden wir von einem einheimischen Führer empfangen, der uns zu den Inkastätten in diesem Teil der Insel führt.

Am Strand kommt uns eine fröhliche Schweinefamilie, Mutter mit vier munteren Ferkeln entgegen.

Schweinebande

Schweinebande

Unser Führer berichtet auch, wie die Menschen heute hier leben. Es wird hauptsächlich Landwirtschaft auf Selbstversorgerbasis betrieben. Auf den terrassierten Hängen, die schon von den Inkas angelegt wurden, werden Mais, Getreide und Quinoa angebaut. Auch Fischfang und Tourismus spielen eine Rolle.

Fischerboot in der Bucht

Fischerboot in der Bucht

Nach schweißtreibendem Aufstieg kommen wir an der Haupt-Kultstätte der Inka an: Ein riesiger Felsen, in dem man mit viel Fantasie die Form eines Pumas erkennen kann.

Puma, ganz eindeutig. Oder?

Puma, ganz eindeutig. Oder?

Ein Stück weiter stoßen wir auf labyrinthartig angelegte Mauerreste, die einen Teil des Tempels bildeten.

Inkamauern und blauer See

Inkamauern und blauer See

Von hier aus starten wir eine Wanderung, die uns längs immer den Inselrücken entlang führt.

Ruta Sagrada - hier pilgerten schon die Inkas

Ruta Sagrada – hier pilgerten schon die Inkas

Auf knapp unter 4000 Meter Höhe führt die Ruta Sagrada, die heilige Straße, in stetigem Auf und Ab bis zum südlichen Ende der Insel. Dabei bieten sich unentwegt großartige Ausblicke auf den tiefblauen See und die schneebedeckten Sechstausender der Cordillera Real.

Im Hintergrund ist schon Peru

Im Hintergrund ist schon Peru

Noch mehr Blau

Noch mehr Blau

Cordillera Real auf der bolivianischen Seite

Cordillera Real auf der bolivianischen Seite

Natürlich ist auch Reise-Ringel mit dabei

Natürlich ist auch Reise-Ringel mit dabei

Der Höhenweg bringt uns ganz schön ins Schnaufen und wir sind einigermaßen geschafft, als wir am späten Nachmittag Yumani, den Ort am Südende der Insel erreichen. Wir suchen uns ein Zimmer für die Nacht, die nächste Fähre kommt erst morgen vormittag.

Yumani ist steil in den felsigen Hang gebaut.

Steile Wege

Steile Wege

Wege mit groben Felsstufen führen in Serpentinen zum kleinen Hafen hinunter – und natürlich wieder hinauf. Das Transportmittel der Wahl ist der Esel. Wir begegnen mehreren Karawanen der Grautiere, die mit Mehlsäcken, Bierkästen und anderem Gut beladen die steilen Wege hoch laufen.

Eselskarawane

Eselskarawane

Ein kühler Trunk vor der Arbeit

Ein kühler Trunk vor der Arbeit

Aber nicht nur Esel, sondern auch puschlige Lamas treffen wir

Aber nicht nur Esel, sondern auch puschlige Lamas treffen wir

Von unserem Zimmer aus haben wir einen schönen Blick auf die Isla de la Luna im Abendlicht. (G)

Isla de la Luna

Isla de la Luna

Infos:

Hinkommen: Von La Paz aus fahren mehrere Busse nach Copacabana. Wir haben die Tickets einen Tag vorher am Busbahnhof am Schalter gekauft. Vermutlich ist es egal, an welchem Schalter du die Tickets kaufst, wir hatten den Verdacht, dass eh alle in den gleichen Bus gesetzt werden. Wie oben beschrieben, muss für die Überfahrt über den Estrecho de Tiquina noch mal extra ein kleiner Betrag gezahlt werden.

Copacabana ist ein kleiner, aber dennoch ziemlich touristischer Ort. Es gibt Unterkünfte in diversen Preisklassen, viele Restaurants, einige Bars, Geldautomaten und jede Menge Touranbieter, wo du sowohl Bustickets als auch Tickets für die Boote zur Isla del Sol und zur Isla de la Luna kaufen kannst. Offiziell gibt es auch eine Touristeninformation, wir haben sie allerdings nie geöffnet erlebt.

Wir wohnten im Hostal Las Olas de Titicaca* und waren damit zufrieden. Es liegt zentral, das Frühstück war im Zimmerpreis enthalten und wir konnten während der Tour über die Isla del Sol unser großes Gepäck kostenlos dort aufbewahren.

Isla del Sol Tickets für die Bootsfahrt bekommst du in den Büros der Touranbieter oder bei den Büdchen direkt am Hafen. Es reicht, die Tickets am Vortag zu kaufen. Die Boote fahren morgens um 8:30 Uhr, es gibt Halbtagestouren und Ganztagestouren. Um 13:30 Uhr fahren noch mal Boote für ein Halbtagstour. In der Regel kann man zum Nordteil (Parte Norte, Challapampa) oder zum Südteil (Parte Sur, Yumani) fahren, manche Touren beinhalten auch einen Stopp an der Isla de la Luna.

Theoretisch kannst du morgens nach Challapampa fahren und von dort aus über die Insel nach Yumani wandern, um von da mit dem Boot gegen 16 Uhr zurückzufahren. Uns war das zu hektisch, daher haben wir ein One-Way-Ticket nach Challapampa gebucht und uns in Yumani ein Übernachtungsquartier gesucht. Das war problemlos, wenn die Preise auf der Insel auch höher sind als in Copacabana. Am nächsten Morgen kannst du zum Hafen in Yumani hinunter steigen und dort das Ticket für die Rückfahrt erwerben. So hast du genug Muße für die Führung durch Museum und Ruinen in Challapampa und für eine entspannte Wanderung ohne Zeitdruck. Auf dem Weg wird an verschiedenen Stellen eine Art Maut oder Eintrittsgebühr erhoben.

Weiterreise nach Peru: Die bequemste Art der Weiterreise ist mit dem Touristenbus, der direkt nach Puno oder Cusco fährt. Tickets bekommst du in den Büros der Touranbieter. Der schicke Bus auf dem Plakat ist nicht notwendigerweise der, in dem du sitzen wirst.

Für abenteuerlustige Naturen gibt es auch die Möglichkeit, mit Minibussen zur Grenze, entweder nach Kasani oder nach Desaguadero zu fahren. Dort musst du die Grenze zu Fuß überqueren und dir auf der anderen Seite einen Bus nach Puno oder Cusco suchen.

 

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