Um nach Luang Pra­bang zu gelan­gen, fah­ren wir mit dem Bus von Vang Vieng nach Vien­tia­ne zurück. Nach einer Über­nach­tung soll der Flie­ger um 12.30 Uhr star­ten. Da es ein Inlands­flug ist, brau­chen wir auch erst ein­ein­halb Stun­den vor Abflug am Flug­ha­fen sein. Also gegen elf.

Kur­zer Weg auf dem Roll­feld

Wie immer holt uns das Tuk­tuk etwas frü­her ab als geplant, so dass wir schon kurz nach halb elf ein­che­cken kön­nen. Als wir unser Gepäck auf­ge­ge­ben haben, stau­nen wir nicht schlecht. Boar­ding Time: 11 Uhr. Wir schau­en ver­wirrt auf die Anzei­ge­ta­fel für die Abflü­ge. Wo bit­te steht unser 12.30 Uhr Flug? Es geht nur ein Flie­ger um 11:30 Uhr. Da wur­de der Flug mal ein­fach um eine Stun­de vor­ver­legt und bekam eine neue Flug­num­mer. Ohne Info! Ärger­lich? Nö, für uns nicht. Wir sind ja schon da und haben soeben eine Stun­de War­te­zeit ein­ge­spart :)

Luang Prabang

Der Check-In geht schnell

Der Flug nach Luang Pra­bang dau­ert kaum eine Stun­de. Auch die Fahrt zum Guest­house ist kurz, wir bekom­men ein schö­nes Zim­mer. Nach­dem wir eine Run­de durch den Ort gelau­fen sind und uns gestärkt haben, bekom­men wir im Guest­house über­ra­schend Besuch. Dolo­res und John, ein eng­li­sches Ehe­paar, das wir im Hotel in Vang Vieng ken­nen­ge­lernt haben, tau­chen plötz­lich auf. Sie woh­nen nicht weit von uns ent­fernt und so ver­ab­re­den wir uns zum Abend­essen.

Es wird ein sehr net­ter, kurz­wei­li­ger Abend in einem Restau­rant am Mekong­ufer.

Ich pla­ge mich mit einer Erkäl­tung, daher ver­las­se ich den gan­zen nächs­ten Mor­gen das Zim­mer nicht, ok, außer zum Früh­stück. Der­weil zieht Gina los, um ein paar Lebens­mit­tel ein­zu­kau­fen. Den gan­zen Tag will ich aber doch nicht nur krank sein. Heu­te abend wer­den wir uns im Ort einen Stumm­film von 1927 anschau­en.

Der Film wird drau­ßen auf der Wie­se eines Restau­rants vor­ge­führt. Da er jeden Abend gespielt wird, rech­nen wir nicht mit Block­bus­ter-Mas­sen­an­drang. So ist es auch, außer uns sind noch sechs ande­re Zuschau­er da, also geht es gemüt­lich zu.

Chang, der Film von 1927

„Chang” bedeu­tet Ele­fant auf Thai und ist der Titel des Films. Er fällt sowohl in das Gen­re Doku­men­tar- als auch Aben­teu­er­film. Es geht um das Leben eines Stam­mes im Dschun­gel von Siam, spe­zi­ell um den Reis­bau­ern Kru und sei­ne Fami­lie. Der Film ist klas­se gemacht, beson­ders wenn man bedenkt, dass er glatt 90 Jah­re alt ist. Wie aben­teu­er­lich muss es für das ame­ri­ka­ni­sche Film­team gewe­sen sein, im unbe­kann­ten Dschun­gel zu dre­hen.

Danach gehen wir zum Nacht­markt, wir fin­den etwas zu essen und Gina erwirbt noch eine wun­der­schö­ne Stoff­ta­sche und einen klei­nen Stoffruck­sack.

Am nächs­ten Tag bestei­gen wir den Mount Phou Si mit sei­nen unglaub­li­chen 300 Stu­fen. Oben befin­det sich ein Tem­pel. Nor­ma­ler­wei­se hat man von hier einen fan­tas­ti­schen Aus­blick auf Luang Pra­bang und die Umge­bung. Seit eini­gen Tagen ist es hier aller­dings die­sig, die Luft riecht in der gan­zen Stadt etwas ver­qualmt, es kratzt mir im Hals. Oben­drein fal­len immer wie­der klei­ne Ascheflo­cken her­ab, bei geöff­ne­tem Fens­ter auch auf die Bet­ten. Ob die Zeit des Abfläm­mens der Reis­fel­der gekom­men ist?

Der Blick vom Hügel erin­nert mich an unse­re Wan­de­rung über den Rhein­steig :)

Luang Prabang

Lie­gen­der Bud­dha auf Mount Phou Si

Aller­dings scha­det das unse­rer Begeis­te­rung für Luang Pra­bang kei­nes­wegs. Von Anfang an gefällt uns die Stadt, sie hat Flair. Wir füh­len uns hier sau­wohl.

Nach dem Abstieg vom Hügel schlen­dern wir zu „dem” Tem­pel in Luang Pra­bang. Der Wat Xieng Thong liegt am Ende der Halb­in­sel. Er ist der ältes­te Tem­pel der Stadt und einer der wich­tigs­ten in ganz Laos. Er wur­de als könig­li­cher Tem­pel 1560 erbaut und blieb von Plün­de­run­gen und Zer­stö­run­gen ver­schont. Anläss­lich des 2500. Todes­tag von Bud­dha wur­de die Rück­sei­te des Tem­pels mit Glas­mo­sa­ik­stei­nen ver­ziert.

Luang Prabang

Der Wat Xieng Thong

Bud­dhas

Luang Prabang

Gol­de­ne Schlan­gen

In Luang Pra­bang haben wir von einem Sto­ry-Tel­ler gehört. Beglei­tet von ein­hei­mi­scher Musik wer­den Geschich­ten aus alten Zei­ten erzählt, sol­che die schon von den Vor­vor­vor­fah­ren erzählt wur­den. Das inter­es­siert uns. Abends fin­den wir uns in der Alstadt ein, in einem Saal mit unge­fähr 50 Sitz­plät­zen fin­det die Erzäh­lung statt. Um die 12 Zuschau­er fol­gen dem Spek­ta­kel. Es geht um meh­re­re klei­ne Geschich­ten, die viel mit Gut gegen Böse zu tun haben. Ratet mal, wer am Schluss siegt.

Luang Prabang

Der Sto­ry-Tel­ler

Luang Prabang

Spre­cher und Musi­ker

Am nächs­ten Tag soll es schon wei­ter nach Hanoi gehen, aber erst abends. Das heißt, es bleibt noch Zeit für den Besuch des Königs­pa­las­tes. Nach dem Früh­stück lau­fen wir los, es ist trotz­dem sehr warm an die­sem Mor­gen.

Wir sind nicht allein im Königs­pa­last, zahl­rei­che Rei­se­grup­pen haben sich schon ver­sam­melt. Der letz­te König hat bis 1975 in dem Palast gelebt, bevor Laos von den Kom­mu­nis­ten über­nom­men wur­de. Der König mit­samt sei­ner Fami­lie wur­de depor­tiert. Er starb 1984.

Luang Prabang

Der Königs­pa­last

Im Palast gibt es wie­der jede Men­ge Prunk und Protz, ich den­ke dann an die teil­wei­se bet­tel­ar­me Bevöl­ke­rung. Im Schup­pen ist der könig­li­che Fuhr­park zu sehen, fünf Karos­sen, ein Toyo­ta Land­crui­ser, zwei Lin­coln, ein Ford Edsel und ein Citro­en DS. Alle­samt Fahr­zeu­gee, die ich adop­tie­ren wür­de. Aber zu Hau­se hab ich lei­der kei­nen Platz.

Luang Prabang

Mön­che unter­wegs

Nach die­sem Aus­flug geht Gina noch zur Mas­sa­ge, wäh­rend ich auf der Ter­as­se unse­res Guest­houses abhän­ge. In Anbe­tracht unse­rer nahen­den Heim­rei­se haben wir nicht nur einen Gang run­ter­ge­schal­tet, wir las­sen aus­rol­len :)

Wir genies­sen ein­fach die fas­zi­nie­ren­de Anders­ar­tig­keit des Lebens hier, die Son­ne und die Wär­me. Und die letz­te Zeit, von jetzt auf gleich Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen, ohne die­se recht­fer­ti­gen zu müs­sen.

Ger­ne wür­den wir in die­ser Stadt noch etwas blei­ben, aber für fünf Uhr ist das Tuk­tuk zum Flug­ha­fen bestellt. (M)