Aktualisiert am 18/11/2022 von Gina

Australien von Sydney nach Cairns – Weltreiselog Teil 5

Der Flug von Santiago de Chile nach Sydney mit kurzem Zwischenstop in Neuseeland war sehr lang. Tatsächlich war es der längste Flug auf unserer Weltreise.

Tipps, wie du einen Langestreckenflug möglichst gut überstehst, findest du bei Travelworldonline.

Trotzdem kamen wir recht entspannt und gut gelaunt am Airport an. Nach einigen Zollformalitäten saßen wir auch schon im Taxi zu unserer AirBnB-Unterkunft etwas außerhalb der City.

Der erste Eindruck von Sydney

Sydney hat uns sofort in seinen Bann gezogen. Kosmopolitisch, multikulturell, ein sensationeller Hafen mit Booten, die zum öffentlichen Nahverkehr gehören, Traumstrände, der Pazifik, im Hinterland Berge und sogar im Winter warm.

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Die City von Sydney empfängt uns mondän

Begegnungen mit den Aussies

Was will man mehr? Natürlich muss ich hier die Aussies erwähnen: „Hi, how are you doing“ oder „Hi guys“ – für mich als Deutschen ist es eher ungewohnt immer mit einem breiten Grinsen begrüßt zu werden.

Wobei ich gleich eine Story loswerden muss: wenige Minuten fussläufig von unserer Unterkunft gab es den Aldi. Klar, dort mussten wir einkaufen.

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Aldi – fast wie zu Hause

Beim intensiven Studieren und Vergleichen von Produkten und Preisen mit heimischen Produkten sprach mich ein Aussie an, ob er mir helfen könne. Zwanzig Minuten später verabschiedeten wir uns nach langem Palaver wie alte Freunde.

Auch auf der Straße und in der Bahn wurde uns freundlich Hilfe angeboten, wenn wir mal ratlos in den Stadtplan schauten.

Mit der Fähre zur Watson Bay

Den ersten Tag in Sydney nutzten wir gleich zu einer Fahrt mit der Fähre zur nahegelegenen Watson Bay. Über den Strand und einen Wanderweg gelangten wir zum alten, 1858 erbauten Leuchtturm.

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Der alte Leuchtturm

Von dort gibt es einen wunderschönen Blick aufs offene Meer.

Havarie bei der Segelregatta

Auf dem Weg erlebten wir den Start einer Segelbootregatta, in deren Folge vor unseren Nasen drei Boote miteinander kollidierten. Gottseidank gab es augenscheinlich keine Verletzten. Die Boote konnten aus eigener Kraft zurück zum Hafen fahren.

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Au weia, gleich kracht es

Free Walking Tour durch Sydney

Am nächsten Tag besuchten wir auf Empfehlung unserer Gastgeber einen Bauernmarkt. Dort gab es Bio-Produkte, diverse Spezialitäten und – deutsches Brot. Lecker!

Nachmittags ging es dann in der Stadt zu einem „free Walk“. Einheimische führen Touristen kostenlos zwei Stunden durch die Stadt. Wir erfuhren sehr viel über die Geschichte und hörten spannende Geschichten. Unser Guide Gino machte das wirklich sehr gut.

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Free walk mit Gino und zwei französischen Travellerinnen

Natürlich besuchten wir das alte Hafenviertel „the Rocks“ mit seinen interessanten Wohnhäusern.

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Alte Häuser in „The Rocks“

Dann das Hyde Park Barracks Museum, das über die Lebensumstände der Sträflinge und späteren Siedler erzählt. Wirklich sehenswert. Eigentlich sind ja die meisten Australier Nachkommen von Kriminellen.

Als in England im 18. Jahrhundert die Gefängnisse aus allen Nähten platzten, begann man, Gefangene nach Australien zu verschiffen. Dort wurden die Gefangenen erstmal weiterhin inhaftiert, bekamen aber später Land, um sich eine normale Existenz aufzubauen.

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Bequem ist anders

Daraus entstand kurzgefasst die australische Bevölkerung. Was mit den Aboriginals geschah und immer noch geschieht, ist bekannt und beschämend. In Sydney selbst sieht man nur wenige Aboriginals, dafür umso mehr Asiaten, aber auch Libanesen, Griechen und andere, die hier in eigenen Stadtteilen leben.

Regenwetter in Sydney – auch ein Erlebnis

Leider hatten wir auch schlechtes Wetter in Sydney. Was bedeutet, dass wir australischen Regen und dessen Folgen erlebt haben:

  • Der Regen ist stärker als bei uns
  • Die Kanalisation ist unterdimensioniert
  • Die Autos fahren durch das Wasser und spritzen Passanten gerne nass
  • Die Busse sind undicht. In unserem Bus tropfte es aus der geschlossenen Dachluke

Besonders letzteres hat mir zu denken gegeben. In Südamerika waren wir da Besseres gewohnt.

Die Tücken des Linksverkehrs – auch für Fußgänger

Die Australier haben irgendwas falsch gemacht, sie fahren nämlich auf der falschen Seite. Left is right and right is wrong. Ist doch nicht logisch, oder? Als Fußgänger muss man beim Überqueren der Straße erst rechts, dann links schauen. Wobei mein Kopf erstmal automatisch nach links dreht, denn von dort kommen die Autos beim Rechtsverkehr. Außerdem halten die Aussies nicht gerne für Fußgänger. Also entweder zur nächsten Ampel, einen laaange Autolücke nutzen oder ganz ganz schnell die Straße überqueren.

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Zum Glück wird man darauf hingewiesen

Exotische Tierwelt in Sydney

Morgens wacht man durch komische Geräusche auf. Selbst in Sydney gibt es viele Vögel, die nicht nur zwitschern und tirilieren, sondern krächzen, kreischen oder schreien. Laut, aber nicht schön. Andere lachen oder hören sich an wie jammernde Kinder. Übrigen begegneten uns auf unserem Weg zur Bahn Pelikane, Kakadus und Kormorane.

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Pelikane im Park der Vorstadt

Am Hafen entpuppten sich die Möwen als Meisterdiebe, indem sie den Leuten das Essen im Flug aus der Hand klauten. Dort ließen sich auch Robben blicken, die sich zur Belustigung der Passanten in der Sonne räkelten.

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Sonnenbad im Hafen

Natürlich ist Sydney teuer, auch der Aldi war teurer als hier. Dafür bietet die Stadt nicht nur dem Touristen viel. Parks, die Strände, shopping, vielfältige Küche, Pubs. Ach, wir wären gerne länger geblieben. Sydney, du bist meine heimliche Liebe…

Ankunft in Cairns

Nach einem spektakulären Anflug über die Küste des Great Barrier Reef landen wir im tropischen Norden Queenslands in Cairns. 

Cairns Küste

Ausblick über die Küste bei Cairns

Am ersten Morgen weckt uns prasselnder Regen und lässt uns langsam ernsthaft an der Gunst des Wettergottes zweifeln. Doch bis wir mit frühstücken fertig sind, ist der Regen einem Sonne-Wolken-Mix gewichen. Wie machen uns auf ins Zentrum, ein 40-Minuten-Spaziergang von unserer Airbnb-Wohnung aus. Unser Weg führt an der Esplanade am Meer entlang. Überall warnen Schilder vor Krokodilen, selbst hier am Stadtstrand.

Nicht sehr beruhigend. Diese Schilder sieht man fast überall

Cairns wirbt damit, das Tor zum Barrier Reef  zu sein. Eine Flotte von Schiffen verlässt allmorgendlich den Hafen, um Touristen zum Schnorcheln, zum Tauchen, zum Unterwasser-Spaziergang oder zu Glasbodenbootfahrten zu bringen. Meist sind es riesige Katamarane mit 150 bis zu 300 Passagieren.

Auf solche Massenbelustigungen haben wir ja null Bock. Also wühlen wir uns durch die mannigfaltigen Angebote, bis wir auf eine Segelboottour stoßen, mit maximal 20 Passagieren. Es geht zwar nicht bis zum Outer Reef, sondern nur nach Green Island, dafür haben sie dort einen Schnorchelspot ganz für sich allein. Und auf dem Rückweg wird garantiert gesegelt. Hört sich gut an. 

Sieht doch traumhaft aus…

Ein bisschen Bauchschmerzen bereitet uns das durchwachsene Wetter, aber schließlich entschließen wir uns zu buchen. 

Aufbruch zum Segeln im Regen

Es regnet die ganze Nacht, am Morgen begrüßt uns ein grauer Himmel. Im Nieselregen machen wir uns auf dem Weg zum Hafen. Die Hoffnung darauf, dass es wie gestern am Morgen aufklart, bleibt vergebens.

20 frustrierte Passagiere drängen sich unter der Regenpersenning der Ocean Free und trösten sich mit Kaffee, Teilchen und frischem Obst. Die Crew tut ihr Möglichstes, gute Laune zu verbreiten.

Schließlich legen wir ab, unter Motor geht es los Richtung Green Island. Wegen Wind und Wellen wird es eine nasse Fahrt werden. Vorsorglich ziehen wir uns schon mal die Neoprenshorties an, darüber gegen den kühlen Wind die Regenjacken. Uns doch egal, wie das aussieht! 

Zur Stabilisierung wird zusätzlich zum Motor ein Großsegel gesetzt. Das Schiff pflügt mit dem Auf und Ab der Wellen durch das Meer. Der Regen ist einer grauen Wolkendecke gewichen, durch die sich schließlich auch mal die Sonne durchkämpft. Wir stellen uns ganz vorne auf den Bug und lassen uns von der überkommenden Gischt duschen. Wenigstens ist das Wasser schön warm, die Laune steigt wieder. 

Schnorcheln vor Green Island

Nach zwei Stunden machen wir am Riff vor Green Island fest. Die Insel sieht aus der Ferne aus wie aus dem tropischen Bilderbuch: türkises Wasser, durchgehender heller Sandstrand und dichte, sattgrüne tropische Vegetation in der Mitte. 

Green Island bei Cairns

Aus der Ferne wunderschön

Wir bekommen unsere Schnorchelausrüstung und eine kurze Einführung. Dann geht es über eine seitlich am Schiff ausgeklappte Treppe ins Wasser. Auch im Schutz der Insel haben wir noch etwa einen Meter hohe Wellen und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das mit dem schnorcheln funktionieren soll. Mein Bild vom Schnorcheln bestand bisher in spiegelglatter Oberfläche und natürlich Sonnenschein. 

Segeln vor Cairns

Die Ocean Free vor Green Island

Doch sobald ich mit der Taucherbrille unter Wasser bin, ist der Wellengang völlig vergessen. Die Sicht ist zwar nicht so klar, als wenn die Sonne schiene. Dennoch sehe ich sofort ein paar schwarze Fische mit gelben Flossen. Sie scheinen zum Greifen nah und überhaupt nicht scheu.

Direkt neben dem Schiff ist das Wasser relativ tief, aber ein paar Flossenschläge bringen mich unmittelbar über die Korallen. Eine unendliche Vielfalt von Formen und leuchtende Farben faszinieren mich. Plötzlich bin ich mitten in einem Schwarm kleiner hellblauer Fische, die um mich herum schwimmen. Ein rot-grau gestreifter Fisch knabbert an den Korallen. Zwei weitere bunte Fische schwimmen in einem munteren Pas-de-Deux umeinander herum.

Ich bin entzückt, es ist, als schwämme ich mitten in einem tropischen Aquarium. Lediglich das Salzwasser, das sich immer wieder in meinem Mund sammelt, zwingt mich dazu aufzutauchen.  

Schließlich finden sich alle wieder auf dem Schiff ein und ein reichhaltiges Lunchbüffet wird aufgetischt. Garnelen, Lachs und Hähnchenschenkel, dazu verschiedene Salate. 

Nachdem alle gesättigt sind, werden wir mit einem kleinen Boot zu Green Island rüber gefahren. Ein Ausflug, den man sich auch schenken könnte. Die Insel, die man in 20 Minuten umrunden kann, besitzt einen riesigen Anlegesteg für die großen Ausflugsschiffe. Der Strand wimmelt von Tagestouristen und das in der Inselmitte liegende Resort ist auf Schnellabfertigung eingestellt. Muss man nicht haben. 

Große Katamarane für die Menschenmengen

Unter Segeln zurück nach Cairns

Nachdem wir zum Schiff zurückgekehrt sind, werden die Segel gehisst für den Heimweg. 

Hoch die Segel!

Hoch die Segel!

Der Himmel reißt noch einmal auf und lässt Blau durch die Wolken blitzen. Für mich beginnt der schönste Teil des Tages. Auf einem bequemen Am-Wind-Kurs wiegt sich die Yacht harmonisch in den Wellen. In leichter Schräglage pflügen wir durch das blaue Wasser. 

So lässt es sich aushalten…

Ich suche mir einen Platz auf dem Oberdeck und habe Tränen des Glücks in den Augen. Den Blick auf die heran rollenden Wellen oder nach oben in die weißen Segel gerichtet, genieße ich die Fahrt. 

Weiße Segel, blauer Himmel – was will man mehr

Von der Crew wird Käse und Wein gereicht, ein perfekter Abschluss des Tages, der mich mit dem grauen Wetter versöhnt.

Wolken über Cairns

Dramatische Wolken über Cairns


        

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