Unser nächs­tes Ziel ist Cien­fue­gos. Da der Via­zulbus über Havan­na fährt, was drei Stun­den zusätz­li­che Fahrt­zeit bedeu­tet, haben wir für einen gerin­gen Auf­preis bei Cuba­tur einen Mini­bus gebucht. Der ent­puppt sich jedoch als ein ganz nor­ma­les Taxi, eine Citro­en Xsa­ra Limou­si­ne, in dem wir sehr beengt mit vier Pas­sa­gie­ren rei­sen. Eine Her­aus­for­de­rung ist es, die vier gro­ßen Gepäck­stü­cke in dem Kof­fer­raum zu ver­stau­en, doch der Fah­rer meis­tert sie nach eini­gem Hin- und Her­pa­cken zu aller Zufrie­den­heit. Ans Auto­fah­ren ohne Sicher­heits­gur­te gewöh­nen wir uns lang­sam.

Nach fünf Stun­den Fahrt errei­chen wir Cien­fue­gos. Unse­re Casa liegt auf hal­bem Wege zwi­schen dem Stadt­zen­trum und Pun­ta Gor­da, einem ehe­mals schi­cken Stadt­vier­tel direkt am Meer. Wir schlen­dern nach­mit­tags Rich­tung Pun­ta Gor­da.

Cienfuegos Punta Gorda

Vil­la in Pun­ta Gor­da

Cienfuegos Punta Gorda Ufer

Am Ufer in Pun­ta Gor­da

Dort holen wir uns einen Moji­to an der Bar im Park, set­zen uns ans Ufer und gucken aufs Meer. Zurück ins Zen­trum fah­ren wir mit dem Bici­ta­xi, eine Art Fahr­rad­rik­scha. Wäh­rend der Fahrt kommt ein tro­pi­scher Regen­guss her­un­ter, wir sit­zen rela­tiv tro­cken unter dem Dach des Bici­ta­xis. Gera­de als wir im Zen­trum ankom­men, stoppt der Regen und die Son­ne bricht wie­der her­vor. Die nass­glän­zen­de Stra­ße und die vom war­men Abend­son­nen­licht beschie­ne­nen pas­tell­far­be­nen Fas­sa­den zau­bern eine ganz eige­ne Atmo­sphä­re.

Cienfuegos Kathedrale

Kathe­dra­le im Abend­licht

Cien­fue­gos wird wegen sei­ner schö­nen Kolo­ni­al­ar­chi­tek­tur auch die „Per­le des Südens“ genannt. Im 17. Jahr­hun­dert flüch­te­ten vie­le fran­zö­si­sche Zucker­ba­ro­ne vor dem Skla­ven­auf­stand in Hai­ti hier­hin und so sind die Gebäu­de von fran­zö­si­scher Ele­ganz geprägt, mit Säu­len und klei­nen Türm­chen. Rund um den zen­tra­len Platz sind die meis­ten Häu­ser bereits reno­viert.

Cienfuegos Kolonialarchitektur

Das Leben als Zucker­ba­ron muss süß gewe­sen sein…

Die Stadt liegt inner­halb einer gro­ßen Bucht, die sich zum Meer hin ver­engt und dort von einem Cas­til­lo gegen die Pira­ten­über­fäl­le gesi­chert. Zu die­sem Cas­til­lo soll eine Fäh­re fah­ren, meh­re­re, um genau zu sein: für die Tou­ris­ten gibt es Tou­ri-Rund­fahrt mit Musik ein­mal durch die gan­ze Bucht vom Jacht­ha­fen aus. Für die Ein­hei­mi­schen fährt drei­mal täg­lich eine Fäh­re vom alten Hafen aus. Wir wol­len natür­lich das Ori­gi­nal-Erleb­nis und machen uns auf, den Fähr­an­le­ger zu suchen. Dort erfah­ren wir, dass die Fäh­re kaputt sei. Doch wür­de statt­des­sen ein Bus ein­ge­setzt, der zum Hotel Pasa­ca­bal­lo fah­re, von wo aus mit einer ande­ren Fäh­re zum Cas­til­lo über­ge­setzt wer­den kön­ne. Wir nut­zen die War­te­zeit bis zur Abfahrt, um den Fried­hof zu besich­ti­gen, der schö­ne Mar­mor-Grab­ma­le aus den gol­de­nen Zei­ten Cien­fue­gos beher­bergt.

Cienfuegos Friedhof

Fried­hof von Cien­fue­gos

Mit einer Pfer­de-Drosch­ke fah­ren wir zurück in den Ort. Pfer­de­kut­schen wer­den hier in Cien­fue­gos anschei­nend auch für den öffent­li­chen Nah­ver­kehr ein­ge­setzt, wir sehen sie oft mit einer Art Lini­en­be­zeich­nung auf der Sei­te. Mit sechs bis acht Pas­sa­gier­plät­zen unter einer Pla­ne und einem mage­ren klei­nen Pferd davor gespannt sieht man sie oft im Stra­ßen­bild.

Cienfuegos Pferdedroschke

Typi­sche Pfer­de­drosch­ke

 

Vor dem Fähr­ge­län­de steht tat­säch­lich schon der „Bus“ bereit: ein soge­nann­tes Camel­lo (Kamel), ein Sat­tel­schlep­per, der zu einem Trans­port­mit­tel für Men­schen umge­baut wur­de. Sei­nen Spitz­na­men hat er von den zwei „Höckern“, zu denen sich die Karos­se­rie über der Vor­der- und Hin­ter­ach­se erhebt.

Cienfuegos Camello

Wun­der­werk kuba­ni­schen Trans­port­we­sens

Das Gefährt steht da, mit schöns­ter Rost­pa­ti­na über­zo­gen. Innen fin­den sich ein­fachs­te Stüh­le aus Metall­ge­stell und Plas­tik­sitz, not­dürf­tig an den Boden geschweißt. Da die Blech­kis­te die gan­ze Zeit in der Mit­tags­son­ne steht, ist es gut warm dar­in, den Ein­satz von Air­con­di­ti­on kann man bei die­sem Kom­fort­ni­veau natür­lich nicht erwar­ten.

Cienfuegos Camello innen

Auch von innen alles da, was man braucht…

Der Camel­lo füllt sich all­mäh­lich, wir sind die ein­zi­gen Tou­ris­ten. Man schenkt uns den ein oder ande­ren neu­gie­ri­gen Blick. Dann geht die lus­ti­ge Fahrt los, laut rap­pelnd und schep­pernd, ohne jeg­li­che Fede­rung bewegt sich das Gefährt durch die Stra­ßen Cien­fue­gos und schließ­lich durch das Umland. Wir errei­chen das Hotel Pasa­ca­bal­lo, ein Beton­bau, der iso­liert in der Land­schaft liegt und die Men­schen strö­men aus dem Bus. Aber wo geht es denn nun zur Fäh­re? Eine Fähr­ram­pe ist nicht zu erken­nen, aber die Mas­se bewegt sich über diver­se Pfa­de ins Ufer­ge­büsch, wir lau­fen hin­ter­her – und sie­he da, am Ende erwar­tet uns eine Beton­pier, auf die schon die Fäh­re zusteu­ert.

Cienfuegos Fähre

Die Fäh­re wird gut fre­quen­tiert

Wir bezah­len unse­ren obli­ga­to­ri­schen CUC als Fahr­preis und set­zen über zur ande­ren Sei­te, wo das Cas­til­lo über einem klei­nen Ort thront. Wir stei­gen empor zum Cas­til­lo, doch wel­che Ent­täu­schung: die Zug­brü­cke ist hoch­ge­zo­gen, es scheint geschlos­sen zu sein. Wahr­schein­lich wie­der in Restau­ra­ti­on. Wir nähern uns trotz­dem, um wenigs­tens von außen ein paar Fotos zu machen und sie­he da: plötz­lich wird die Zug­brü­cke her­ab gelas­sen – nur für uns! Wir zah­len unse­ren Ein­tritt und kön­nen unge­stört im Cas­til­lo her­um strei­fen.

Cienfuegos Castillo

Die Zug­brü­cke öff­net sich für uns

Cienfuegos Castillo Glocke

Ein biss­chen Posing vor alter Kulis­se

Die Fäh­re, die uns wie­der zurück zur ande­ren Sei­te kommt, ist rich­tig voll und die Men­schen­mas­sen strö­men nach dem Anle­gen die Ufer­pfa­de hoch, wo schon der Camel­lo bereit steht. Ich bezweif­le, dass alle hin­ein pas­sen – aber da täu­sche ich mich! Das Gefährt setzt sich erst in Bewe­gung, als alle Mit­fahr­wil­li­gen hin­ein gequetscht wur­den. Es ist heiß, eng und sti­ckig, der Camel­lo rum­pelt über unebe­ne Stra­ßen. Den­noch ist die Stim­mung gelas­sen und fröh­lich, die Leu­te unter­hal­ten sich ange­regt, der ein oder ande­re stärkt sich mit einem Schlück­chen Rum. Was für ein Unter­schied zu einer hoch­som­mer­li­chen Bahn­fahrt zur Rush-Hour in Deutsch­land, wo die meis­ten genervt und gereizt sind! Obwohl die Bahn viel kom­for­ta­bler ist als ein Camel­lo… In Cien­fue­gos ange­kom­men stei­gen wir ver­schwitzt, aber um eine typi­sche Cuba-Erfah­rung rei­cher aus.

wei­ter nach Tri­ni­dad

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