Um acht Uhr am nächs­ten Mor­gen fährt unser Bus nach Cama­güey ab, pünkt­lich wie immer bei Via­zul. Inter­es­san­ter­wei­se hält der Bus unter­wegs an einem Restau­rant an, das haben wir bis­her noch nicht erlebt. Offen­sicht­lich ist es auch fahr­plan­mä­ßig nicht vor­ge­se­hen, denn wir kom­men ent­spre­chend spä­ter in Cama­güey an, aber der Bus­fah­rer wird ver­mut­lich eine net­te Pro­vi­si­on vom Restau­rant­be­sit­zer erhal­ten.

Nach­mit­tags machen wir uns auf, den Ort zu erkun­den. Cama­güey lag ursprüng­lich direkt an der Küs­te. Als man irgend­wann die stän­di­gen Pira­ten­über­fäl­le leid war, ver­leg­te man den Ort 90 Kilo­me­ter ins Lan­des­in­ne­re. Als wei­te­re Vor­sichts­maß­nah­me wur­den die Gas­sen ver­win­kelt ange­legt, um den See­räu­bern die Ori­en­tie­rung zu erschwe­ren. Das funk­tio­niert heu­te noch bei den Tou­ris­ten. Gegen die Pira­ten hat es aller­dings nicht viel gehol­fen, die nah­men 90 Kilo­me­ter Land­weg ger­ne in Kauf, um die rei­chen Kir­chen­schät­ze zu erbeu­ten und der Kirch­turm war auch in laby­rin­thisch ange­leg­ten Gas­sen ein guter Ori­en­tie­rungs­punkt.

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Dem Rei­se­füh­rer ent­neh­men wir, dass es in Cama­güey einen gro­ßen Markt geben soll, den wol­len wir uns natür­lich anse­hen. Nach eini­gem Umher­ir­ren in den Gas­sen fin­den wir ihn schließ­lich. Ein gro­ßer Platz mit vie­len fes­ten Markt­bu­den – aber fast kein Ange­bot! Die meis­ten der Buden sind geschlos­sen, die weni­gen offe­nen haben ein mage­res Ange­bot von ein paar Ana­nas, Man­da­ri­nen oder Bana­nen, das noch nicht mal die Ver­kaufs­flä­che aus­füllt. Wir erwer­ben für ein paar Pesos eine Ana­nas und eine Hand­voll Man­da­ri­nen, die wir spä­ter zur Sies­ta auf unse­rer Dach­ter­ras­se ver­spei­sen.

spärliches Angebot

spär­li­ches Ange­bot

Danach zieht es uns in Rich­tung des stän­di­gen Tutens, das wir von unse­rer Casa aus hören kön­nen und wir ent­de­cken den Bahn­hof Cama­güeys. Ein fas­zi­nie­ren­des Ver­kehrs­ge­drän­ge herrscht dort. Das ursprüng­li­che Bahn­hofs­ge­bäu­de ist so ver­rot­tet, dass es wegen Ein­sturz­ge­fahr gesperrt ist. Auf der ande­ren Sei­te des Bahn­über­gangs über­nimmt eine ehe­ma­li­ge Lager­hal­le nun die Funk­ti­on des Bahn­hofs. Uraltes Zug­ma­te­ri­al wird über den Bahn­über­gang hin- und her manö­vriert. Wenn sich die Schran­ke schließt, setzt sich der Zug schwer­fäl­lig unter war­nen­dem Hupen in Bewe­gung, den­noch wuseln Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer noch schnell an den Schran­ken vor­bei.

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Da unser Bus nach San­tia­go erst mit­tags abfährt, haben wir vor­mit­tags noch Zeit, in der Stadt eini­ge Ein­käu­fe zu machen. Dabei fin­den wir zwei Kir­chen offen, die wir bis­her nur außer­halb der Öff­nungs­zei­ten pas­siert hat­ten.

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In der Igle­sia Nues­tra Seño­ra de la Mer­ced bewun­dern wir einen kunst­voll geschmie­de­ten Sarg aus rei­nem Sil­ber, in dem ein rei­cher Zucker­ba­ron sei­nen ein­zi­gen Sohn bestat­te­te. Ein paar Meter wei­ter in der Igle­sia de Nues­tra Seño­ra de Soledad fin­det eine Mas­sen-Con­se­gra­ción von Babys statt. Fest­lich geklei­de­te Fami­li­en las­sen ihren Nach­wuchs seg­nen.

wei­ter nach San­tia­go de Cuba

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