Am nächs­ten Mor­gen sit­zen wir im Bus und las­sen uns über eine ser­pen­ti­nen­rei­che Stra­ße quer über das Gebir­ge nach Bara­coa, dem öst­lichs­ten Ort Cubas kut­schie­ren. Die­se Stra­ße ist zur Abwechs­lung in her­vor­ra­gen­dem Zustand, es gibt auch immer wie­der klei­ne Park­buch­ten, wo man anhal­ten und die spek­ta­ku­lä­re Berg­ku­lis­se bewun­dern kann.

Baracoa STraße Berge

Aus­sicht über die Berg­land­schaft

Am Rand ste­hen hier und da Händ­ler, die Büschel von Man­da­ri­nen, Bana­nen oder die hier typi­sche Süßig­keit Cucu­rucho, eine in ein wie eine Eis­tü­te geform­tes Palm­blatt gefüll­te Mas­se aus Kokos­nuss, Honig und Gua­ve. Ein­mal hält der Bus an, die Händ­ler dür­fen den Bus betre­ten und ihre Waren anbie­ten. Ich erwer­be zwei Cucu­ruchos, die wir spä­ter zum Kaf­fee aus­löf­feln wer­den.

Die Berg­stra­ße nach Bara­coa wur­de erst nach der Revo­lu­ti­on erbaut, vor­her war der Ort nur per Schiff oder über sei­nen klei­nen Flug­ha­fen erreich­bar.

Nach­mit­tags errei­chen wir Bara­coa. Die Haupt­stra­ße ist von bun­ten Häu­sern gesäumt, ein paar Stu­fen füh­ren zu dem veran­daar­tig über­dach­ten Bür­ger­steig.

Baracoa Hauptstraße

Bun­te Häu­ser säu­men die Haupt­stra­ße

Unse­re Ver­mie­ter holen uns mit einem alten Jeep Wil­lys ab, die Sit­ze sind mit bro­kat­ar­ti­gem Sofa­kis­sen­stoff bezo­gen.

Baracoa Jeep Willys

Rus­ti­ka­les Gefährt

Zu unse­rem Zim­mer gehört eine klei­ne pri­va­te Innen­ter­ras­se, von wo aus eine Holz­trep­pe aufs Flach­dach führt – Dach­ter­ras­se mit Meer­blick! Den Blick aufs Meer erhascht man zwar nur durch eine Lücke zwi­schen zwei roh­bau­ar­ti­gen, unver­putz­ten Häu­sern, aber immer­hin.

Nach­mit­tags erkun­den wir den Ort und buchen für die nächs­ten zwei Tage Aus­flü­ge. Die Attrak­tio­nen bestehen haupt­säch­lich aus der Natur rings­um und ohne Auto kommt man da schlecht hin. Der Rück­weg führt uns über den Malecón am Meer ent­lang, wie über­all in Cuba eine trost­lo­se, unge­pfleg­te Beton­stra­ße und –mau­er. Aber der Blick auf die her­an­rol­len­de Bran­dung, die in dicken Gischt­wol­ken an den Fel­sen explo­diert ent­schä­digt.

Baracoa Brandung Malecon

Bran­dung am Malecón

Am Ende der Ufer­stra­ße steht ein über­di­men­sio­na­les Denk­mal von einem hal­ben Kolum­bus, um den Anspruch zu unter­strei­chen der ers­te Ort gewe­sen zu sein, den Kolum­bus auf Cuba ent­deckt hat. Bara­coa ist von einer gewis­sen his­to­ri­schen Bedeu­tung, denn es könn­te die Stel­le sein, an der Kolum­bus erst­ma­lig sei­nen Fuß auf Cuba gesetzt hat. Da es den Ort damals noch nicht gab, kann man sich nur auf die unge­nau­en Anga­ben in Kolum­bus‘ Log­buch stüt­zen. Die Beschrei­bun­gen dort pas­sen aller­dings auf meh­re­re Orte, die sich heu­te um die Ehre strei­ten, der ers­te gewe­sen zu sein.

Unser Aus­flug am nächs­ten Tag führt uns nach Boca de Yum­urí, der öst­lichs­te Ort Cubas, den man errei­chen kann. Hier mün­det der Rio Yum­urí, der in einem fan­tas­ti­schen Can­yon Rich­tung Meer fließt. Wir wer­den zusam­men mit zwei wei­te­ren Paa­ren in einen gro­ßen, leuch­ten­drot lackier­ten Gelän­de­wa­gen unde­fi­nier­ba­rer Mar­ke gezwängt.

unser feuerrotes Rundfahrtmobil

unser feu­er­ro­tes Rund­fahrt­mo­bil

Zuerst steu­ern wir eine Kakao­plan­ta­ge an. Gui­de Ricar­do, mit ver­we­ge­ner Che-Gue­va­ra-Müt­ze führt uns durch die Urwald-arti­ge Plan­ta­ge. Ich habe mir ordent­li­che Rei­hen von Pflan­zen vor­ge­stellt, aber hier wächst alles fröh­lich durch­ein­an­der. Kakao­bäu­me, Kaf­fee­sträu­cher, tro­pi­sche Obst­sor­ten und ande­res bil­den einen dich­ten grü­nen Raum.

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so sieht Kakao aus

Baracoa Kakaoplantage

und so Mar­cus als „Com­man­dan­te”

Im Haus der Far­mer­fa­mi­lie wer­den uns Früch­te und fri­scher Kakao ser­viert, des­sen Zube­rei­tung die Bäue­rin zuvor erläu­tert hat.

Baracoa KAkao

In der Kakao-Küche

Wei­ter geht die Fahrt, der nächs­te Stopp ist ein klei­nes Dorf direkt am Meer. In einem tra­di­tio­nel­len Holz­haus gibt ein alter Mann ein Kon­zert für uns. Drau­ßen auf der Ter­ras­se lie­gen gemüt­lich zusam­men­ge­ku­schelt ein schwar­zes und ein hel­les Schwein.

glückliche Schweine

glück­li­che Schwei­ne

Als wir wie­der vor die Tür tre­ten, sehen wir eini­ge Schwei­ne, die ins war­me kari­bi­sche Meer lau­fen und ein Bad neh­men.

sehr glückliche Schweine!

sehr glück­li­che Schwei­ne!

Auch die Dorf­schu­le dür­fen wir besich­ti­gen. Sie besteht aus zwei Klas­sen, die Kin­der tra­gen Schul­uni­for­men und auf ein Zei­chen des Leh­rers sprin­gen sie bei unse­rem Ein­tre­ten auf und skan­die­ren eine Paro­le.

Baracoa Dorfschule

Dorf­schu­le in Bara­coa

Schließ­lich errei­chen wir unser Ziel, Boca de Yum­urí. Eine Brü­cke über­spannt den Fluss, von hier aus kann man sich mit einem Ruder­boot ein Stück den Can­yon hoch­fah­ren las­sen, bis zu einer Kies­bank, auf der wir ras­ten und von der aus wir im Fluss schwim­men kön­nen. Senk­rech­te Fels­wän­de ragen auf der ande­ren Sei­te auf, hel­les Gestein durch­setzt mit satt­grü­ner tro­pi­scher Vege­ta­ti­on.

Boca de Yumurí

Boca de Yum­urí

Nach Rück­kehr in die klei­ne Snack­bar in Boca de Yum­urí packt Ricar­do sei­ne Gitar­re aus, ver­teilt Rhyth­mus­in­stru­men­te an uns und es gibt eine klei­ne Musik­ein­heit. Ein älte­rer Mann im Hin­ter­grund hat plötz­lich auch zwei Ras­seln in der Hand und macht eif­rig mit.

und jetzt das Lied vom Comandante...

und jetzt das Lied vom Coman­dan­te…

Am fol­gen­den Tag haben wir bei Cuba­tur einen Aus­flug in den Alex­an­der-Hum­boldt-Natio­nal­park gebucht. Als wir in der Agen­tur ankom­men, sagt man uns, die Tour müs­se aus­fal­len, angeb­lich sei zu viel Was­ser im Fluss. Als Alter­na­ti­ve bie­tet uns der unmo­ti­vier­te Ange­stell­te die Tour zum Yun­que, dem cha­rak­te­ris­ti­schen Tafel­berg west­lich von Bara­coa an. Ich habe kei­ne Wan­der­schu­he, nur Trek­king­san­da­len an, aber der Typ meint, das sei kein Pro­blem. Viel Wahl haben wir nicht, also ent­schei­den wir uns dafür. Wir wer­den zusam­men mit einem spa­ni­schen Paar in einen 50er-Jah­re-Old­ti­mer ver­frach­tet, der auf dem Weg zum Yun­que beweist, dass er durch­aus gelän­de­gän­gig ist. Auf holp­ri­gen, aus­ge­fah­re­nen Lehm­we­gen wer­den wir zum Ziel geschau­kelt. Dort wer­den wir kur­zer­hand einer hol­län­di­schen Groß­grup­pe zuteilt. Zunächst auf brei­tem Wald­weg geht es Rich­tung Fluss, den wir durch hüft­ho­hes strö­men­des Was­ser durch­wa­ten. Die Trek­king­san­da­len sind doch eine gute Wahl gewe­sen.

Baracoa Trekking Flussquerung

Aben­teu­er­li­che Fluss­que­rung

Dann geht es auf der ande­ren Sei­te steil berg­auf, durch Kakao­plan­ta­gen und dich­te dun­kel­grü­ne Vege­ta­ti­on. Der Weg besteht aus tief­schwar­zem, zähem Schlamm. Es ist heiß und schwül, das Tem­po unse­res Gui­des ist flott und eini­ge Teil­neh­mer fal­len mit mir hin­ter die Grup­pe zurück. Nach einer Stun­de schweiß­trei­ben­den Auf­stiegs errei­chen wir mit hoch­ro­ten Köp­fen ein klei­nes Pla­teau – und hier steht ein tro­pi­sches All-you-can-eat-Früch­te­buf­fet! Eine gro­be Holz­hüt­te, davor ein Tisch mit einer rosaka­rier­ten Plas­tik­tisch­de­cke, auf dem mund­ge­rech­te Stü­cke von Bana­nen, Man­da­ri­nen, Pome­los und ande­rem Obst dar­ge­bo­ten wer­den. Für 1 CUC dür­fen wir zugrei­fen, soviel wir wol­len. Mit einer gro­ßen Mache­te zer­teilt der Bau­er das Obst und sorgt so stets für fri­schen Nach­schub. Hier führt kein Fahr­weg hin, er hat das Zeug alles hier hoch geschleppt!

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Obst­buf­fet in der Wild­nis

Von hier aus hat man einen herr­li­chen Aus­blick über den tro­pi­schen Regen­wald. Ich ent­schei­de, dass mir das reicht und ver­zich­te ange­sichts mei­nes unzu­rei­chen­den Schuh­werks auf die wei­te­re Stun­de Auf­stieg bis zum Gip­fel. Mit mir beschlie­ßen noch zwei, drei ande­re Teil­neh­mer hier zu war­ten, wir machen es uns auf den ein­fa­chen Bän­ken bequem.

Der Abstieg geht ein­fa­cher als erwar­tet, als krö­nen­der Abschluss erwar­tet uns ein erfri­schen­des Bad im kla­ren Fluss­was­ser.

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Das tut gut!

Wäh­rend­des­sen zie­hen sich dicke graue Wol­ken am Him­mel zusam­men und als wir gera­de wie­der auf­bre­chen wol­len, klat­schen die ers­ten schwe­ren Trop­fen auf uns. Wir flüch­ten unter eine über­dach­te Pick­nick­stel­le, der Him­mel öff­net sämt­li­che Schleu­sen und ein tro­pi­scher Regen­guss rauscht her­nie­der.

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Tro­pi­scher Regen­guss

So schnell, wie der Guss beginnt ist er auch wie­der vor­bei und die Son­ne strahlt wie­der auf die Kulis­se.

Abends schau­en wir in der Casa de la tro­va bei einem Moji­to cuba­ni­schen Pär­chen beim Sal­sa­tan­zen zu. Ihnen liegt der Rhyth­mus im Blut, es ist fas­zi­nie­ren­des Schau­spiel.

wei­ter nach Vara­de­ro

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