*Pres­se­rei­se*

Wol­fen­büt­tel ist ein klei­nes hüb­sches Fach­werk­städt­chen, das sich gut zu Fuß erkun­den lässt. Der deut­sche Dich­ter Gott­hold Ephraim Les­sing leb­te und arbei­te­te dort wäh­rend der letz­ten Jah­re sei­nes nicht all­zu lan­gen Lebens. So bie­tet sich ein Stadt­rund­gang auf Les­sings Spu­ren an. Die 5 bes­ten Sehens­wür­dig­kei­ten von Wol­fen­büt­tel haben wir bereits bei einem frü­he­rem Besuch erkun­det.

rot-weißes Fachwerkhaus in wolfenbüttel.

Fach­werk­haus in Wol­fen­büt­tel.

Mit der Wol­fen­büt­tel-App auf Les­sings Spu­ren durch die Stadt

Dazu hat sich die Tou­rist-Infor­ma­ti­on der Stadt Wol­fen­büt­tel etwas Ori­gi­nel­les ein­fal­len las­sen. In der Wol­fen­büt­tel-App gibt es eine inter­ak­ti­ve Füh­rung unter dem Titel „Les­sing lebt!”

In eine Rah­men­ge­schich­te ein­ge­bet­tet führt die lie­be­voll gestal­te­te Tour zu den Lebens- und Wir­kungs­stät­ten Les­sings. An jeder Sta­ti­on gibt es einen klei­nen Film, der den Hin­ter­grund erläu­tert. Wenn du dann eine Quiz­fra­ge rich­tig beant­wor­test, wer­den wei­te­re Inhal­te frei­ge­schal­tet, die aus Vide­os, Pod­casts oder klei­nen Tex­ten bestehen. Hier erfährst du auf leben­di­ge Art und Wei­se noch mehr aus Les­sings Leben.

Hast du Lust, uns auf dem inter­ak­ti­ven Stadt­rund­gang zu beglei­ten? Dann komm mit!

Sta­ti­on 1: Das Schloss von Wol­fen­büt­tel

Sta­ti­on 1 des inter­ak­ti­ven Stadt­rund­gangs führt zunächst in die Rah­men­hand­lung ein.

Dar­ge­stellt durch Play­mo­bil-arti­ge Figu­ren ler­nen wir Jan und sei­ne Oma Eri­ka ken­nen. Jan ist ein vom Vor­abi-Stress geplag­tes Ner­ven­bün­del, den sei­ne Eltern erbar­mungs­los sich selbst über­las­sen haben, um in ver­schie­de­nen Mis­sio­nen in der Welt her­um­zu­gon­deln. Ver­zwei­felt ruft er sei­ne Oma Eri­ka in Wol­fen­büt­tel an. Die kann ihm zwar nicht die gewünsch­te Bio­lo­gie-Nach­hil­fe geben, wird aber hell­hö­rig, als er über sei­ne Schwie­rig­kei­ten in Deutsch jam­mert. Dass es sich beim von Jan „Gan­dalf der Wei­ße” genann­ten Werk um Les­sings Nathan der Wei­se han­delt, wird ihr schnell klar und sie lädt ihren Enkel nach Wol­fen­büt­tel ein.

Hof mit weißen Säulengängen, roter Fassade und großem Baum.

Im Innen­hof des Wol­fen­büt­te­ler Schlos­ses.

Als nächs­tes sehen wir die bei­den Figu­ren im Innen­hof des Wol­fen­büt­te­ler Schlos­ses ste­hen. Durch Schwen­ken des Han­dys kön­nen wir den Hof mit sei­nen rot­brau­nen Arka­den in einem 360 Grad Pan­ora­ma-Video anschau­en. Oma Eri­ka erzählt, dass Les­sing vom Braun­schwei­ger Hof aus nach Wol­fen­büt­tel geschickt wur­de, um hier die ver­nach­läs­sig­te Biblio­thek wie­der auf­zu­bau­en und zu pfle­gen. Zunächst wohn­te er man­gels Alter­na­ti­ven im ver­wais­ten Schloss. Fünf Jah­re war er mit Eva König ver­lobt, die zu die­ser Zeit in Wien wohn­te.

Nach­dem wir die fol­gen­de Fra­ge rich­tig beant­wor­tet haben, öff­net sich der Zugang zur nächs­ten Sta­ti­on der Erleb­nis-Stadt­füh­rung.

Zunächst schau­en wir uns aber die Zusatz­in­for­ma­tio­nen zur ers­ten Sta­ti­on an, die nun auch frei­ge­schal­tet sind.

Da sehen wir eine Ver­si­on von Emi­lia Galot­ti in einem Video von Som­mers Welt­li­te­ra­tur to go. Mit Hil­fe von Play­mo­bil­fi­gür­chen wird Les­sings Klas­si­ker in kom­pak­ten zehn Minu­ten unter­halt­sam zusam­men­ge­fasst.

Wei­ter gibt es einen kur­zen Pod­cast eines fik­ti­ven Briefs einer Freun­din und Ver­eh­re­rin von Les­sing sowie eine Ein­füh­rung in die höfi­schen Sit­ten am Hof des Her­zogs.

Sta­ti­on 2: Das Meiß­ner­haus

Nach­dem wir uns das unter­halt­sa­me Mate­ri­al zu Gemü­te geführt haben, gehen wir hin­über zum Meiß­ner­haus. Hier hat Les­sing nach der Hei­rat mit Eva König 1776 gewohnt, bis das für die Fami­lie Les­sing vor­ge­se­he­ne Wohn­haus, das Les­sing­haus, fer­tig reno­viert war. Die­se Zeit bezeich­ne­te Les­sing spä­ter als das glück­lichs­te Jahr sei­nes Lebens.

In der Rol­le von Eva König berich­tet Eri­ka über die Fern­be­zie­hung, die man­gels Whats­App oder Sky­pe mit Brie­fen geführt wur­de. Außer­dem erzählt sie von Les­sings Freun­den, mit denen er regen Aus­tausch pfleg­te. Einer davon war der jüdi­sche Phi­lo­soph Moses Men­dels­sohn.

Im durch die Quiz­fra­ge frei­ge­schal­te­ten Zusatz­ma­te­ri­al erfah­ren wir in Face­book-arti­gen Steck­brie­fen etwas über ver­schie­de­ne Freun­de Les­sings.

In einem Pod­cast kommt der Dich­ter sel­ber zu Wort und berich­tet, dass er die Frei­mau­rer wegen ihres auf­klä­re­ri­schen Ansat­zes bewun­der­te. Nach­dem es ihm gelun­gen war, in eine Frei­maue­rer-Loge auf­ge­nom­men zu wer­den, war er ziem­lich ernüch­tert. In Fol­ge des­sen schrieb er das Werk „Ernst & Falk”, eine Art Fak­ten­check über die Frei­mau­rer.

Schließ­lich gibt es noch einen Text, der das glück­li­che Fami­li­en­le­ben im Meiß­ner­haus beschreibt.

Sta­ti­on 3: Her­zog August Biblio­thek

Auf geht’s zur drit­ten Sta­ti­on unse­res inter­ak­ti­ven Stadt­rund­gangs.

Wie­der in einem 360 Grad Pan­ora­ma­vi­deo beglei­ten wir Eri­ka und Jan im statt­li­chen Bau der Her­zog August Biblio­thek. Die­ses Gebäu­de hat Les­sing nie erlebt. Das ursprüng­li­che Biblio­theks­ge­bäu­de, die Rotun­de wur­de bau­fäl­lig und im 19. Jahr­hun­dert durch das heu­ti­ge neo­klas­si­zis­ti­sche Gebäu­de ersetzt.

Neoklassizistische Front der Bibliothek in Wolfenbüttel.

Die Biblio­thek in Wol­fen­büt­tel

Les­sing arbei­te­te hier nicht, weil er den Beruf so toll fand. Sei­ne Kar­rie­re als Schrift­stel­ler war noch nicht so rich­tig ins Lau­fen gekom­men, und so muss­te ein Brot-Job her. Den­noch hat er gute Arbeit in der Biblio­thek geleis­tet. Sein Sys­tem der Kata­lo­gi­sie­rung wird teil­wei­se heu­te noch ver­wen­det.

Nach der wirk­lich nicht schwie­ri­gen Quiz­fra­ge zum Beruf Les­sings wer­den die Zusatz­an­ge­bo­te frei­ge­schal­tet.

In einem Pod­cast erzählt in schöns­tem Käpt’n‑Blaubär-Hamburgerisch Her­mann Rei­ma­rus von sei­ner Bibel­kri­tik. Als Gym­na­si­al­leh­rer konn­te er sie zu Leb­zei­ten nicht äußern. Les­sing ver­öf­fent­lich­te sein Werk nach sei­nem Tod unter dem Titel ” Frag­men­te eines Unge­nann­ten”.

Fer­ner erfah­ren wir etwas über die Geschich­te der Biblio­thek und heu­ti­ge Mit­ar­bei­ter wer­den vor­ge­stellt.

Sta­ti­on 4: Das Les­sing­haus

Zwei Playmobil-Figuren vor dem gelben Haus.

Oma Eri­ka und Enkel Jan vor dem Les­sing­haus     Foto: Stadt Wol­fen­büt­tel

Ganz nahe an der Biblio­thek steht das Les­sing­haus, die Dienst­woh­nung des Biblio­the­kars. Im Pan­ora­ma-Video sehen wir Oma und Jan erst im Hof, spä­ter im Arbeits­zim­mer Les­sings. Wir erfah­ren, dass kurz nach dem Umzug der Fami­lie Les­sing Ende 1777 Eva den Sohn Trau­gott zur Welt brach­te. Doch die­ser starb kurz nach der Geburt, und Anfang Janu­ar 1778 folg­te ihm Eva in den Tod. Das kur­ze Fami­li­en­glück Les­sings war schon wie­der vor­bei.

Wäh­rend sei­ner Trau­er ver­fasst Les­sing das Thea­ter­stück „Nathan der Wei­se”, das eine ver­kapp­te Reli­gi­ons­kri­tik war. Offen die Reli­gi­on zu kri­ti­sie­ren hat­te ihm näm­lich mitt­ler­wei­le sein Dienst­herr, der Her­zog unter­sagt.

Im frei­ge­schal­te­ten Pod­cast hören wir den trau­ri­gen Brief, in dem Les­sing sei­nem Freund Eschen­burg den Tod von Sohn und Frau mit­teilt.

Ein Text infor­miert über die Hin­ter­grün­de von Nathan der Wei­se.

Und ein Video aus Micha­el Som­mers Welt­li­te­ra­tur to go bringt uns das Thea­ter­stück in 10 Minu­ten nahe.

Sta­ti­on 5: Die Haupt­kir­che

Blick durch Straße mit Fachwerkhäuseren auf die Kirche.

Der Turm der Haupt­kir­che ragt am Korn­markt empor

Sta­ti­on 5 unse­res Stadt­rund­gangs führt uns in die Haupt­kir­che am Korn­markt, die ers­te pro­tes­tan­ti­sche Groß­kir­che über­haupt. Das ein­füh­ren­de Pan­ora­ma-Video zeigt uns Eri­ka und Jan im Inne­ren des präch­ti­gen Got­tes­hau­ses. Oma Eri­ka berich­tet von dem Auf­ruhr, den Les­sings auf­klä­re­ri­sche Schrif­ten, vor allem die „Frag­men­te eines Unge­nann­ten” hat­ten. Es kam zu einem hef­ti­gen öffent­li­chen Streit mit dem Ham­bur­ger Haupt­pas­tor Goe­ze. Schließ­lich griff der Her­zog ein und ver­bot Les­sing, sich zu Reli­gi­ons­din­gen zu äußern. Dar­auf­hin ver­leg­te die­ser das The­ma von der Kan­zel auf die Thea­ter­büh­ne und schrieb Nathan der Wei­se als Para­bel für reli­giö­se Tole­ranz.

Im frei­ge­schal­te­ten Zusatz­ma­te­ri­al hören wir zunächst in einem Pod­cast, wie sich Goe­ze über Les­sing erei­fert und bekom­men so einen leben­di­gen Ein­druck vom Zeit­geist.

In einem Arti­kel erfah­ren wir mehr über die Details der Kir­che und deren Haupt­pas­tor Reß, der eben­falls im Reli­gi­ons­streit hef­tig mit Les­sing anein­an­der geriet.

Im Unter­ge­schoss der Haupt­kir­che befin­det sich die Grab­le­ge der Wel­fen­fürs­ten, über die ein wei­te­rer Arti­kel infor­miert.

Im letz­ten Pod­cast die­ser Sta­ti­on lau­schen wir einem Chor­ge­sang des Lie­des „Es ist ein Ros’ ent­sprun­gen”. Es stammt aus der Feder vom Micha­el Prä­to­ri­us, der als Kam­mer­or­ga­nist und Hof­ka­pell­meis­ter beim Hof des Her­zogs ange­stellt war.

Der Höhe­punkt ist wie­der ein Video aus Som­mers Welt­li­te­ra­tur to go. Das Stück „Die Juden” hat Les­sing bereits im Alter von 20 Jah­ren ver­fasst.

Die letz­ten Sta­tio­nen des Stadtund­gangs

Die letz­ten drei Sta­tio­nen des inter­ak­ti­ven Les­sing-lebt-Rund­gangs fal­len eher unter den Begriff „Les­sing lebt nicht mehr” und sind im benach­bar­ten Braun­schweig zu fin­den. Dort ste­hen Les­sings Ster­be­haus, ein im 19. Jahr­hun­dert errich­te­tes Denk­mal und sein Grab, das eben­falls erst im 19. Jahr­hun­dert mit einem Grab­stein ver­se­hen wur­de.

Playmobilfigur auf grünem Friedhof neben Grab.

Jan sucht Les­sings Grab in Braun­schweig auf     Foto: Stadt Wol­fen­büt­tel

Da wir nicht mehr die Zeit haben, nach Braun­schweig zu fah­ren, füh­ren wir uns die letz­ten drei Sta­tio­nen nur vir­tu­ell zu Gemü­te. So bekom­men wir eben­falls einen guten Ein­druck und es gibt natür­lich wie­der zu jeder Sta­ti­on infor­ma­ti­ves und unter­halt­sa­mes Zusatz­ma­te­ri­al.

Unser Ein­druck vom inter­ak­ti­ven Stadt­rund­gang

Wir waren sehr begeis­tert von die­ser ori­gi­nel­len Idee. Auf unter­halt­sa­me Art und Wei­se wur­de uns das Leben und Werk von Les­sing nahe­ge­bracht. Durch die ver­schie­de­nen Sta­tio­nen hat der Stadt­rund­gang den Cha­rak­ter einer Schnit­zel­jagd.

Auch dass man wei­te­re Infor­ma­tio­nen durch Beant­wor­ten einer Quiz­fra­ge frei­schal­ten konn­te, hat uns gut gefal­len. Die Fra­gen waren ein­fach zu lösen, aber den­noch hat man das ange­neh­me Gefühl, etwas geschafft zu haben.

Die Zusatz­in­for­ma­tio­nen sind unter­halt­sam und abwechs­lungs­reich. Schon allein dadurch, dass mit Vide­os, Bil­der, Tex­te und Pod­casts ein ganz unter­schied­li­ches Ange­bot da ist, fin­det jeder etwas pas­sen­des für sich.

Die Sta­tio­nen in Wol­fen­büt­tel lie­gen alle ziem­lich zen­tral und nahe bei­ein­an­der. Wenn genug Zeit da ist, könn­te man auch die Sta­tio­nen in Braun­schweig auf­su­chen. Das haben wir nicht gemacht, aber durch die Vide­os und Tex­te haben wir den­noch das Gefühl, die­se Sta­tio­nen ken­nen­ge­lernt zu haben.

Ein­zig an der Tech­nik soll­ten die Erstel­ler der App noch arbei­ten. Wir hat­ten auf meh­re­ren mobi­len End­ge­rä­ten unter­schied­li­che Dar­stel­lungs­pro­ble­me. Mal ging das Pano­ro­ma-Video nicht, mal fehl­te der Ton. Durch Kom­bi­na­ti­on unse­rer Smart­pho­nes konn­ten wir dann doch alle Medi­en anschau­en und anhö­ren. Was auf dem einen nicht funk­tio­nier­te, ging auf dem ande­ren.

Ins­ge­samt eine super Idee, die sicher auch gut für Fami­li­en und Kin­der geeig­net ist.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen, was du in Wol­fen­büt­tel alles erle­ben kannst erhältst du auf der Sei­te der Tou­rist-Infor­ma­ti­on Wol­fen­büt­tel.

Offen­le­gung: Unser Wochen­en­de in Wol­fen­büt­tel wur­de von der Stadt Wol­fen­büt­tel unter­stützt, die uns die Über­nach­tung bezahl­te. Ganz herz­li­chen Dank dafür!