*Werbung/Bloggerreise*
Vie­le ken­nen den Aus­flugs­ort Cochem an der Mosel. Zahl­rei­che Besu­cher lockt Cochem mit sei­ner alten Reichs­burg, der gut erhal­te­nen Alt­stadt oder traum­haf­ten Wan­der­we­gen. Wenn ich jedoch vom Bun­des­bank­bun­ker erzäh­le, ern­te ich erstaun­te Bli­cke und Schul­ter­zu­cken. Den kennt kaum jemand. Auch wir hat­ten vor unse­rem Besuch in Cochem noch nichts über die­sen Bun­ker gehört. Aber was ist das über­haupt?
Vom hüb­schen „Hotel Vin­ta­ge am Bun­des­bank­bun­ker“ gelangt man über eine Trep­pe hin­term Haus zum Bun­ker­ein­gang. Das Hotel war sei­ner­zeit als Bun­des­bank-Schu­lungs­zen­trum getarnt. Zahl­rei­che Ban­ker kamen hier­her, um sich fort­zu­bil­den. Doch kei­ner von ihnen kann­te das Geheim­nis des Gebäu­des. Durch eine klei­ne unschein­ba­re Kam­mer näm­lich konn­te man vom Hotel in den Bun­ker hin­ein- oder her­aus­ge­lan­gen, ohne gese­hen zu wer­den.
Außenansicht Hotel Vintage

Das ehe­ma­li­ge Schu­lungs­zen­trum ist heu­te ein kom­for­ta­bles Hotel

Wir ste­hen mit eini­gen ande­ren Leu­ten am offi­zi­el­len Ein­gang des Bun­des­bank­bun­kers. Heu­te hat die­ser eine hel­le und freund­li­che Glas- und Metall­fas­sa­de, frü­her jedoch gab es nur ein dunk­les, zwei­flü­ge­li­ges Stahl­tor, durch wel­ches Geld, Inven­tar und wohl auch der Bau­aus­hub geschafft wur­de.

Uns erwar­tet eine ein­ein­halb­stün­di­ge hoch­in­ter­es­san­te Füh­rung mit der Rei­se in eine span­nen­de Ver­gan­gen­heit.

Geschich­te des Bun­des­bank­bun­kers

In den sech­zi­ger Jah­ren wäh­rend des kal­ten Krie­ges wur­de hier 30 Meter unter der Erde ein 1500 m² gro­ßer Bun­ker gebaut. Vor der Bevöl­ke­rung geheim gehal­ten lager­ten 15 Mil­li­ar­den D‑Mark einer Ersatz­wäh­rung. Die­se soll­te die D‑Mark erset­zen, falls gro­ße Men­gen aus dem Ost­block ein­ge­führ­ten Falsch­gel­des die Wäh­rung strau­cheln las­sen soll­ten.
Aber jetzt geht es erst mal hin­ein in das Gebäu­de und 30 Meter unter die Erde. Wäh­rend damals ein ver­steck­ter Auf­zug den Trans­port nach unten über­nahm, gehen wir die Trep­pen her­un­ter. Puh, ganz schön kühl hier. Unten an der Trep­pe ste­hen wir dann vor einer ers­ten dicken Tre­sor­tür.  Dahin­ter eröff­net sich ein lan­ger schma­ler Gang, an des­sen Decke Rohr­lei­tun­gen und Kabel­ka­nä­le ent­lang­füh­ren. Die elas­ti­schen Auf­hän­gun­gen und Ver­bin­dun­gen zei­gen, dass der Bun­des­bank­bun­ker erd­be­ben­si­cher gebaut wur­de.

Als nächs­tes kom­men wir an meh­re­ren Räu­men vor­bei, die vom Gang abge­hen. Eine Schleu­se und ein Dekon­ta­mi­na­ti­ons­raum mit Dusche und lebens­gro­ßer Pup­pe im Schutz­an­zug zei­gen, dass der Bun­des­bank­bun­ker auch einem radio­ak­ti­ven Fall­out wider­ste­hen soll­te. Über­haupt hat­te man das Mosel­tal als Stand­ort gewählt, da im Fal­le eines ato­ma­ren Angriffs eine mög­li­che radio­ak­ti­ve Wol­ke durch die umlie­gen­den Ber­ge am Hin­über­zie­hen gehin­dert wür­de. So stell­te man sich das zumin­dest vor.

Gruselig: Puppe mit Schutzanzug

Gru­se­lig: Pup­pe mit Schutz­an­zug

70 Per­so­nen des Per­so­nals hät­ten im Ernst­fall im Bun­ker zwei Wochen über­le­ben kön­nen. Dafür bot der Bun­des­bank­bun­ker neben den Tre­sor­räu­men auch Ess- und Schlaf­räu­me, eine Trink­was­ser­ver­sor­gung durch einen Brun­nen, Gene­ra­to­ren mit Die­sel­vor­rä­ten und eine Sand-Luft­rei­ni­gungs­an­la­ge.

Wir set­zen unse­ren Marsch durch den Gang fort. Es geht wie­der eine Trep­pe hoch. Ich habe bereits die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren. Wir gelan­gen in einen Ess­raum mit kom­plett aus­ge­stat­te­ter Küche und in eini­ge Arbei­t­räu­me mit Schreib­ti­schen, Tele­fon- und Tel­ex­an­la­gen. Das Telex funk­tio­niert noch und rat­tert beim Ein­schal­ten wie eine alte elek­tri­sche Schreib­ma­schi­ne. Hier wäre im Ernst­fall die Schalt­zen­tra­le ein­ge­rich­tet wor­den, von der aus die Ersatz­wäh­rung inner­halb von zwei Wochen in Deutsch­land ver­teilt wer­den soll­te.

Alte Telex-Geräte

Unka­putt­ba­re Tech­nik

Wei­ter geht es durch den Büro­trakt. Kurz dar­auf befin­den wir uns in einem rie­si­gen Trep­pen­haus mit Wen­del­trep­pe. Hier geht es hoch zum Not­aus­gang, der in einer klei­nen Hüt­te gut getarnt im Wald endet.

Das Herz des Bun­des­bank­bun­kers

Wie­der geht es einen Stock run­ter. Dort gehen wir durch eine acht Ton­nen schwe­re Tre­sor­tür. Die­se ist durch drei Schlös­ser gesi­chert, die nur durch die Schlüs­sel von drei extra nach Cochem ange­reis­ter Per­so­nen geöff­net wer­den konn­te. Dann ste­hen wir im Her­zen des Bun­kers, den Tre­sor­räu­men. Hin­ter Git­tern sehen wir Kis­ten und Säcke mit Geld, auf jedem Gebin­de steht der Wert. Auf eini­gen Säcken steht 2 Mil­lio­nen DM, unvor­stell­bar viel für die dama­li­ge Zeit. Regel­mä­ßig wur­de der Bestand des Gel­des kon­trol­liert und nie­der­ge­schrie­ben. Gegen unbe­fug­tes Ein­drin­gen waren Anla­gen instal­liert, die Geräu­sche bzw. Erschüt­te­run­gen wahr­nah­men und gege­be­nen­falls die ört­li­che Poli­zei alar­mier­te. Doch auch die Poli­zei hat­te kei­ne Ahnung, was sie hier bewach­te.
Lagerräume für die Ersatzwährung

Lager­räu­me für die Ersatz­wäh­rung

In den Tre­sor­räu­men lagert immer noch ein klei­ner Rest der Ersatz­wäh­rung, die der dama­li­gen DM recht ähn­lich sieht.

50-DM-Schein Version der Ersatzwährung

Im Ver­gleich: Ori­gi­nal DM-Schein und die geplan­te Ersatz­wäh­rung

1988 wur­de die Not­stands­wäh­rung nicht mehr benö­tigt und weit­ge­hend  ver­nich­tet. Plötz­lich stand der Bun­des­bank­bun­ker leer. Nach einem Inter­mez­zo, bei dem eine ört­li­che Bank die Räum­lich­kei­ten für ihre Schließ­fä­cher nutz­te, ist der Bun­ker seit weni­gen Jah­ren in pri­va­ter Hand und wur­de auf­wän­dig in ein Muse­um umge­wan­delt.

Fra­gen über Fra­gen…

Am Ende der Füh­rung blei­ben vie­le Fra­gen offen. Wie konn­te man den Bau des Bun­kers vor der Bevöl­ke­rung ver­heim­li­chen? So wur­de der Bun­ker doch mit schwe­rem Gerät und unter Zuhilf­nah­me von Spren­gun­gen gebaut. Und das auch nicht von heu­te auf mor­gen.
Als die Anwoh­ner sich zuneh­mend über den Lärm beschwer­ten, lud man sie zu einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in die Räu­me der Bun­des­bank-Schu­le ein. Es wur­de ihnen erklärt, dass hier ein Atom­schutz­bun­ker für die 70 Per­so­nen, die die Schu­le besuch­ten gebaut wür­de. Außer­dem böte der Bun­ker noch Platz für wei­te­re 100 Nach­barn. In ihrem eige­nen Inter­es­se soll­ten sie Schwei­gen dar­über bewah­ren, da Cochem auch Anfang der 1960er Jah­re schon 5000 Ein­woh­ner hat­te.  Ich fra­ge mich ob nicht jemand in wein­se­li­ger Stim­mung das Geheim­nis aus­ge­plau­dert hat oder wie man die Leu­te wirk­lich zum Schwei­gen brach­te.
Gibt es denn heu­te noch Zeit­zeu­gen? Der Bau wur­de zwi­schen 1962 und 1964 von der Fir­ma Hoch-Tief  durch­ge­führt. Ein damals 20-jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter wäre heu­te 75 Jah­re alt. Nicht unwahr­schein­lich, mit die­sem noch spre­chen zu kön­nen. Aber schein­bar fin­det sich nie­mand, der dazu etwas sagen will oder kann.
Geheim­ak­ten jeg­li­cher Art wer­den hier in Deutsch­land nach 30 Jah­ren frei­ge­ge­ben. 30 Jah­re nach der Schlie­ßung des Bun­des­bank­bun­kers im Jah­re 1988 wäre 2018. Ich bin gespannt ob die Akten von die­sem Bun­ker jemals geöff­net oder ob sie gleich dem Schred­der zuge­führt wer­den. Was mich in die­ser Nacht nicht hat schla­fen las­sen: Wel­che Geheim­nis­se hat die Bun­des­re­gie­rung heut­zu­ta­ge? Ein Buch mit sie­ben Sie­geln. Auf jeden Fall war der Besuch im Bun­ker für uns ein High­light des Cochem-Wochen­en­des.

Infos für den Besuch des Bun­des­bank­bun­kers

  • Öff­nungs­zei­ten: April – Okto­ber 11:00 – 15:00, im Win­ter sie­he Home­page www.bundesbank-bunker.de/
  • Füh­run­gen: zwi­schen 11 und 15 Uhr (letz­te Füh­rung) zu jeder vol­len Stun­de. Der Bun­des­bank­bun­ker kann nur im Rah­men einer Füh­rung besich­tigt wer­den. Warm anzie­hen, im Bun­ker herr­schen mit 15 Grad recht fri­sche Tem­pe­ra­tu­ren!
  • Ein­tritts­prei­se: Erwach­se­ne 10 Euro, Kin­der ab 12 Jah­ren 5 Euro, Fami­li­en­kar­te 23 Euro
  • Adres­se: Bun­des­bank­bun­ker Cochem, Am Wald 35, 56812 Cochem-Cond
  • Über­nach­tung: Unter­ge­kom­men sind wir im sehr emp­feh­lens­wer­ten Hotel Vin­ta­ge am Bun­des­bank­bun­ker, Brau­selay­stra­ße 5–7, 56812 Cochem. Die­ses bie­tet moder­ne, sehr schö­ne Zim­mer, das Früh­stück war super und das Per­so­nal ist sehr freund­lich

Offen­le­gung: Unser Besuch im Hotel Vin­ta­ge und im Bun­des­bank­bun­ker fand im Rah­men einer Blog­ger­rei­se auf Ein­la­dung der Mosel­land­tou­ris­tik statt.