Eine Trek­king­tour von Kalaw zum Inle See gehört zu den viel geprie­se­nen High­lights in Myan­mar. Die zwei­tä­gi­ge Tour soll mit einer mitt­le­ren Kon­di­ti­on gut zu bewäl­ti­gen sein. Ein Klein­bus, dies­mal recht kom­for­ta­bel, bringt uns in einer sechs­ein­halb­stün­di­gen Fahrt von Man­da­lay nach Kalaw.

Länd­li­ches Myan­mar

Hier auf etwa 1300 Meter Höhe ist die Luft deut­lich küh­ler. Gro­ße Pfüt­zen auf den Stra­ßen zeu­gen von kürz­lich gefal­le­nem Regen. Auch abends reg­net es noch etwas, aber für den nächs­ten Tag ist wie­der Son­nen­schein ange­sagt. 

Auf zur Trek­king­tour

Um halb neun wer­den wir am nächs­ten Mor­gen abge­holt und klet­tern auf die Lade­flä­che eines Pick­ups. Unse­re klei­ne Grup­pe besteht aus sie­ben Per­so­nen. Neben uns bei­den sind Kat­rin, Sin und der zehn­jäh­ri­ge Xaver, die wir auf der Schiffs­tour ken­nen gelernt haben, mit von der Par­tie sowie zwei Gui­des: Yuyú, eine fröh­li­che 21-jäh­ri­ge und Lay Lay, ein jun­ger Mann, der die gan­ze Zeit mit Xaver her­um­tollt.

Gui­de Yuyú freut sich schon auf uns

Unser Gepäck wird nach Nyaung Shwe in unser nächs­tes Hotel trans­por­tiert, wir haben nur unse­re Tages­ruck­sä­cke mit dem Nötigs­ten dabei.

Nach einer guten hal­ben Stun­de Fahrt über die unbe­fes­tig­te Berg­stra­ße errei­chen wir den Aus­gangs­punkt unse­rer Wan­de­rung. Vor­bei an ein­fa­chen Hüt­ten aus Bam­bus­ge­flecht lau­fen wir einen Feld­weg ent­lang. Ein Bau­er wäscht sei­nen Was­ser­büf­fel, ande­re gehen mit ein­fachs­ten Hacken ihrer Arbeit auf dem Feld nach.

Bau­er mit Was­ser­büf­fel

Och­sen­kar­ren sind Trans­port­mit­tel Num­mer 1

Über Hügel und an Fel­dern vor­bei geht es durch die länd­li­che Regi­on. Mit pri­mi­ti­ven Holz­pflü­gen, hin­ter einen Och­sen gespannt, wer­den Fel­der bear­bei­tet. Och­sen­kar­ren trans­por­tie­ren Säcke oder Kör­be über die holp­ri­gen Wege. Chi­li, Ing­wer, Getrei­de und Mais wer­den ange­baut. Wir balan­cie­ren über schma­le Lehm­däm­me der abge­ern­te­ten Reis­fel­der.

Ing­wer­ern­te

Getrei­de­fel­der

End­lich ist die Luft mal klar, wir atmen sie mit Won­ne ein nach den letz­ten Wochen in abgas­ver­pes­te­ten asia­ti­schen Städ­ten. Und end­lich mal kein Lärm von knat­tern­den Moto­ren. Himm­li­sche Ruhe!

Land­le­ben in Myan­mar

Wir kom­men in ein Dorf, in dem wir eine kur­ze Pau­se machen. Es gibt Tee und Knab­be­rei­en. Eine alte Frau hockt vor einem ein­fa­chen Web­stuhl und webt bun­te Stof­fe, aus denen typi­sche Taschen ent­ste­hen.

Alte Frau am Web­stuhl

Die Toi­let­te befin­det sich hin­ter dem Haus, eine klei­ne Bam­bus­hüt­te mit Hock­klo, Was­ser­ei­mer und Schöpf­ge­fäß dane­ben. Schon mal ein Vor­ge­schmack auf den sani­tä­ren Stan­dard der kom­men­den zwei Tage. So leben die Leu­te auf den Dör­fern nun mal und für zwei Tage kön­nen wir uns dem anpas­sen.

Der sani­tä­re Stan­dard

Eine klei­ne Dorf­schu­le dür­fen wir besich­ti­gen. Von Wei­tem schon hören wir einen viel­stim­mi­gen Sing­sang einer Grup­pe von Kin­dern, die – jedes für sich und jedes so laut, wie es die Stimm­bän­der erlau­ben – etwas aus­wen­dig ler­nen.

Für die Klas­se sind wir genau­so inter­es­sant wie sie für uns

Der Weg ist teil­wei­se recht mat­schig, da es vor zwei Tagen hef­tig gereg­net hat. Der leh­mi­ge Boden trock­net nur lang­sam. Wäh­rend wir lau­fen löchern wir Yuyú mit Fra­gen über das Leben in Myan­mar, die sie gedul­dig und manch­mal diplo­ma­tisch beant­wor­tet.

Chi­li­fel­der säu­men den Weg, Frau­en brei­ten leuch­ten­dro­te Chi­li­scho­ten auf Pla­nen zum Trock­nen aus.

Chi­li­scho­ten wer­den zum Trock­nen aus­ge­brei­tet

Das leib­li­che Wohl

Im klei­nen Ort Kon­g­la machen wir Mit­tags­rast. Hier tref­fen wir meh­re­re ande­re Grup­pen, die eben­falls Pau­se machen. Unse­re Wan­der­stie­fel müs­sen wir aus­zie­hen, bevor wir die stei­le Holz­trep­pe in den ers­ten Stock hin­auf­ge­hen. Um einen nied­ri­gen Tisch her­um sit­zen wir auf dem Boden und war­ten gespannt, was uns als Lunch ser­viert wer­den wird. Die Küche ist im Nach­bar­raum. Im Boden befin­det sich eine Ver­tie­fung aus Lehm, in der ein offe­nes Feu­er brennt. Der Rauch zieht durchs Fens­ter ab, mehr oder weni­ger. Eine ris­kan­te und nicht gera­de gesund­heits­för­dern­de Ein­rich­tung.

Hier ist man noch sehr weit von der Ein­bau­kü­che ent­fernt

Unser Koch Ahmed ist auf dem Motor­rad hier­hin gekom­men und zau­bert mit dem Wok ein klei­nes Fest­mahl. Ein kom­plet­tes Menü aus köst­li­cher Ing­wer­sup­pe, gebra­te­nen Reis­nu­deln mit Spie­gelei, fri­schen Toma­ten, Gua­ca­mo­le und lecke­ren Früch­ten wird vor uns auf­ge­baut. Mit vol­len Bäu­chen dür­fen wir noch eine hal­be Stun­de aus­ru­hen, bevor es heißt, die Wan­der­stie­fel wie­der zu schnü­ren.

Essen!!!

Und wei­ter geht’s

Am Nach­mit­tag geht es in ste­tem Auf und Ab durch die Berg­land­schaft. Ein län­ge­rer Auf­stieg über einen schma­len, rut­schi­gen Pfad bringt uns alle ins Schnau­fen. Oben ange­kom­men ent­schä­digt uns eine Pau­se mit schö­nem Aus­blick über die Fel­der und Hügel für die Stra­pa­zen. 

Fel­der und Hügel

Nach Wochen der Frei­heit in Flip­flops begin­nen die Zehen im engen Gefäng­nis der Wan­der­stie­fel zu pro­tes­tie­ren. So sind wir froh, als wir am spä­ten Nach­mit­tag den klei­nen Ort Patu errei­chen, in dem wir über­nach­ten wol­len. Ein Holz­klos­ter mit einer Hand­voll Mön­che ist das Zen­trum. Auf dem Platz vor dem Klos­ter ste­hen meh­re­re Rei­hen Hüt­ten, die an gro­ße Stroh­bal­len erin­nern. Zwei Kin­der­mön­che füh­ren uns auf­ge­regt kichernd her­um. Die Hüt­ten die­nen wohl als Unter­künf­te, wenn sich dem­nächst meh­re­re Klos­ter­ge­mein­schaf­ten hier zum Medi­tie­ren tref­fen. 

Geschafft! Das Klos­ter mar­kiert unser heu­ti­ges Ziel

Mön­che mit jugend­li­chem Schalk

Über­nach­tung im Bau­ern­haus

Unser Nacht­quar­tier ist ein Bau­ern­haus. Im gro­ßen obe­ren Raum sind fünf Schlaf­plät­ze für uns berei­tet, ein­fa­che Mat­ten auf dem Boden und meh­re­re kusch­li­ge Decken gegen die nächt­li­che Käl­te.

Ein Teil der gro­ßen Bau­ern­fa­mi­lie

Unser Bau­ern­hof

Das Nacht­la­ger

Es gibt weder Strom- noch Was­ser­an­schluss. Die spär­li­che Beleuch­tung hängt an einer gro­ßen Auto­bat­te­rie, die umwelt­freund­lich von einem Solar­pa­nel gespeist wird. Was­ser wird aus einem Brun­nen geschöpft. Die „Dusche” hat ein Was­ser­re­ser­voir aus zwei auf­ge­schnit­te­nen Plas­tik­ka­nis­tern, mit Hil­fe einer Scha­le über­gießt man sich mit dem Was­ser. Ange­sichts der fri­schen Tem­pe­ra­tu­ren begnü­gen wir uns mit einer Kat­zen­wä­sche. Nur der klei­ne Xaver nimmt ganz tap­fer eine rich­ti­ge Dusche.  

Typi­sche bir­ma­ni­sche Dusche

Ahmed berei­tet das Abend­essen

Ana­nas-Ente

Das von Ahmed gezau­ber­te Abend­essen ist vor­züg­lich. Ein künst­le­ri­scher Höhe­punkt ist die aus einer Frucht geschnitz­te Ente. Und mit wir­kungs­voll insze­nier­ter flam­bier­ter Bana­ne als Des­sert hät­ten wir wirk­lich nicht gerech­net. 

Schon früh lie­gen wir auf unse­ren Schlaf­mat­ten. Neben­an in der Küche schla­fen eini­ge Frau­en, im Raum hin­ter unse­rem ein ande­rer Teil der Fami­lie. Die Nacht ist trotz har­ter Unter­la­ge gut, die dicken Decken hal­ten uns warm. Unter uns ist der Stall, früh mor­gens weckt uns das Klin­geln der Glo­cken, als die Och­sen anfan­gen sich zu bewe­gen. 

Ans Früh­stück haben wir hohe Erwar­tun­gen, die nicht ent­täuscht wer­den. Mein per­sön­li­cher Favo­rit sind die gefüll­ten Pfann­ku­chen, von denen ich vier Stück ver­drü­cke. Wer viel wan­dert, soll auch viel essen! ?

Auf­bruch im Nebel

Ein war­mes Feu­er am frü­hen Mor­gen ist sehr will­kom­men

Der Hof liegt noch in gespens­ti­schem Früh­ne­bel, als wir auf­bre­chen.

Es ist genau­so unge­müt­lich, wie es aus­sieht

Wäh­rend wir lau­fen, lich­ten sich die Nebel­schwa­den nach und nach. Wat­te­wei­ße Nebel­bän­der lie­gen in den Tälern, dar­über ragen die Kup­pen der Ber­ge.

So ist es schon viel bes­ser!

Als die Sicht klar wird, zeigt uns Yuyú unser Ziel in der Fer­ne: hin­ter der Berg­ket­te liegt Ton­le. Uns stockt der Atem. Über die­se schrof­fen Wän­de sol­len wir? Zum Glück führt ein Weg drum her­um, wie sich her­aus­stellt. 

End­spurt zum Inle See

Bevor es end­lich abwärts geht zum Inle See, müs­sen wir noch ein­mal 200 Höhen­me­ter hin­auf stei­gen. Auch hier sind die Wege mat­schig und wir müs­sen gut auf­pas­sen, wie wir unse­re Füße set­zen. Mei­ne Zehen haben sich immer noch nicht mit den Wan­der­stie­feln ange­freun­det. 

Schließ­lich errei­chen wir den Pass, wo ein Kas­sen­häus­chen steht, an dem wir unse­re Ein­tritts­ge­bühr für den Inle See ent­rich­ten. Ein fan­tas­ti­scher Blick über das hin­ter uns lie­gen­de Berg­land bie­tet sich uns hier. 

Von irgend­wo dahin­ten sind wir gekom­men

„Gip­fel­bild”

Da ist der Weg noch breit

Bäue­rin mit Enkel am Weges­rand

Nun geht es berg­ab, theo­re­tisch zumin­dest. Nach einem Stück auf der Schot­ter­stra­ße schla­gen wir uns wie­der über schma­le Pfa­de durch die Land­schaft. Meist geht es run­ter, zwi­schen­durch aber auch wie­der hin­auf. Oft ist der Pfad ziem­lich unweg­sam, mit dicken Stei­nen, über die wir stei­gen müs­sen. Die Anstren­gung macht sich lang­sam bemerk­bar, die Kon­zen­tra­ti­on lässt nach und da pas­siert es: ich blei­be mit dem Fuß an einer Fels­kan­te auf dem Weg hän­gen, stol­pe­re, ver­lie­re den Halt und stür­ze über zwei Stu­fen hin­ab und lan­de sehr unsanft auf einem har­ten Fel­sen. Bilanz: zer­ris­se­ne Hose, ange­schla­ge­nes Knie und auf­ge­schürf­tes Hand­ge­lenk. Zum Glück habe ich ein Ers­te-Hil­fe-Set dabei und ver­sor­ge damit mei­ne Ver­let­zun­gen. Nach­dem der Schock noch ein paar Trä­nen flie­ßen lässt, bin ich dann aber in der Lage, die Wan­de­rung fort­zu­set­zen. 

Die Hose ist hin, das Knie heilt hof­fent­lich bald wie­der

Noch andert­halb Stun­den geht es wei­ter berg­ab, wie­der auf stei­len und rut­schi­gen Pfa­den. Ich klam­me­re mich beim Abstieg an Mar­cus’ stüt­zen­de Hand. So errei­chen wir Ton­le, wo Ahmed uns erwar­tet und ein schö­nes Abschieds­es­sen ser­viert. 

Steil, stei­nig und rut­schig

Mit dem Boot über den Inle See

Mit einem typi­schen Boot wer­den wir von Ton­le über den Inle See nach Nyaung Shwe gefah­ren. Dabei kom­men wir an den schwim­men­den Gär­ten vor­bei, wo Bau­ern arbei­ten und ihre Ern­te im Boot abtrans­por­tie­ren. Auch eini­ge der berühm­ten Ein­bein­ru­de­rer sehen wir, die ihre Net­ze im See aus­wer­fen. 

Boot statt Och­sen­kar­ren

Ein­bein­ru­de­rer auf dem Inle See

In Nyaung Shwe erwar­ten uns unse­re Ruck­sä­cke im Hotel. Ich hum­pe­le mitt­ler­wei­le nur müh­sam mit dem dick ange­schwol­le­nen Knie durch die Gegend. Mor­gen ist wohl ein ruhi­ger Tag ange­sagt. (G)

Hier fin­det ihr unse­re Tipps zur Trek­king­tour