Das Paranal-Observatorium bei Antofagasta

Paranal-Observatorium

Nach Antofagasta im Norden Chiles sind wir hauptsächlich gekommen, um das Paranal-Observatorium oder auch VLT, das Very Large Telescope zu besichtigen. Einen Besichtigungstermin des weltweit größten optischen Teleskops hatten wir schon Anfang des Jahres gebucht. Aber dazu später.

Kleine Spiegel des Paranal-Observatoriums
Unser Ziel: Das Paranal-Observatorium

Die Busfahrt von Iquique nach Antofagasta ist geprägt von einem einmaligen Panorama. Rechts erstreckt sich der strahlend blaue Pazifik, während links atemberaubende Landschaften der Atacamawüste vorbeiziehen. Wie fast immer ist es uns gelungen, die vorderen Sitzplätze oben im Doppeldeckerbus zu ergattern. So können wir den Ausblick auf die Strecke perfekt genießen.

Straße am Pazifik
Traumhafte Strecke am Pazifik entlang

Antofagasta entdecken

Antofagasta liegt in Chile etwa 1.300 km nördlich von Santiago de Chile am Rande der Atacama Wüste. Außerdem liegt es am Meer. Wir lassen uns gerne verlocken, am Hafenmarkt die heimische Küche auszuprobieren, wo Fisch und Meeresfrüchte den Speiseplan dominieren. An zahlreichen Ständen wird fangfrischer Fisch feilgeboten. Kleine Essensstände bereiten ihn superfrisch und lecker zu, und das zu kleinen Preisen.

Fische auf dem Markt
Dicke Fische…
Zwei Pelikane
Die Beiden hätten gerne was ab von den Fischen

An der Mole lassen sich leider keine Seelöwen blicken, dafür entschädigen zahlreiche Pelikane mit ihren watschelnden Landgängen.

Eine alte Pier mit Schienen lädt zum Flanieren ein. Diese wurde früher zum Transport und Verladen von Erzen und fertigen Minenprodukten genutzt.

Seebrücke mit Kränen
Sieht nach Arbeit aus, ist heute aber Flaniermeile

Gegenüber befindet sich die alte Eisenbahnstation. Leider ist diese nicht öffentlich zugänglich, wir können jedoch durch den Gitterzaun alte Lokomotiven bestaunen.

Die alte Silberschmelze in Antofagasta

Die Stadt verdankt ihren Wohlstand den nahegelegenen Salpeterminen, die in den Tiefen der Atacamawüste die Bodenschätze zu Tage förderten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Minen eröffnet. Später, als die Salpetergewinnung unwirtschaftlich wurde, förderte man Erze.  Die Erze wurden bis aus dem weit entfernten Bolivien her mit der eigens dafür gebauten Eisenbahn gebracht. Hier in Antofagasta wurden sie auf Schiffe verladen. Heute können die Ruinen einer alten Anlage zur Silberschmelze besichtigt werden.  Die Anlage wirkt auf den ersten Blick wie eine antike Inkastätte.

Ruine der Silberschmelze
Die Reste der Silberschmelze. Sieht doch aus wie bei den alten Inkas

Im angeschlossenen Museo del Desierto findet man Erläuterungen zur Geschichte des Bergbaus und zur geologischen Historie der Wüste. Direkt daneben ist das Kunstwerk „Out of Sync“ zu bewundern.  Es ist ein Werk aus 10.000 im Boden steckenden Narzissen des chilenischen Bildhauers Fernando Casasempere. Hergestellt wurden sie aus Recycling-Materialien des Bergbaus.

Kunstwerk aus Narzissen
10.000 Narzissen

Außerdem ist zu meiner Freude auch der Prototyp eines Marsroboters ausgestellt. Die nahegelegene Atacamawüste gilt als trockenste Wüste der Welt. Sie ähnelt stark der Marsoberfläche, weshalb der Marsroboter hier getestet wurde.

Marcus und der Marsroboter
Marcus und der Marsroboter

Das Paranal-Observatorium bei Antofagasta

Was auch einen weiteren Grund darstellt, ein Riesenteleskop in die Wüste zu stellen. Da es in der trockenen Gegend fast nie Wolken gibt, die Luft sehr klar ist und in großem Umkreis kein künstliches Licht stört, ist dieser Platz ideal. 130 km von Antofagasta auf 2600 Meter Höhe des Cerro Paranal gelegen wurde das Teleskop 2001 in Betrieb genommen, um unter anderem den Ursprung des Universums zu erforschen. Dazu wurde der Berg Paranal um 30 Meter abgetragen, um auf der Kuppe eine genügend große ebene Fläche zu schaffen.

Da unser ursprünglicher Plan, mit dem Mietwagen dorthin zu fahren an einem saisonalen Mangel an verfügbaren Mietautos scheitert buchen wir eine geführte Bustour zum Paranal-Observatorium.  Die sehr engagierte Reiseleiterin spricht sogar Deutsch und freut sich, dass wir ihr die Gelegenheit bieten, es anzuwenden.

Am Paranal angekommen, werden wir mit Helmen ausstaffiert. Hier übernimmt eine Mitarbeiterin des Observatoriums die Führung. Nach einem informativen Video geht es auf das Gelände des VLT.

Gina mit weißem Schutzhelm
Gina hat gut lachen – gleich geht die Besichtigung des Paranal-Observatoriums los.
Marcus mit weißem Helm vor dem Eingang des Paranal-Observatoriums
Und auch Marcus freut sich schon.

Die weißen und silberfarbenen Gebäude blenden uns in der grellen Sonne. Dazu pfeift ein kalter Wind um unsere Ohren. Da sind wir froh, als es ins Innere des Hauptteleskops geht. Der große Spiegel mit 8 Meter Durchmesser kann mit mehreren kleinen Spiegeln zusammengeschaltet werden und erhält dadurch eine enorme Leistungsfähigkeit. Die kleinen Spiegel sind in kuppelförmigen Körpern untergebracht, die auf Schienen in verschiedene Positionen geschoben werden können.

Die Anlage des Observatoriums
Die Anlage des Observatoriums
Spiegel des Teleskops
In der Mitte sieht man den riesigen Spiegel des Teleskops – Made in Germany

Spaßbad in der Atacamawüste

Die Mannschaft, die das Paranal-Observatoriums bedient, wartet und die Auswertungen durchführt, wohnt in einem extra dafür gebauten unterirdischen Hotel. Unterirdisch deswegen, damit nachts kein Licht austritt und den Betrieb des Teleskops stört. Der Eingangsbereich des Hotels  auf dem Paranal wirkt wie eine moderne Spaßbad-Architektur mit den vielen Pflanzen und dem Schwimmbecken. Wer würde da nicht gerne arbeiten.

Große flache Kuppel im Wüstenboden
Unter der Kuppel versteckt sich das Hotel
Schwimmbecken umgeben von tropischer Vegetation
Und so sieht’s drinnen aus

Die Mitarbeiter sind meist für mehrere Wochen in Schichten hier, um ein bestimmtes wissenschaftliches Projekt zu bearbeiten. Da das Paranal-Observatorium von der europäischen Organisation ESO betrieben wird, sind neben chilenischen auch viele europäische Mitarbeiter an Bord.

Infos zu Antofagasta und dem Paranal-Observatorium

  • Hinkommen: Antofagasta erreichst du mit guten Fernbussen sowohl von Santiago de Chile aus oder vom Norden her (Iquique, Arica, Peru). Wer es eilig hat, kann auch mit dem Flugzeug anreisen.
  • Unterkunft: Wir haben unser Hotel über Booking gebucht. Da wir erst kurzfristig gebucht haben und ein regionaler Feiertag war, war die Auswahl etwas eingeschränkt. So haben wir uns für ein Hotel etwas außerhalb des Zentrums entschieden. Mit Nahverkehrsbussen sind wir gut in die Stadt gekommen.
  • Restaurants: Natürlich gibt es zahlreiche Restaurants in der Innenstadt. Unser Tipp: Die Essensstände im Fischmarkt, wo du günstig frische Fisch- und Meeresfrüchtegerichte verspeisen kannst.
  • Paranal-Teleskop: Das VLT kann jeden Samstag kostenlos besichtigt werden. Es gibt Führungen (auf Englisch und Spanisch) um 10 Uhr und um 14 Uhr. Über die Homepage der ESO musst du dich vorher anmelden. Wenn du dich individuell dort anmeldest, buch dir rechtzeitig ein Mietauto, um zum Paranal zu kommen. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel dorthin. Oder du buchst über eine Agentur in Antofagasta eine Bustour. Die Kosten für die Bustour und für ein Mietauto sind vergleichbar.

8 Kommentare bei „Das Paranal-Observatorium bei Antofagasta“

  1. Das ist echt beeindruckend und irgendwie wie aus einem Film! Das mal live zu erleben ist bestimmt noch besser als auf den interessanten Fotos zu erkennen!

    1. Das stimmt, es war wirklich super interessant.
      Die coole Technik in der kargen Landschaft ist schon ein toller Kontrast.

  2. Ob man wohl morgen von diesem Observatorium auch einen tollen Blick auf den Blutmond hat? Das liest sich alles echt spannend, auch wenn ich persönlich ein Problem mit einem Bad mitten in der Wüste habe.
    Das ist wie eine Skihalle in Dubai.
    Aber was geht, wird gemacht 🙂
    Liebe Grüße, Katja

    1. Liebe Katja,

      was das Schwimmbad in der Wüste angeht, bin ich ganz deiner Meinung. Wobei ich es in diesem Fall noch eher entschuldigen kann, da es ja nicht zur Touristenbelustigung gebaut wurde, sondern um den Mitarbeitern in der Einöde erträgliche Bedingungen zu schaffen.

      Liebe Grüße Gina

  3. Hallo ihr beiden,
    Mit euch komme ich immer an Ecken, die mir bisher total unbekannt waren…krass welche Dimensionen das Observatorium hat und schon für den Marsroboter würde mich ein Besuch auch reizen. Danke fürs Fernweh
    Vg Simone

    1. Hallo Simone,

      schön, dass wir dich auf diese Weise in ferne Gegenden mitnehmen können.
      Ich bin auch immer überrascht, was es in den Ecken dieser Welt alles zu entdecken gibt.

      Liebe Grüße Gina

  4. Liebe Gina,
    wow, was für ein tolles Ausflugsziel. Da würde ich auch gerne mal hin. Spannend finde ich, dass die Mannschaft in einem unterirdischen Hotel untergebracht sind.
    Danke für die ausführlichen Infos zur Anfahrt und wie man den Besuch zum Observatorium am besten plant. Die sind wirklich Gold wert und macht es einfacher euch nachzureisen. 🙂

    Viele liebe Grüße
    Kathi

    1. Liebe Kathi,

      unterirdisches Hotel hört sich ja erst mal ein bisschen gruselig an, aber es war sehr schön gestaltet.
      Freut mich, dass du unsere Infos hilfreich findest.
      Dann lesen wir ja vielleicht bei dir auch mal was übers Paranal-Observatorium.

      Liebe Grüße
      Gina

Schreibe einen Kommentar