Von Moais und Ahus – rätselhafte Osterinsel

Die Osterinsel gehört zu den Zielen, die auf unserer Weltreise-Wunschliste ganz oben standen. Nun ist es soweit, zum krönenden Abschluss unserer Südamerika-Etappe fliegen wir dorthin.

Im Morgengrauen am Flughafen von Santiago geht es los
Im Morgengrauen am Flughafen von Santiago: es geht los

Unser erster Flug mit der chilenisch-brasilianischen Fluglinie LATAM (früher LAN) ist sehr angenehm: ein modernes Flugzeug mit komfortablem Sitzabstand, gutem Unterhaltungsprogramm und richtigem Edelstahlbesteck zum Essen! Wir landen auf einer der längsten Landebahnen der Welt, denn die Osterinsel wurde als Notfall-Landeplatz für das Space-Shuttle ausgeguckt.

Schön rustikal: Flughafen der Osterinsel
Schön rustikal: Flughafen der Osterinsel

Am Flughafen von Hanga Roa, dem einzigen Ort auf der Osterinsel, werden wir mit Blumenketten begrüßt und zu unserem Hostel gefahren. Wir beginnen gleich, den Ort und die Umgebung zu erkunden.

Stilvolle Begrüßung, die Blumenkette ist sogar in meiner Lieblingsfarbe ?
Stilvolle Begrüßung, die Blumenkette ist sogar in meiner Lieblingsfarbe ?

Die Osterinsel, auch Rapa Nui genannt, ist vulkanischen Ursprungs. Schroffe, scharfkantige Felsen aus erstarrter Lava bilden ein großen Teil der Küste. Weißschäumend brandet der Pazifik dagegen.

Reise-Ringel und der Pazifik
Reise-Ringel und der Pazifik

Wir entdecken eine große Höhle in einer felsigen Bucht. Sie wurde wohl von den früheren Einwohnern zu rituellen Zwecken benutzt. An der Wand können wir noch Felszeichnungen erkennen.

Felszeichnungen in der Höhle
Felszeichnungen in der Höhle

Moais und Ahus 

Weithin bekannt ist die Osterinsel wegen ihrer riesigen steinernen Statuen, den Moais. Nach heutigem Forschungsstand wurden sie im Rahmen eines Ahnenkultes hergestellt. Die verstorbenen Ahnen wurden damit geehrt und wachten über ihre Nachkommen. Sie standen auf großen, flachen Podesten, Ahu genannt, die mit einem Vorplatz und bootförmigen Häusern für die Priester und Häuptlinge eine zeremonielle Anlage bildeten.

Da die Siedlungen alle am Meer lagen, wo das im Inselinneren versickernde Wasser wieder zutage tritt, findet man die Reste der Ahus entlang der Küste.

Ahu Tahai
Ahu Tahai
Die fünf Moais
Die fünf Moais

Ganz in der Nähe von Hanga Roa liegt der Ahu Tahai, mit mehreren Anlagen nebeneinander. Ein großes Podest mit fünf Moais, ein weiterer einzelner Moai neben dem alten Hafen und ein komplett restaurierter Moai mit dem Pukao, der roten Kopfbedeckung und Augen aus hellen Korallen.

Der einzige Moai mit Augen
Der einzige Moai mit Augen

Wie die meisten Moais blicken auch diese ins Landesinnere und kehren dem Meer den Rücken zu. Wir lassen uns ihnen gegenüber nieder. Freilaufende Pferde grasen auf den Flächen davor. Die Moais gucken uns an und wir gucken zurück. Im Hintergrund versinkt die Sonne im Meer und verwandelt die Statuen in archaische Schattenrisse.

Ist das nicht schön?
Ist das nicht schön?

Kleine Höhlenexpedition

Eine Wanderung führt uns entlang der Westküste, vorbei am Ahu Tahai und dem Friedhof von Hanga Roa.

Kreuz und Vogelmann auf dem Friedhof von Hanga Roa
Kreuz und Vogelmann auf dem Friedhof von Hanga Roa

Rotbraune Erde, schwarzes Lavagestein und der tiefblaue Pazifik prägen das Landschaftsbild. Dazwischen immer wieder grüne Flächen, auf denen Pferde und Kühe weiden. Wir gelangen zu einer Höhle, ein enger Eingang, der nach unten in die Schwärze führt. Nicht gerade verlockend. Doch nachdem die chilenische Familie, die vor uns hinab steigt, wieder ans Tageslicht gelangt und begeistert berichtet, wie schön es da unten sei, fassen wir uns ein Herz und zwängen uns durch das enge Loch. Über grobe Felsen tasten wir uns in gebückter Haltung durch die Dunkelheit abwärts. Schließlich weitet sich der Gang zu einer Höhle. Sie verzweigt sich zu zwei großen Öffnungen, durch die wir aufs Meer blicken. Wir befinden uns hoch in der Steilwand der Klippe. Vorsichtig treten wir an den Rand und sehen unter uns die Wellen hereinrollen. 

Tief unten rauscht das Meer
Tief unten rauscht das Meer
Blick aus der zweiten Höhlenöffnung. Der Pazifik ist wirklich so blau!
Blick aus der zweiten Höhlenöffnung. Der Pazifik ist wirklich so blau!

Ein Stück weiter befindet sich eine weitere Höhle, ein Tunnel in der Lava. Es geht durch einen recht komfortablen Eingang hinein. Drinnen weitet er sich zu einem großen Raum, der wohl als Zuflucht- und Zeremonialstätte diente.

Lavatunnel-Höhle
Lavatunnel-Höhle

Aus Steinen ist ein rechteckiges Podest gebildet worden. Weiter durch den Tunnel hindurch geht es schließlich durch ein kleines Loch wieder nach oben ans Sonnenlicht. 

Der Vogelmannkult

Eine andere Wanderung machen wir auf den Vulkan Rano Kao und dem am Kraterrand liegenden Zeremonialdorf Orongo. Gut 300 Meter geht es von Hanga Roa aus in einer sanften Steigung hinauf. Zwischendurch bietet sich ein großartiges Panorama auf den Ort und den weißen Küstensaum. Am Kraterrand angekommen erwarten uns Wolken und ein kräftiger Wind. Der Krater hat sich mit Wasser gefüllt und ist mittlerweile ein Reservat für endemische Pflanzen. In den Wasserflächen spiegelt sich der Himmel, der zum Meer hin eingebrochene Kraterrand gibt den Blick frei auf das unglaubliche Blau des Pazifiks.

Der Krater des Rano Kao
Der Krater des Rano Kao

Ein Stück weiter liegt das ehemalige Dorf Orongo. Zur einen Seite geht es in den Krater hinab, auf der anderen Seite liegt die 300 Meter hohe Steilküste. Hier ist der Ort, an dem alljährlich der Vogelmannkult begangen wurde. Drei kleine Felseninseln liegen vor der Küste. Im Frühjahr brütet hier die Rußseeschwalbe. Die Häuptlinge der verschiedenen Clans oder deren Beauftragte traten zum Wettkampf um das erste Ei des Vogels an. Sie kletterten die Steilküste hinab, schwammen die 1400 Meter zur Vogelinsel und wer mit dem ersten Ei zurück kam, durfte als Vogelmann für das nächste Jahr über die Insel herrschen. Orongo wurde nur während der Zeremonie von Priestern und den Wettbewerbern bewohnt, das restliche Jahr über war es verwaist. 

Die Vogelmann-Insel ist die hintere
Die Vogelmann-Insel ist die hintere
Hier sieht man den Aufbau eines Hauses des Zeremonialdorfes Orongo
Hier sieht man den Aufbau eines Hauses des Zeremonialdorfes Orongo

Inselrundfahrt

Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten in der Nähe Hanga Roas besucht haben, mieten wir uns ein Auto, um den Rest der Insel zu sehen. Rapa Nui ist nicht besonders groß, die Runde ist mühelos in einem Tag zu schaffen.

Die meisten Ahus auf der Insel sind zerstört. Daran sind ausnahmsweise mal nicht die weißen Eindringlinge schuld, sondern die Inselbewohner haben das selbst erledigt. Man geht heute davon aus, dass durch den stetig wachsenden Ahnenkult, der immer größere Statuen hervor brachte ein Raubbau an der einst fruchtbaren Insel erfolgte. Wälder wurden abgeholzt, als Folge davon der fruchtbare Boden weggespült. Schließlich brach ein Krieg um die immer knapper werdenden Ressourcen aus. Da die Moais für den Schutz des entsprechenden Clans zuständig waren, wurden sie von verfeindeten Stämmen umgeworfen und die Augen zerstört. Das wurde sehr gründlich betrieben, so dass heute überwiegend Ahus in verschiedenen Stadien der Zerstörung zu bewundern sind.

Umgestürzte Moais
Umgestürzte Moais

Wir schauen uns zuerst den Ahu Vinapu am fernen Ende der Landebahn des Flughafens an. Die  umgestürzten Moais sind nur noch mit viel Fantasie als solche zu erkennen, zu verwittert ist das poröse Gestein.

Exakt bearbeitete Steine des Ahu Vinapu
Exakt bearbeitete Steine des Ahu Vinapu

Aber der Ahu selber besteht aus mit großer Sorgfalt zusammengesetzten, großen Steinplatten. Sie sind so exakt gearbeitet, dass es an Inka-Architektur erinnert und Thor Heyerdahl zu der Theorie brachte, Rapa Nui sei von Südamerika aus besiedelt worden. Mit der Expedition Kontiki versuchte er in den 1950er Jahren den Beweis dafür zu erbringen.

Weiter an der Südküste entlang sind noch viele Ahus mit umgestürzten Moais zu sehen. Die roten Pukaos, die Kopfbedeckungen, sind stellenweise weit weg gerollt.

Hier liegt ein einsamer Pukao, weit weg von seinem Moai
Hier liegt ein einsamer Pukao, weit weg von seinem Moai

Leider haben wir einen Regentag erwischt und nach den ersten drei Besichtigungen sind wir völlig durchnässt. Das macht nur bedingt Spaß und wir beschließen, auf den Besuch des Vulkans Rano Raraku, wo die Moais gefertigt wurden, erst mal zu verzichten.

Völlig durchnässt - das Ahu-Besichtigen fordert vollen Einsatz
Völlig durchnässt – das Ahu-Besichtigen fordert vollen Einsatz

Wir halten beim Ahu Tongariki, dem größten Ahu mit 15 Moais und gucken sie vom Parkplatz aus an. Dann biegen wir bei der Halbinsel Polke zur Nordküste ab. Hier bessert sich das Wetter langsam und so kehren wir um, um zunächst die 15 Moais des Ahu Tongariki zu besuchen.

Ahu Tongariki
Ahu Tongariki

Richtig nah kommt man nirgends am die Moai heran, zum Schutz der erosionsanfälligen Steine sind alle großräumig abgesperrt. Trotzdem sind sie mit ihrer unglaublichen Größe beeindruckend. Ernst und würdevoll scheinen sie ins Land zu blicken.

Moai des Ahu Tongariki
Moai des Ahu Tongariki
Und weils so schön ist, noch einer
Und weils so schön ist, noch einer

Die Moai-Werkstatt am Rano Raraku  

Am Rano Raraku wurden die Moais aus dem Vulkanstein gehauen. Anscheinend wurde die Produktion ziemlich abrupt beendet, den fast 400 fertige und fast fertige Moais wurden auf den Hängen stehen und liegen gelassen. Durch ihr tonnenschweres Gewicht sind sie über die Jahrhunderte tief in den Boden eingesunken, so dass manchmal nur noch Kopf und Schultern herausschauen.

Bestellt und nicht abgeholt?
Bestellt und nicht abgeholt?
Wo ein Moai steht, ist der nächste nicht weit
Wo ein Moai steht, ist der nächste nicht weit

Mehrere Rundwege führen an der Außenseite des Vulkans an halb eingesunkenen und halb fertigen Moais entlang.

Moai im Herstellungsprozess
Moai im Herstellungsprozess

Zum Krater selbst geht es über einen durch den Regen aufgeweichten, schlammigen Weg empor, eine halsbrecherische Schlitterpartie. Aber die Anstrengung wird mit einem tollen Blick auf den Kratersee und die umliegenden grünen Hänge, auf denen weitere Moais verteilt sind, belohnt.

Kratersee des Rano Raraku
Kratersee des Rano Raraku

Mit mehreren Kilos fest gebackenen Matsches unter den Sohlen unserer Wanderstiefel kommen wir wieder unten an.

Einen weiteren Halt machen wir beim umgestürzten Moai des Ahu Te Pito Kura, der der letzte und größte jemals aufgestellte Moai sein soll. Jetzt liegt er wie viele seiner Kollegen auf dem Boden, seine Größe ist aus der Entfernung, die die Absperrung vorgibt nur zu erahnen.

Da liegt er, der letzte Moai
Da liegt er, der letzte Moai

Neben dem Ahu befindet sich der sogenannte Nabel der Welt, ein kugelrunder, großer Stein, von dem Esoteriker energetische Schwingungen zu empfangen glauben. Da der Stein inzwischen von einem Steinwall umschlossen wird, bleibt uns der Kontakt mit dem Wunderstein verwehrt.

Der Nabel der Welt. Immerhin wissen wir jetzt, wo der sich befindet ?
Der Nabel der Welt. Immerhin wissen wir jetzt, wo der sich befindet ?

Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Stopp am Strand von Anakena, dem schönsten Sandstrand der Insel. Palmen und Moais, das ist Rapa-Nui-Flair!

Einmal durchs Wasser planschen muss sein
Einmal durchs Wasser planschen muss sein

Noch mal kurz die Füße ins Meer stecken, dann geht es zurück nach Hanga Roa. (G)

Zärtlicher Abschied vom Moai ?
Zärtlicher Abschied vom Moai ?

Tipps für deine Reise zur Osterinsel findest du hier

Schau dir unser Video über die Osterinsel an:

3 Kommentare

  1. Ja, die Osterinsel möchte ich auch noch kennen lernen =)

    Cooler Bericht und schöne Bilder!
    Wie viel habt ihr eigentlich für den Flug bezahlt? Habt ihr einen Tipp wo es da die günstigsten Angebote gibt?

    lg =)

    1. Vielen Dank! 🙂
      Es ist echt geil dort, viele haben ihren Aufenthalt noch mal verlängert auf zwei Wochen (Chilenen, die dort Urlaub machen).
      Wir haben den Flug in unser Round-the-world-Ticket integriert, da kamen wir insgesamt sehr günstig weg.
      LG

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