Das Rei­se­b­log­ger-Bar­camp fand nicht wie üblich im Früh­jahr statt, son­dern aus­nahms­wei­se im Herbst. Die Ver­schie­bung hat­te orga­ni­sa­to­ri­sche Grün­de. Außer­dem wur­de die Dau­er des Bar­camps von zwei auf einen Tag redu­ziert.

Marktplatz Leipzig

Markt­platz Leip­zig

Anrei­se mit Hin­der­nis­sen

Die Stre­cke von Neuss nach Leip­zig erscheint uns mit dem Auto zu stres­sig. Daher haben wir Fahr­kar­ten für die Bahn gekauft. Schon eine Woche vor der Abfahrt bekom­men wir den ers­ten Ver­spä­tungs­alarm auf dem Han­dy ange­zeigt. Eini­ge Tage spä­ter den zwei­ten. Das fängt ja gut an. Sowohl Hin- und Rück­fahrt sind betrof­fen, wobei sich her­aus­stellt, dass die Hin­fahrt frü­her als ursprüng­lich geplant los­geht. Wäh­rend der Anrei­se steht der Zug wegen eines Stell­werk­pro­blems hin­ter Frank­furt cir­ca 40 Minu­ten auf frei­er Stre­cke.

Ent­spre­chend spät kom­men wir im Hotel Adi­na in Leip­zig an, wo sich schon eini­ge Mit­blog­ger in der Lob­by zur offi­zi­el­len Begrü­ßung ein­ge­fun­den haben. Eben ein­che­cken, die Kof­fer aufs Zim­mer, dann geht es auch schon los: Wir gehen gemein­sam zum Hotel Inn­si­de. Dort wer­den wir auf der Roof­top Bar bei Glüh­wein und Apfel­punsch vom Hotel­di­rek­tor und von Andre­as Schmidt, dem Lei­ter der Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit Leip­zigs herz­lich begrüßt.

Blick von der Dachterrasse auf die Thomaskirche.

Coo­le Aus­sicht von der Roof­top­bar.

30 Jah­re fried­li­che Revo­lu­ti­on

Anschlie­ßend steht die Auf­tei­lung der Teil­neh­mer auf drei unter­schied­li­che Stadt­ral­lyes an. Ich habe mich für „30 Jah­re fried­li­che Revo­lu­ti­on” ent­schie­den. Unse­re Stadt­füh­re­rin ist sehr enga­giert und zieht uns mit leben­di­gen Erzäh­lun­gen in ihren Bann. Sie berich­tet von den ent­beh­rungs­rei­chen Jah­ren und der Man­gel­wirt­schaft in der DDR und ihren vie­len Opfern. Wuss­test du, dass in der DDR die Todes­stra­fe erst 1987 abge­schafft wur­de? Und dass durch Hin­rich­tun­gen bis 1981 min­des­tens 164 Men­schen ums Leben kamen?

Mon­tags­de­mons­tra­ti­on und Schieß­be­fehl

Nicht nur des­halb wur­den die Bür­ger der DDR immer unzu­frie­de­ner. Im Jahr 1988 began­nen in Leip­zig die Mon­tags­de­mons­tra­tio­nen mit der For­de­rung nach einem offe­nen Land mit frei­en Men­schen. Die Demons­tra­tio­nen wur­den immer grö­ßer. Am 9. Okto­ber 1989 über­wan­den 70.000 Men­schen ihre Angst und pro­tes­tier­ten fried­lich für Frie­den und Frei­heit. Ich fra­ge mich, ob ich den Mut auf­ge­bracht hät­te zu demons­trie­ren. Ins­be­son­de­re, da kurz zuvor in der Pres­se eine fin­gier­te Mit­tei­lung über den Ein­satz des Schieß­be­fehls kur­sier­te. Den 70.000 stan­den damals ca. 7.000 bewaff­ne­te Uni­for­mier­te gegen­über.

Vor­bei geht es noch an den berühm­ten Kir­chen, der Tho­mas­kir­che und der Niko­lai­kir­che. Abschlie­ßend besu­chen wir die Run­de Ecke, in der sich von 1950 – 1989 die Bezirks­ver­wal­tung der Staats­si­cher­heit von Leip­zig befand.

Treppenhaus des Stasi-Museums.

Hier war die Sta­si-Ver­wal­tung.

Die Moritz­bas­tei – ein uraltes Kel­ler­ge­wöl­be

Völ­lig durch­ge­fro­ren errei­chen wir unser nächs­tes Ziel, näm­lich die Moritz­bas­tei, in der wir es uns am Buf­fet schme­cken las­sen. Die Moritz­bas­tei ist nicht nur eine ange­sag­te Loca­ti­on, in der man essen, trin­ken und Par­ty machen kann. Sie ist auch der ein­zi­ge noch erhal­te­ne Teil der alten Stadt­be­fes­ti­gung von Leip­zig.

Die­se wur­de in den Jah­ren 1551 bis 1553 erbaut und hat eine wech­sel­vol­le Geschich­te hin­ter sich. Mehr­fach muss­te die Fes­tung Bela­ge­run­gen stand­hal­ten. Spä­ter wur­de eine Schu­le auf der Bas­tei gebaut. Im Zwei­ten Welt­krieg nutz­te man das Gebäu­de als Lager für Zwangs­ar­bei­ter. Beim gro­ßen Luft­an­griff auf Leip­zig am 4. Dezem­ber 1943 wur­den gro­ße Tei­le der Bas­tei zer­stört.

Erst 1973 hat man aus der Rui­ne mit Hil­fe der Leip­zi­ger Stu­den­ten einen Klub der Arbei­ter­ju­gend und Stu­den­ten gemacht. Kurz nach der Wen­de war der Klub ein wich­ti­ger Ver­an­stal­tungs­raum für kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen und Dis­kus­sio­nen. Spä­ter wur­de die Bas­tei zum Kul­tur­zen­trum, wie sie auch heu­te noch vor­zu­fin­den ist.

Da wir am nächs­ten Tag fit fürs Bar­camp sein wol­len, been­den wir den Abend und schlen­dern zurück zum Hotel.

Die Leip­zi­ger Mes­se

Nach dem lecke­ren Früh­stück in unse­rem Hotel fah­ren wir mit dem Taxi zur Tou­ris­tik- und Cara­va­ning Mes­se. Dort fin­det das Bar­camp statt. Was ein Bar­camp ist, haben wir in unse­rem Bericht über das Rei­se­b­log­ger-Bar­camp in Bre­men beschrie­ben.

Nach der Anmel­dung wer­den die Ses­si­ons aus­ge­wählt. In drei ver­schie­de­nen Räu­men wer­den die­se zu jeweils 45 Minu­ten abge­hal­ten. Mit­tags machen wir Pau­se und stär­ken uns an den zahl­rei­chen Essens­stän­den der Mes­se. Nach­mit­tags gehen die Ses­si­ons wei­ter.

Barcamp Leipzig

Bunt gehts zu im Leip­zi­ger Bar­camp.

Außer­dem fin­det ein Mes­se­aus­stel­ler-Gespräch statt, bei dem wir uns mit den ein­zel­nen Anbie­tern direkt unter­hal­ten kön­nen.

Pünkt­lich um 18 Uhr müs­sen wir die Mes­se ver­las­sen. Eini­ge Teil­neh­mer rei­sen direkt nach dem Bar­camp wie­der ab nach Hau­se. Da neben der Tou­ris­mus-Mes­se auch noch der CDU-Par­tei­tag statt­fin­det, erwar­ten wir vol­le Gast­stät­ten. Wir ande­ren tei­len uns daher in klei­ne Grup­pen auf. Mit der Bahn fah­ren wir zurück in die Innen­stadt und hal­ten Aus­schau nach einem Restau­rant. Unweit des Bahn­hofs fin­den wir eine net­te Piz­ze­ria.

Lei­der wer­den wir um 23 Uhr unsanft aus der Gast­stät­te her­aus­kom­pli­men­tiert. Wir haben bei dem gan­zen Gequat­sche die Öff­nungs­zei­ten ver­ges­sen. Die Kell­ne­rin kommt an unse­ren Tisch, räumt wort­los die lee­ren Glä­ser und Tel­ler ab und bläst die Ker­ze aus. Erst jetzt bemer­ken wir, dass in einem Teil des Lokals das Licht schon gelöscht wur­de. Etwas irri­tiert packen wir unse­re Sachen und machen uns auf den Weg zurück zum Hotel.

Kof­fer packen

Der Sonn­tag ist Abrei­se­tag. Wir tref­fen uns mit eini­gen Blog­ger­freun­den zum Früh­stück und reden über dies und das. Dann heißt es Kof­fer­pa­cken und ab zum Bahn­hof. Dies­mal ist der Zug pünkt­lich. Und auch die sons­ti­ge Rück­fahrt gestal­tet sich ohne Pro­ble­me. Uns gehen vie­le Din­ge durch den Kopf. The­men, die über­wie­gend die Ver­bes­se­rung und Ent­wick­lung unse­res Blogs betref­fen. Aber auch Rei­se­zie­le oder Lebens­ein­stel­lun­gen und ‑zie­le der Mit­blog­ger. Wir waren immer­hin 60 Per­so­nen. Da ergibt sich zwar nicht mit jedem/jeder ein tief­grei­fen­des Gespräch, aber eini­ge schö­ne und inter­es­san­te Begeg­nun­gen waren dabei.

Gina an der Treppe im Bahnhof Leipzig.

Gleich geht’s zurück.

Wie­der war es ein gelun­ge­nes Event, zu dem wir nächs­tes Mal ger­ne wie­der­kom­men. Und auch Leip­zig haben wir als loh­nens­wer­tes Rei­se­ziel ken­nen­ge­lernt. Leip­zig, wir kom­men ger­ne wie­der.

Unser Dan­ke­schön

Herz­li­chen Dank an die Spon­so­ren, die die­ses Bar­camp ermög­licht haben:

Außer­dem ein dickes Dan­ke­schön an Romy von Snoops­maus, die die gan­ze Orga­ni­sa­ti­on für das Rei­se­b­log­ger-Bar­camp zum vier­ten Mal gestemmt hat.

Wei­te­re Berich­te zum Bar­camp: