Aus dem Fens­ter bli­cke ich auf ein Meer von wogen­den Baum­wip­feln. Dahin­ter durch­sto­ßen ein paar Dächer und ein dazwi­schen auf­ra­gen­der Kirch­turm die grü­ne Flä­che. Die­ser idyl­li­sche Aus­blick bie­tet sich nicht etwa in einer länd­li­chen Feri­en­re­gi­on, son­dern dort, wo es vie­le nicht erwar­ten wür­den: Ich befin­de mich mit­ten im Ruhr­pott. Essen trägt die­ses Jahr den Titel der Grü­nen Haupt­stadt Euro­pas. Grund genug, ein Rei­se­b­log­ger-Tref­fer zu ver­an­stal­ten. Orga­ni­siert von Janett vom Blog Teil­zeit­rei­sen­der und von Anja vom Blog Tra­vel on Toast, unter­stützt von Ruhr­tou­ris­mus und dem Pro­jekt­bü­ro Grü­ne Haupt­stadt Euro­pas 2017 tref­fen sich 30 Rei­se­b­log­ge­rin­nen und Rei­se­b­log­ger.

Blick aus dem Fens­ter Atlan­tic Con­gress Hotel Essen

Rei­se-Rin­gel hat auch ein beque­mes Plätz­chen gefun­den

Wir bezie­hen ein kom­for­ta­bles Zim­mer im Atlan­tic Con­gress Hotel an der Mes­se. Am Vor­mit­tag infor­mie­ren uns die Teams von Ruhr­tou­ris­mus und Grü­ne Haupt­stadt über das, was uns am Nach­mit­tag auf den Tou­ren erwar­tet. Manch einer ist über­rascht, wie­viel Grün und Frei­zeit­mög­lich­kei­ten das Ruhr­ge­biet bie­tet. Der Ruf von der grau­en, lau­ten Indus­trie­bra­che hält sich hart­nä­ckig. Dabei sind die­se Zei­ten längst vor­bei.

Bevor es auf die Tou­ren geht, stär­ken wir uns auf der ange­nehm schat­ti­gen Dach­ter­ras­se des Hotels mit einem exqui­si­ten medi­ter­ra­nen Büf­fet.

Grüne Hauptstadt Buffet

Lecke­res Essen für hung­ri­ge Rei­se­b­log­ger

Grüne Hauptstadt Dachterrasse

Lei­der kei­ne Zeit zum Chil­len auf der sty­li­schen Dach­ter­ras­se

Um über bei­de Tou­ren infor­miert zu sein, tei­len Mar­cus und ich uns auf. Aus 2 on the go wird so für ein paar Stun­den 2 x 1 on the go. ;-)

Grü­ne Haupt­stadt Essen

Wir bewe­gen uns sozu­sa­gen „grün” durch Stadt, näm­lich mit Elek­tro­au­tos. Unser Gui­de Dana berich­tet, dass in die­sem Jahr ver­stärkt Auf­la­de­sta­tio­nen für Elek­tro­au­tos in Essen geschaf­fen wer­den. Schließ­lich bedeu­tet der Titel nicht nur Grün­flä­chen, son­dern all­ge­mein hohe Umwelts­stan­dards.

Grüne Hauptstadt Essen Elektroautos

Bit­te ein­stei­gen

Unser ers­ter Stopp ist der Gemein­schafts­gar­ten Sie­pen­gar­ten, einer von ins­ge­samt zwölf Gemein­schafts­gär­ten. Hier kön­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger gemein­sam einen Gar­ten nach ihren Vor­stel­lun­gen bear­bei­ten und die Natur genie­ßen.

Grüne Hauptstadt Siepengarten

Lie­be­voll gestal­te­te Details fin­den sich im Gemein­schafts­gar­ten

Wei­ter geht es zum Nie­der­feld­see, einem erst 2014 geschaf­fe­nen künst­li­chem See im Gebiet der ehe­ma­li­gen Eisen­bahn­tras­se. Auf der Tras­se ver­lau­fen heu­te meh­re­re The­men­rad­we­ge. Im Café Rad­wech­sel genie­ßen wir bei Eis und Kuchen die ent­spann­te Atmo­sphä­re.

Lei­der drängt die Zeit und so machen wir uns auf zum nächs­ten Höhe­punkt, der Sied­lung Mar­ga­re­then­hö­he. Mehr als ein kur­zer Foto­stopp ist lei­der nicht drin. Wir wer­den wohl noch mal in aller Ruhe hier­her­kom­men müs­sen.

Grüne Hauptstadt Margarethenhöhe

Markt­platz Mar­ga­re­then­hö­he

Grüne Hauptstadt Margerethenhöhe Edeka

Ede­ka in alt­ehr­wür­di­ger Archi­tek­tur

Nun geht es aufs Land. So fühlt man sich zumin­dest im Esse­ner Stadt­teil Schuir. Sanf­te Hügel, wei­te Fel­der, Hof­lä­den – hier geht es länd­lich ent­spannt zu.

Grüne Hauptstadt Schuir

Länd­li­ches Essen im Stadt­teil Schuir

Zum Bal­de­ney­see

Nach dem vie­len Sit­zen in den Autos freu­en wir uns, dass der nächs­te Pro­gramm­punkt unse­rer Tour uns ein wenig Bewe­gung ver­schafft. Auf einem Teil­stück des Bal­de­ney­steigs geht es von der Höhe hin­un­ter zum Bal­de­ney­see. Auch hier, wo nun Grün domi­niert, herrsch­te frü­her die Indus­trie. Res­te von Lade­ram­pen kön­nen wir im schat­ti­gen Wald erken­nen, von der ehe­ma­li­gen Zeche Por­ten­sie­pen zeugt nur noch das rie­si­ge För­der­rad.

Grüne Hauptstadt Baldeneysteig

Der Bal­de­ney­steig

Grüne Hauptstadt Portensiepen

Das letz­te Über­bleib­sel der Zeche Por­ten­sie­pen

Als letz­tes High­light unse­rer Tour errei­chen wir den Bal­de­ney­see, der blau schim­mernd umge­ben von satt­grü­nen Ufern vor uns liegt. Wir bestei­gen ein Schiff der Wei­ßen Flot­te. Seg­ler und Padd­ler geben sich bei strah­len­dem Son­nen­schein ihrem Ver­gnü­gen hin.

Grüne Hauptstadt Baldeneysee

Der Bal­de­ney­see bie­tet Was­ser­sport für jeden Geschmack

Nost­al­gisch gestimmt betrach­te ich die vor­bei­glei­ten­den Boo­te mit den strah­lend wei­ßen Segeln. Vor vie­len Jah­ren habe ich selbst eini­ge Jah­re hier gese­gelt. Als unser Schiff mei­nen ehe­ma­li­gen Ver­ein pas­siert, bin ich ent­zückt, ihn wie­der­zu­er­ken­nen. Spä­ter ent­de­cke ich auch noch eine Zug­vo­gel-Jol­le, wie ich sie gese­gelt habe.

Grüne Hauptstadt Zugvogel

„Mein” Zug­vo­gel ;-)

Am Sea­si­de Beach tref­fen wir wie­der mit der ande­ren Tour zusam­men. Strah­lend wei­ßer Sand, Lie­ge­stüh­le und Strand­bars las­sen Urlaubs­fee­ling auf­kom­men. Erst seit kur­zem ist der Bal­de­ney­see offi­zi­ell zum Baden zuge­las­sen. Die Was­ser­qua­li­tät hat sich durch moder­ne Klär­wer­ke stark ver­bes­sert.

Grüne Hauptstadt Essen Seaside Beach

Strand­fee­ling pur am Sea­si­de Beach Bal­de­ney­see

Tour Indus­trie­kul­tur

Für die Tour „Indus­trie­kul­tur erle­ben“ erwar­tet uns schon unser Gäs­te­füh­rer Dirk Sla­wetz­ki. Los geht’s mit dem Bus zum ers­ten kul­tu­rel­len High­light, dem Land­schafts­park Duis­burg. Eine 180 Hekt­ar gro­ße Flä­che rund um ein still­ge­leg­tes Hüt­ten­werk bie­tet heu­te viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, Kul­tur, Natur und Action zu erle­ben. Zuerst ein­mal fas­zi­nie­ren mich die alten ros­ti­gen Indus­trie­an­la­gen. Ob Stahl­roh­re, Kabel­brü­cken oder Tur­bi­nen­rä­der: Das Hüt­ten­werk ver­brei­tet einen ein­zig­ar­ti­gen Charme, dem sich kaum jemand ent­zie­hen kann.

Industriekultur Landschaftspark Duisburg

Der Land­schafts­park in Duis­burg emp­fängt uns bei strah­len­dem Son­nen­schein

Industriekultur Lüfterrad

Rie­si­ges Lüf­ter­rad an einem Kühl­turm

Direkt hin­ter den Anla­gen geht es ent­lang von Bäu­men und Wie­sen zum „klei­nen“ Gaso­me­ter. Hier kann man tat­säch­lich einen Tauch­gang durch­füh­ren. Im ehe­ma­li­gen, 1920 gebau­ten Gas­spei­cher kann man bis zu 13 Metern in die Tie­fe gehen und am Grund neben einem Schiffs­wrack ein Flug­zeug­wrack, meh­re­re Auto­wracks und vie­les mehr erkun­den.

Hal­de Rhei­nel­be in Gel­sen­kir­chen

Wir sprin­gen in unse­ren Bus und düsen dem nächs­ten Ziel ent­ge­gen, der Hal­de Rhei­nel­be in Gel­sen­kir­chen. Das Beson­de­re an der aus Bau­schutt auf­ge­häuf­ten Hal­de ist ein von Her­mann Pri­gann 1999 errich­te­te­tes Kunst­werk. Dahin führt uns die soge­nann­te Him­mels­trep­pe. Oben thront eine For­ma­ti­on aus auf­ein­an­der gesta­pel­ten Beton­frag­men­ten, die der Künst­ler aus alten Fun­da­ment­tei­len errich­tet hat. Von hier aus hat man einen fan­tas­ti­schen Pan­ora­ma-Aus­blick auf das Ruhr­ge­biet.

Industriekultur Himmelstreppe

Nur noch die Him­mels­trep­pe hoch, dann sind wir am Kunst­werk

Industriekultur Halde Rheinelbe

Man kann durch das Kunst­werk hin­durch­spa­zie­ren. Drin­nen sind Graf­fi­tis von unbe­kann­ten Künst­lern.

 

Jahr­hun­dert­hal­le Bochum

Und wie­der geht es wei­ter, dies­mal zur Jahr­hun­dert­hal­le in Bochum. Die aus Stahl bestehen­de Hal­le wur­de extra  für die Gewer­be­aus­stel­lung 1902 in Düs­sel­dorf gebaut. Dort stand sie auch erst­mal eini­ge Zeit. 1903 wur­de die Hal­le in Bochum neu auf­ge­baut.  Heu­te dient sie sowohl als Mes­se­hal­le als auch als Ver­an­stal­tungs­hal­le für die Ruhr­tri­en­na­le oder Rock‑, Pop- und Klas­sik-Kon­zer­te. Nach­dem sich alle mit einem Eis gestärkt haben, führt uns der Weg wie­der zurück nach Essen.

Industriekultur Jahrhunderthalle Bochum Wasserturm

Der Was­ser­turm direkt neben der Jahr­hun­dert­hal­le

 

Mar­ga­re­then­hö­he Essen

Es geht zur Mar­ga­re­then­hö­he. Die nach Mar­ga­re­the Krupp genann­te Sied­lung gilt als ers­te deut­sche Gar­ten­stadt und ver­fügt in 935 Gebäu­den über 3092 Wohn­ein­hei­ten. Die Mar­ga­re­then­hö­he wur­de 1906 von Mar­ga­re­the Krupp anläss­lich der Hoch­zeit ihrer Toch­ter Ber­tha gestif­tet. Ab die­sem Zeit­punkt bis 1938 wur­de die Sied­lung von dem Archi­tek­ten Georg Met­zen­dorf erbaut. Heu­te ist die Mar­ger­e­then­hö­he eine belieb­te Wohn­ge­gend. Die wun­der­schö­ne Archi­tek­tur lässt auch bei mir dar­an kei­nen Zwei­fel.

Grüne Hauptstadt Margerethenhöhe wohnen

Idyl­li­sches Woh­nen

Nach all die­sen kul­tu­rel­len Spots geht es zum Abschluss des Tages an den Bal­de­ney­see zum Sea­si­de Beach. Eini­ge von uns nut­zen die ver­blei­ben­de Zeit zum Schwim­men, ande­re zum Rela­xen oder zum Blog­ger-Aus­tausch.  Auch der Bal­de­ney­see hat Geschich­te. Er ist der größ­te der sechs Ruhr­stau­se­en und ent­stand 1933 als Absetz­be­cken eines Ruhr-Stau­wehrs.

Abschluss im Gru­g­a­park

Eigent­lich ist für den Sonn­tag­mor­gen als krö­nen­der Abschluss des Blog­ge­re­vents ein gemein­sa­mes Pick­nick im Gru­g­a­park geplant. Doch wir befin­den uns in Mit­tel­eu­ro­pa, das Wet­ter bestä­tigt mal wie­der alle Vor­ur­tei­le. Am Mor­gen wecken uns Don­ner­grol­len und rau­schen­der Regen. Über das ins Was­ser gefal­le­ne Pick­nick trös­ten wir uns beim viel­fäl­ti­gen Ange­bot des Früh­stücks­büf­fets.

Grüne Hauptstadt Grugapark

Som­mer­blu­men im Gru­g­a­park

Spä­ter wagen wir uns doch noch für eine Run­de durch den größ­ten Park Essens. Der Him­mel ist zwar noch grau, doch momen­tan reg­net es nicht. An Blu­men­bee­ten und Kunst­skulp­tu­ren geht es vor­bei. Im Musik­pa­vil­lon wird gera­de ein Kon­zert vor­be­rei­tet. Das Hun­dert­was­ser­haus mit sei­nen sanf­ten, orga­ni­schen Lini­en wirkt wie ein mys­ti­sches Mär­chen­schloss.

Grugapark Hundertwasserhaus

Hun­dert­was­ser-Haus

Vor dem erneut her­an­zie­hen­den Schau­ern flüch­ten wir ins Tro­pen­haus. Von Wüs­ten­kli­ma bis Regen­wald fin­den sich hier ver­schie­de­ne The­men­häu­ser. Wäh­rend der Regen aufs Glas­dach pras­selt, war­ten wir im dich­ten Tro­pen­grün auf bes­se­res Wet­ter.

Grüne Hauptstadt Gruga Kaktus

Der Rie­sen­kak­tus mag es lie­ber tro­cken – genau wie wir

Unse­re Rei­se wur­de ermög­licht mit freund­li­cher Unter­stüt­zung von Ruhr­tou­ris­mus, dem Pro­jekt­bü­ro Grü­ne Haupt­stadt Euro­pas und dem Atlan­tic Con­gress Hotel Essen.  Wir dan­ken den Spon­so­ren für die Unter­stüt­zung.

 

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