Flü­ge nach Reuni­on, ein Über­see­de­part­ment von Frank­reich star­ten von Euro­pa aus nur von Paris. Also star­ten wir mit dem Tha­lys von Köln aus und freu­en uns, einen hal­ben Tag in Paris ver­brin­gen zu kön­nen, bevor unser Flug von Orly aus star­tet.

Am nächs­ten Mor­gen lan­den wir pünkt­lich um zehn Uhr am Roland-Gar­ros-Flug­ha­fen in St. Denis. Wir holen den vor­be­stell­ten Miet­wa­gen ab, ein knuff­fi­ger klei­ner wei­ßer Peu­geot 107, in dem wir unser Rei­se­ge­päck nur unter­be­kom­men,  indem wir die Rück­bank umle­gen. Aber für zwei Per­so­nen ist das Auto durch­aus aus­rei­chend. Die Tat­sa­che, dass gefühl­te 90% aller Autos auf Reuni­on wei­ße Klein­wa­gen sind, lässt es hilf­reich erschei­nen,  sich das Num­mern­schild des eige­nen Miet­wa­gens zu mer­ken, um ihn auf Park­plät­zen wie­der­zu­fin­den…
Die Küs­ten­au­to­bahn N1, mit EU-Gel­dern finan­ziert,  ist eine der teu­ers­ten Stra­ßen der Welt. Zwi­schen Steil­küs­te und Meer, mit beein­dru­cken­den Stahl­net­zen gegen den immer­wäh­ren­den Stein­schlag gesi­chert wälzt sich in die­sem Bal­lungs­raum zu Stoß­zei­ten eine zähe Blech­la­wi­ne, in die wir uns man­gels Alter­na­ti­ven ein­rei­hen.
Zu unse­rer Rech­ten leuch­tet tief­blau der Indi­sche Oze­an.

Westküste

West­küs­te

In L’Er­mi­ta­ge bezie­hen wir eine klei­ne Feri­en­woh­nung. Die Ter­ras­se bie­tet einen klei­nen Sitz­platz, wo wir unse­re Mahl­zei­ten ein­neh­men mit Blick auf den Gar­ten mit blü­hen­dem Fran­gi­pa­ny-Baum und pink leuch­ten­der Bou­gain­villea, als Hin­ter­grund­mu­sik das ste­ti­ge Rau­schen der Bran­dung. So lässt es sich aus­hal­ten!

Frangipany

Fran­gi­pa­ny

Die West­küs­te Reuni­ons bie­tet kilo­me­ter­lan­ge Sand­strän­de, im Bereich von St. Gil­les bis La Sali­ne durch ein vor­ge­la­ger­tes Koral­len­riff vor der Bran­dung geschützt. Ins­ge­samt ist Reuni­on kei­ne Insel für den idea­len Bade­ur­laub, tücki­sche Strö­mun­gen und in den let­zen Jah­ren immer wie­der vor­kom­men­de Hai­an­grif­fe las­sen Bade­ver­gnü­gen nur ein­ge­schränkt zu.

Haiwarnung im Strandparadies

Hai­war­nung im Strand­pa­ra­dies

Aber zum Rela­xen und Run­ter­kom­men ist die West­küs­te für ein paar Tage eine gute Wahl. Das Wet­ter ist son­nig und warm.

Den ers­ten Tag las­sen wir ruhig ange­hen. Heu­te am Sonn­tag tum­melt sich die gesam­te Bevöl­ke­rung Reuni­ons am Strand, so dass dies kei­ne Alter­na­ti­ve ist. Also bre­chen wir auf zu einer klei­nen Wan­de­rung ent­lang der Ravi­ne St. Gil­les ganz in unse­rer Nähe. Es geht einen holp­ri­gen Pfad abwärts, bis wir den Was­ser­ka­nal errei­chen, der vor lan­ger Zeit ange­legt wur­de, um das Frisch­was­ser der Ravi­ne St. Gil­les in die Zivi­li­sa­ti­on zu brin­gen. Auf dem gemau­er­ten Rin­nen­rand balan­cie­ren wir ent­lang.

Ravine St. Gilles

Ravi­ne St. Gil­les

Stel­len­wei­se span­nend,  wenn es auf der Hang­sei­te neben uns steil abwärts geht. Schließ­lich errei­chen wir das Bas­sin des Aigret­tes. Von der Fels­wand stürzt ein male­ri­scher Was­ser­fall in das klei­ne Bade­be­cken. Rings­um sind klei­ne­re und grö­ße­re Fels­blö­cke, auf denen sich die Jugend der umlie­gen­den Orte ein­ge­fun­den hat.

Westküste
Wir tre­ten nach einer Snack­pau­se den Rück­weg an, um auch noch den Weg zum Bas­sin Mal­heur zu bege­hen. Die­ser zweigt oben am löch­ri­gen Zaun ab, ent­lang eines glück­li­cher­wei­se tro­cke­nen Was­ser­ka­nals, denn der Weg führt durch den Kanal durch drei Fels­tun­nel.

Westküste

Das Bas­sin Mal­heur befin­det sich ober­halb des Was­ser­falls, der sich in das Bas­sin des Aigret­tes stürzt. Ein klei­ner Kies­strand lädt zu einer Pau­se ein, wäh­rend wir zuschau­en,  wie  die Jugend­li­chen von der gegen­über­lie­gen­den Fels­wand aus schwin­deln­den Höhen ins Was­ser sprin­gen.
Auf dem Rück­weg bleibt noch genü­gend Zeit für ein biss­chen Kul­tur und wir besu­chen das Musèe de Vil­le­le, das in einem alten Her­ren­haus einer Zucker­ba­ron­fa­mi­lie unter­ge­bracht ist.

Der nächs­te Tag ist Mon­tag, da soll­te der Strand uns gehö­ren. Als wir auf­wa­chen, bläst ein ordent­li­cher Wind. In der Nacht hat es offen­sicht­lich gereg­net, denn klei­ne Pfüt­zen im Hof sind noch zu sehen. Wir wan­dern ein gan­zes Stück am Strand ent­lang, in der Hoff­nung, dass es wei­ter oben wind­stil­ler wird. Wird es aber nicht und so suchen wir uns ein Plätz­chen im Halb­schat­ten der Fila­os­bäu­me. Die Son­ne scheint warm genug, dass uns der Wind nicht zu kalt wird.

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Drau­ßen am Riff bre­chen sich 4 – 5 m hohe Wel­len, ein ein­drucks­vol­les Spek­ta­kel. Der Wind ver­weht die Gischt zu lan­gen Schlei­ern, aber inner­halb der Lagu­ne ist es rela­tiv ruhig und das Was­ser hat eine see­ehr ange­neh­me Tem­pe­ra­tur. So ver­brin­gen wir eini­ge Stun­den mit lesen, dösen und baden, letz­te­res nur in maxi­mal hüft­ho­hen Was­ser, denn die Haie haben zwar offi­zi­ell Zugangs­ver­bot inner­halb der Lagu­ne, aber weiß man, ob sie sich dran hal­ten?!

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Nach­mit­tags lau­fen wir wei­ter am Strand ent­lang bis wir nach St. Gil­les kom­men.  Dort bestau­nen wir ein paar todes­mu­ti­ge Sur­fer und einen eben­so todes­mu­ti­gen Kite­sur­fer, die über die hohen Wel­len toben. Es sind min­des­tens 5 – 6 Wind­stär­ken!  Am Sport­ha­fen las­sen wir den Nach­mit­tag bei einem Dodo-Bier (DIE reunio­ne­si­sche Bier­mar­ke) aus­klin­gen.

An unse­rem letz­ten Tag in L’Er­mi­ta­ge ist wie­der Wan­dern ange­sagt. Wir wol­len eine Tour machen, von der man in den Cir­que de Mafa­te rein­gu­cken kann, das ist ein Tal­kes­sel, den man mit dem Auto nicht errei­chen kann. Da im Lau­fe des Tages in den Ber­gen meist Wol­ken auf­zie­hen, heißt es früh auf­ste­hen und um halb sie­ben fah­ren wir schon los. Früh genug, um den Rush­hour-Stau bei St. Paul mit­zu­ma­chen. Trotz­dem errei­chen wir den Wan­der­park­platz bei Dos d’A­ne am Ende einer per­fekt asphal­tier­ten Berg­stra­ße um acht Uhr. Nach 15 Minu­ten sind wir am Aus­sichts­punkt Cap Noir und packen unser Früh­stück aus, dass wir mit einem atem­be­rau­ben­den Blick in den Cir­que de Mafa­te genie­ßen.

Cirque de Mafate

Cir­que de Mafa­te

Immer wie­der brum­men Hub­schrau­ber vor­bei, und es dau­ert eine Wei­le, bis wir fest­stel­len, dass sie UNTER uns im Tal ent­lang flie­gen. Der Tal­kes­sel wird von stei­len schrof­fen Ber­gen gebil­det, die übri­gens meist nach ent­flo­he­nen Skla­ven benannt sind. Die haben sich frü­her näm­lich ger­ne in die­se schwer zugäng­li­chen Regio­nen geflüch­tet, aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den.

Gestärkt machen wir uns auf den wei­te­ren Weg, der stel­len­wei­se recht span­nend ist, denn auf einer Sei­te des schma­len Pfads geht es meist sehr steil nach unten. An eini­gen Stel­len müs­sen wir über Eisen­lei­tern klet­tern, ande­re Stel­len sind mit Stahl­sei­len gesi­chert,  wenn sich uns auch nicht erschließt nach wel­chen Kri­te­ri­en, denn ein paar Pas­sa­gen hät­ten die Seil­si­che­rung nöti­ger gehabt. Viel­leicht haben sich da die Arbei­ter nicht hin­ge­traut ;-)

Westküste Westküste

Es gibt immer wie­der tol­le Aus­sich­ten zu gucken. So brau­chen wir für die Run­de statt der im Wan­der­füh­rer ver­an­schlag­ten andert­halb Stun­den fast drei Stun­den. Als wir zurück kom­men, ist der Park­platz voll mit Autos und die Wol­ken zie­hen in die Täler.

Westküste

Wir fah­ren run­ter zur Küs­te, besich­ti­gen in St. Paul den alten Fried­hof Cime­tiè­re Marin direkt am Meer, auf dem See­hel­den, Dich­ter, wich­ti­ge Leu­te von frü­her und ein Pirat bestat­tet sind. Das mit dem Pira­ten ist aber wahr­schein­lich Unfug, denn der wur­de schon 50 Jah­re bevor der Fried­hof eröff­net wur­de ent­haup­tet und es war gute alte Sit­te, dass sün­di­ge Pira­ten über­haupt nicht bestat­tet wur­den. Aber hier bringt alle paar Jah­re mal ein  Zyklon alles durch­ein­an­der, zum Bei­spiel auch Grab­stei­ne und da kann es bei  Auf­räu­men ja mal zu Miss­ver­ständ­nis­sen kom­men…

Westküste

Nach so viel Rum­lau­fen gön­nen wir uns in Boucan Canot an der Strand­pro­me­na­de ein küh­les Getränk und gucken den Bran­dungs­wel­len zu, die hier direkt am Strand lan­den. Hier ist einer der schöns­ten Strän­de der Insel, der aber seit den Hai­at­ta­cken von 2013 für alle Was­ser­sport­ak­ti­vi­tä­ten gesperrt ist.

wei­ter zum Cir­que de Cila­os…