Zwei Faultiere im Outdoorparadies Vang Vieng

Vang Vieng

Der kleine Ort Vang Vieng inmitten einer wilden Karstlandschaft hatte bis vor einigen Jahren einen Ruf als berüchtigte Party-, Alkohol- und Drogenlocation. Backpacker ließen sich in großen Traktorreifen den Fluss hinunter treiben, alle paar Meter gab es eine Bar am Ufer. Mit billigem Alkohol, Cannabis und sogar Opium dröhnten sie sich zu. Es gab jedes Jahr 20 bis 30 tödliche Unfälle. Schließlich griffen die Behörden durch und schlossen die meisten Bars, regulierten den Betrieb auf dem Fluss. Auch heute noch gibt es ein paar Partylokale im Ortszentrum. Darüber hinaus bemüht sich Vang Vieng, ein Zentrum für Outdooraktivitäten zu werden. Hiking, climbing, kayaking, caving, ballooning – die Angebote sind vielfältig.

Vang Vieng
Im Ballon über Vang Vieng

Vang Vieng erkunden

Der Ort ist überschaubar, von der Busstation laufen wir zu unserer Unterkunft. Nachdem wir uns eingerichtet haben, geht es zu einem Rundgang durch Vang Vieng. Restaurants, Guesthouses, Reiseagenturen und Convenience Stores säumen die Straßen und zeugen von dem boomenden Tourismus. Der Tempel geht fast unter im Straßenbild.

Vang Vieng Tempel
Dabei ist der Tempel schön bunt

Wir finden zum Flussufer, wo eine saisonale Bambusbrücke hinüber führt. In der Regenzeit wird sie abgerissen, dann kommt man nur über die mautpflichtige Hauptbrücke ans andere Ufer. Die schmale Brücke wird von Fußgängern und Motorrollern gut frequentiert.

Vang Vieng Bambusbrücke
Eng geht es zu auf der Bambusbrücke

Leider sind die typischen Karstkegel am gegenüberliegenden Ufer in einen dichten Dunstschleier gehüllt. Ob es einfach am diesigen Wetter liegt oder der Dunst durch die burning season, dem Abbrennen von Feldern in der Umgebung verursacht wird, bekommen wir nicht raus.

Vang Vieng Karstlandschaft
Karstberge im Dunst

Viele bunte Kajaks kommen den Fluss herunter, aber wir sehen keinen einzigen Menschen beim Tubing. Das wird sich auch die nächsten Tage nicht ändern, obwohl wir mehrfach sehen, dass Gruppen in Songtheows, auf denen Tubes gestapelt sind durch Vang Vieng transportiert werden. Irgendwo müssen die doch bleiben?

Vang Vieng
Bambusbrücke und Kajak-Armada
Vang Vieng Tubing
Aufladen zum Tubing-Abenteuer

Weitere laotische Transportwunder erleben wir, wenn nachmittags die Kajaks wieder zurückgebracht werden. In und auf die Transporter geklemmt ragen die Boote hinten raus. Meist hängt noch eine Traube von Mitarbeitern an und auf Auto und Kajaks.

Vang Vieng Kajak
Kajaktransport auf laotisch

Wir sind ja so faul…

In einem Ort, der unendlich viele Outdooraktivitäten anbietet, sind wir eigentlich völlig fehl am Platz. Besser geeignet wäre die Faultier-Stadt oder die Gammel-Hochburg. Unser Aktivitätslevel ist nämlich ziemlich weit unten. Eine Tour buchen, bei der wir zusammen mit 30 Koreanern durch Höhlen schwimmen und an Ziplines über Bäume fliegen? Och nö. Einen Roller mieten und über Dreckpisten rumpeln, um die Gegend zu erkunden? Muss nicht sein. Fahrrad fahren kommt erst recht nicht in Frage. Viel zu anstrengend.

Wir haben die letzten Monate soviel unternommen und gesehen, dass wir ziemlich gesättigt sind. Außerdem beschäftigen wir uns langsam in Gedanken mit der Heimreise, die in zwei Wochen bevorsteht. Vielleicht ist auch ein wenig Reiserückkehr-Blues dabei. Jedenfalls hängen wir überwiegend rum, beschäftigen uns etwas mit dem Blog, spazieren mal durchs Dorf.

Doch noch ein Aktivitätsschub

Einen Tag werden wir doch noch aktiv. Sogar aktiver, als wir eigentlich vorhatten. ? Wir überqueren die schmale Bambusbrücke, um auf der anderen Flussseite eine kleine Wanderung zu unternehmen. Über abgeerntete, gelb vertrocknete Reisfelder führt ein schmaler Pfad. Ein kleiner Karstkegel, auf dem eine rote Fahne weht ist unser Ziel.

Vang Vieng Wanderung
Da wollen wir hin

Dort oben gibt es sicher einen Aussichtspunkt. Am Fuß des Hügels steht eine Hütte, wo wir Eintritt bezahlen müssen. Eine Höhle soll uns auch erwarten.

Wir hätten gewarnt sein sollen, als wir sahen, dass der Weg schon mit grob gezimmerten Holzleitern begann. Frohgemut beginnen wir den Aufstieg. Teils gibt es ein wackliges Bambusgeländer, teils klimmen wir von Sprosse zu Sprosse. Zwischendurch geht es über einen schmalen steinigen Pfad stetig bergauf.

Vang Vieng
Über Holzleitern – garantiert nicht TÜV-geprüft – geht es hoch

Nach etwa zehn Minuten erreichen wir die Höhle. Ein schmaler Spalt im Fels, der sich in der Dunkelheit verliert. Wir stehen nicht so auf Höhlenexpeditionen, insbesondere wenn wir noch nicht mal Lampen dabei haben. Oder Brotkrumen, um wieder raus zu finden. Also lassen wir die Höhle links liegen und setzen unseren Aufstieg fort. 

Es wird immer steiler und unwegsamer. An Baumwurzeln ziehen wir uns hoch, klammern uns an die Felswand, als wir empor steigen. Felsstürze mit groben Brocken müssen überklettert werden. Mehrmals überlegen wir, ob es nicht zu gefährlich wird und wir besser umkehren sollten. Doch es zieht uns weiter nach oben. So weit kann es ja nicht mehr sein, oder? 

Vang Vieng klettern
Aus der Wanderung wird eine Kletterexpedition
Vang Vieng klettern
Immer gut festhalten – das nächste Krankenhaus ist in Thailand ?

Nachdem wir das mehrmals gedacht haben, erreichen wir schließlich schweißgebadet den Gipfel. Leider ist das Wetter bedeckt und dunstig, so dass die Aussicht etwas getrübt ist. Nach einer kleinen Imbisspause nehmen wir den Abstieg in Angriff. Dieser läuft überraschend gut und wenig später ziehen wir durch die Reisfelder heimwärts.

Vang Vieng Gipfel
Gipfelfahne in Sicht
Vang Vieng Aussicht
Trotz Dunst eine schöne Aussicht
Vang Vieng Gipfel
Strahlende Gipfelstürmer

Inzwischen weiden einige Kühe auf den Feldern. Kühe fotografieren ist immer gut, ich zücke die Kamera. Vermutlich kennt ihr das auch: kaum hat man die Kamera auf ein Tier gerichtet, fliegt es weg oder dreht einem den Hintern zu. Diese Kühe machen erstaunlicherweise weder das Eine (okay, das ist nicht erstaunlich) noch das Andere. Im Gegenteil, sie gucken neugierig in die Linse und kommen immer näher. Zutraulich stupsen sie mich an, lassen sich streicheln und beginnen sogar, meine Wade zu lecken. Bestimmt lecker salzig!

Vang Vieng Kühe
Zutrauliche Kühe

Zum Abschluss nasse Füße

Am Fluss erreichen wir eine Furt, über die die schweren Lastwagen den Fluss überqueren. Die offizielle Brücke ist nicht für sie ausgelegt.

Vang Vieng Brücke
Nicht geeignet für Schwerverkehr

Zur Bambusbrücke ist es für uns ein Umweg, also überrede ich Marcus, die Furt zu durchwaten. Das Wasser ist maximal etwas über knietief. Vorsichtig tasten wir uns über den steinigen Grund. Mit unseren empfindlichen, verwöhnten Füßen brauchen wir deutlich länger als die Einheimischen, die uns mühelos überholen. Aber auch wir kommen an und hatten unseren Spaß.

Vang Vieng Furt
Auf dem Weg durch den Fluss
Vang Vieng Fluss Furt
Fast angekommen

Nach diesem Aktivitätsschub lassen wir es die letzten zwei Tage wieder gewohnt ruhig angehen. Zwei Faultiere auf Weltreise… (G)   

 

16 Kommentare

  1. Hallo Gina,
    ich kann so nachvollziehen, wie Ihr Euch fühltet und warum Ihr die ganzen gezwungenen Outdoor-Aktivitäten nicht mitgemacht habt. Mir geht’s oft genauso, dann ziehe ich auch wie ihr eher los, irgendeinen Aussichtspunkt, und mir könnte es genauso gehen, dass das dann doch anstrengender wird als ich mir das vorgestellt habe.
    Interessant auch, dass Vang Vieng inzwischen etwas aufgeräumt wurde; von den Partys und vielen, die nur deswegen nach Laos gereist sind, habe ich schon gehört.
    Liebe Grüße,
    Barbara

    1. Hallo Barbara,
      die Aktivitäten in einer großen Gruppe sind einfach nicht unser Ding. Zwischendurch mal ein kleines Abenteuer auf eigene Faust lockert die Entspannung auch angenehm auf.
      LG
      Gina

  2. Hallo ihr zwei 😉 Super leichter Beitrag, der eure Stimmung super einfängt und dazu noch so viel über das Land erzählt. Ich liebe ja diese Wege, die am Ende unerwartet und herausfordernd werden 😀 Natürlich nicht mit eurer Entspannungsstimmung zu vereinen, aber es hört sich trotzdem nach recht viel Spaß an 🙂

    1. Ein bisschen Anstrengung zwischendurch trägt ja auch zur Entspannung bei ?

  3. Maria Gormanns sagt: Antworten

    Hallo Ihr Beiden, Abenteuer pur, was ihr so treibt. Bin aus Portugal zurück, habe eine Rundreise von Lissabon bis zur Algarve nach Lagos und Porta gemacht. So ein schönes grünes blühendes Land. Wir hatten eine Portugiesin an Bord, die uns ihr Land näher gebracht hat. Wir haben so unglaublich viel gesehen:)….
    Ich wünsche euch noch gute Tage und dann eine gute Heimreise, dass ihr gesund wieder zu Hause an kommt. LG Maria:)

    1. Liebe Maria,
      vielen Dank für deine guten Wünsche. Wir sind inzwischen auch gut wieder in Deutschland gelandet.
      LG
      Gina

  4. Hallo ihr 2, hört sich nach einer schönen und entspannten Zeit an (wenn man von der krassen Wanderung mal absieht ;)). Aber ich wette, die wird euch noch lange im Gedächtnis bleiben, sind ja oft so die kuriosen und ungewöhnlichen Erlebnissen, an die man sich später zurück erinnert.
    VG Simone

    1. Hallo Simone,

      ja, solche Erlebnisse sind das Salz in der Suppe 😉 Und wenn man es gut überstanden hat, ist es auf jeden Fall eine tolle Erinnerung.

      LG
      Gina

  5. Liebe Gina,
    einfach mal die Seele baumeln lassen und nichts tun, muss auch mal sein. Und eure Wanderung war ja alles andere als entspannt.
    Mir haben es besonders die Karstberge angetan, die auch im Dunst einfach malerisch aussehen. 🙂

    Viele liebe Grüße
    Kathi

    1. Liebe Kathi,
      stimmt, die Karstberge haben auch im Dunst etwas. Wäre trotzdem schön gewesen, sie mal als Kontrast im klaren Licht zu sehen. Aber das Wetter muss man halt nehmen, wie es kommt.
      LG
      Gina

  6. Sehr schöner Bericht – vor allem eure abenteuerliche Wanderung wäre genau das Richtige für mich 😉 Außerdem habt ihr richtig tolle Fotos.
    lg aus Ecuador

    1. Vielen Dank!
      Das glaube ich dir, dass dir die Wanderung gefallen würde ?
      LG
      Gina

  7. Hallo Gina,
    manchmal ist Nichtstun genau das Richtige. Gerade, wenn man so lange unterwegs war. Irgendwann ist man einfach auch übersättigt und nicht mehr aufnahmefähig. Kann gut verstehen, dass Aktivitäten in großen Gruppen nichts für euch sind – geht uns nicht anders. Wir sind lieber flexibel und entscheiden spontan. Die Wanderung war dann ja auch noch eine gute Outdoor-Challenge… 😉
    LG
    Katharina

    1. Hallo Katharina,

      ja, genau so ging es uns. Am Ende der Reise mussten wir einfach die vielen Eindrücke verdauen und haben auch nicht bedauert, nicht mehr alles gesehen und mitgemacht zu haben. Zumal eine Erkenntnis dieser Reise ist, dass man ohnehin nie alles sehen kann. Daher sind wir in dieser Hinsicht sehr entspannt geworden.

      LG
      Gina

  8. Hallo ihr zwei,
    einfach das Leben und diese wunderschöne Landschaft genießen, mehr muss eigentlich gar nicht sein. Das geht mir bei uns in Amazonien oft auch so. Aber wir machen uns dann auch gerne Mal in die Natur auf, und auch wenn es manchmal anstrengend wird, ist es doch auch immer ein tolles Erlebnis.
    Viele Grüße
    Klaus

    1. Hallo Klaus,
      die richtige Mischung zwischen „rumfaulen“ und aktiv sein macht’s. So sehen wir das auch.

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