Vientiane – französisches Flair und Kriegserinnerungen

Anreise im Nachtbus

Nach Vientiane nehmen wir der langen Strecke wegen den Nachtbus. Zuerst geht es mit dem Tuktuk zum Mekong. Dort setzen wir mit einem kleinen Boot über, um den Bus nach Pakse zu erreichen. Erst abends soll dort unser Nachtbus losfahren.

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Wieder Boot fahren

Auf Busse zu warten sind wir mittlerweile gewöhnt. Wir können auf kleinen Plastikstühlchen im Schatten eines kleinen Ladens dösen. Eine Stunde später steigen wir in den Bus ein, der uns am frühen Nachmittag vor dem Büro des Nachtbusunternehmers rauslässt. Vier Stunden Zeit haben wir, uns im Ort umzuschauen und zu essen.

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Der Bus kommt
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Leckereien im Cafe

Dann werden wir mit einem Taxi zum Busbahnhof gebracht. Dort stehen sie, die majestätischen Doppelstockbusse, die „Kings of Bus“. Wieder heißt es warten. Wir sehen, wie am Nachbarbus der Fahrer Räucherstäbchen vorne am Fahrzeug befestigt, diese anzündet und sich hinkniet. Beschwört er, dass der Bus durchhält? Unser Bus hat das anscheinend nicht nötig.

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Der König der Busse

Endlich können wir einsteigen. Oh je, unsere Schlafplätze sind oben und weit hinten, da ist es ziemlich eng. Um zum Schlafplatz zu gelangen, müssen wir krabbeln, in den Kojen können wir nicht aufrecht sitzen. Ich bekomme ein leichtes Gefühl von Platzangst.

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Ein wenig eng ist es schon ??

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt, in der wir von allen möglichen Vehikeln überholt werden (haha, King of Bus), bleibt der Bus stehen. Es ist sehr still um uns herum und sehr dunkel. Es gibt kein Licht im Bus, draußen gibt es auch nicht viel. Nach einiger Zeit bekommen wir mit, dass alle Koffer aus dem Bus ausgeladen werden. Ok, hier stimmt was nicht. Also werden wir aufstehen und rausgehen. Die meisten Passagiere sind schon draußen, einige Männer stehen diskutierend um die geöffnete Motorhaube herum. Nach mehrmaligem Fragen erfahren wir, dass es einen Ersatzbus geben wird, da der hier kaputt ist.

Glück im Unglück, der neue Bus ist viel komfortabler und endlich kann die Reise weitergehen. Das Video hierzu seht ihr hier:

Ankunft in Vientiane

Frühmorgens gegen halb acht erreichen wir den Busbahnhof in Vientiane. Zahlreiche Songtheows stehen bereit, uns in die Stadt zu fahren. Nachdem wir einen vernünftigen Preis für die Fahrt zum Hotel ausgemacht haben, kann es losgehen. Hier in Laos buchen wir keine Hotels vor, wir schauen uns bis zu drei Hotels an, die wir vorher im Internet ausgemacht haben. Für die ungefähr acht Kilometer in die Stadt brauchen wir fast anderthalb Stunden. Die anderen Mitfahrer im Songtheow werden zuerst zu ihren Zielen gefahren, zum Schluss sind wir beide noch übrig und müssen dem Fahrer wieder mal mühsam erklären, wo wir hinwollen. Mehrmals verfährt er sich, aber am Ende gelangen auch wir zu unserem Ziel. Das Hotelzimmer hat leider nur ein Fenster zum Innenflur, ansonsten gefällt es uns. Wir beschließen, für eine Nacht zu buchen und dann in Ruhe eine andere Unterkunft zu suchen.

Nach einem richtig tollen Frühstück mit Croissants und knusprigem Baguette in einem französischen Cafe kommen unsere Lebensgeister wieder. Die Nacht im Bus war nicht so erholsam wie erwartet.

Und nach kurzem Fußmarsch haben wir auch eine andere nette Unterkunft gefunden. Den Tag lassen wir es ruhig angehen. Eine Massage, essen, ein wenig bummeln, mehr nicht.

Obwohl wir oft gelesen haben, dass Vientiane nicht viel zu bieten hat, gefällt uns die Stadt von Anfang an.

Nach dem Umzug ins neue Hotel am nächsten Tag schauen wir uns die schwarze Stupa umd den Tempel Wat Si Saket an.

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Schwarze Stupa

That Dam (Schwarze Stupa) stammt vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Im Innern soll ein siebenköpfiger Drache wohnen, der während des siamesisch-laotischen Krieges erwachte und die Bevölkerung beschützte. Trotzdem raubten die Siamesen später das ganze Gold vom Stupa. Da hat der Drache wohl gut geschlafen.

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Tempel Wat Si Saket
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Figuren im Tempel
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Buddha im Wat Si Saket

Das Wat Si Saket ist der älteste Tempel in Vientiane. Alle anderen Tempel wurden von den Siamesen im Krieg zerstört. Über 10.000 Buddhastatuen wurden hier aus vielen zerstörten Tempeln gesammelt.

Überfall im Reisebüro

Außerdem buchen wir einen Flug von Vientiane nach Luang Prabang. Wieso das? Wir wollen doch noch nach Vang Vieng, das auf dem Weg nach Luang Prabang liegt. Wir hatten von einer kürzlichen Schießerei im Bus von Vang Vieng nach Luang Prabang mit einem Toten und einigen Verletzten gehört. Solche Überfälle sind wohl gar nicht so selten, Rebellen haben es speziell auf chinesische Busse abgesehen. Und hier fahren einige chinesische Busse. Zudem führt die Strecke über einen hohen Bergpass, man hört ständig von kotzenden Passagieren. Hört sich beides nicht wirklich gut an.

Daher sind jetzt auf dem Weg zu einem Reisebüro. Als wir das erste Reisebüro betreten, starren uns mehrere Paar angsterfüllter Augen an. Nachdem wir unseren Wunsch nach zwei Flugtickets geäußert haben, komme ich mir vor, als hätten wir einen Überfall angekündigt. Erstmal Totenstille. Entweder spricht hier niemand englisch oder das Reisebüro ist in Wirklichkeit keins und verkauft nur Drogen.

Eine der vier anwesenden Damen gibt sich einen Ruck und spricht zu uns. Sorry Sir, Internet down. Die anderen drei haben ihre Köpfe hinter ihren Rechnern versteckt, sind auf Facebook oder Youtube. So einfach komplimentiert man uns aus dem Laden. Draußen müssen wir lachen.

Im zweiten Reisebüro ist die Angestellte freundlicher, allerdings scheitert der Ticketkauf an Sprachschwierigkeiten. Aller guten Dinge sind drei, im dritten Reisebüro bedient man uns freundlich und kompetent.

Vientiane als Hauptstadt gibt sich kulinarisch international. Neben unserem Hotel gibt es eine Pizzeria, die wirklich gut aussieht. Am Abend lassen wir uns eine große Pizza und Rotwein schmecken. Nach über drei Monaten asiatischer Küche freuen wir uns wieder über heimisches Essen.

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Mal wieder richtig stilvoll eine Pizza essen ?

Am nächsten Tag steht wieder etwas Kultur auf dem Programm. Wir wollen mit Leihrädern zum fünf Kilometer entfernten großen Tempel Pha That Luang. Wieder sind wir spät aufgestanden, in der näheren Umgebung gibt es leider nur noch Fahrrad-Leichen zu mieten. Zu klein, schlechte Bremsen, wacklige Lenker. Nein danke. Da gehen wir lieber zu Fuß. Außerdem  können wir uns dabei besser unterhalten.

Wir kommen am Patuxai vorbei, ein Gebäude, das uns stark an den Arc de Triomphe in Paris erinnert. Ist eben die asiatische Variante des französischen Vorbilds.

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Das Patuxai

Nationalsymbol That Luang

Weiter geht es zum Tempel. Dessen Kuppel glänzt schon von Weitem golden. Was für eine Pracht! Allerdings werden im Innern Restaurationsarbeiten durchgeführt. Deshalb gehen wir nicht rein. Nebenan gibt es einen großen liegenden Buddha zu bestaunen. Auf dem Rückweg zum Hotel lassen wir uns von einem Tuktuk fahren, es ist zu heiß zum Laufen.

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That Luang in seiner vollen Pracht
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Riesiger liegender Buddha
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Bild mit Mönchen

COPE Visitor Center

Am nächsten Tag lernen wir noch einige erschreckende Tatsachen über Laos. Wir besuchen das Visitor Center des COPE, einer Organisation zur Hilfe und medizinischen Versorgung von Opfern durch die Bombardierung im Vietnamkrieg.

Obwohl Laos als neutrales Land galt, wurde es von den Amerikanern während des gesamten Krieges mit Streubomben übersät, um die Versorgungswege des Vietkong durch Laos zu zerstören. Somit gilt Laos offiziell als meistbombardiertes Land der Welt. Statistisch gesehen wurden zwischen 1964 und 1973 alle acht Minuten Bomben über Laos abgeworfen, natürlich vor der Öffentlichkeit geheimgehalten. Streubomben öffnen sich beim Abwerfen in der Luft und lassen hunderte tennisballgroße sogenannte Bombies frei. Viele explodierten beim Aufprall auf die Erde, andere bleiben unbeschädigt und unerkannt liegen, bis jemand drauftrat, mit der Hacke im Feld das Bombie traf oder die Hitze eines Kochfeuers dieses zum explodieren brachte. Immer hinterließ es verheerende Auswirkungen. Tod oder Verstümmelungen, immer Schmerz, Trauer und Wut. Die COPE hilft den überlebenden und verstümmelten Opfern mit Prothesen. Mitarbeiter fahren in entlegene Gebiete zu den Opfern und helfen unbürokratisch. Auch heute noch kommt es pro Jahr zu bis zu 300 Unfällen mit diesen Bombies.

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Laotischer Rollstuhl
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Beinprothesen
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Hand-Bikes

Streubomben werden heutzutage von ungefähr 100 Ländern geächtet. Die USA sind nicht dabei.

Etwas bedrückt verlassen wir die Ausstellung. Unsere Zeit in Vientiane geht dem Ende entgegen, morgen früh geht’s nach Vang Vieng (M)

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