Von Taupo nach Cape Kidnappers –  Erdbeben und Supermondflut

Roadtrip mit Kermit Tag 22 bis 26

Taupo erreichen wir am späten Nachmittag. Wir richten uns auf dem Campingplatz ein. Abends wird es schon wieder spürbar kühler, man merkt, dass wir hier ein paar Meter höher sind. So kommt der Heizlüfter zum Einsatz, um Kermit von innen zu wärmen.

Der nächste Tag begrüßt uns mit Sonnenschein, auch wenn ein frischer Wind über den Lake Taupo fegt. Wir stellen Kermit am Hafen ab und machen uns auf, den Waikato River entlang zu wandern. Der Waikato entspringt aus dem Lake Taupo und ist der längste Fluss Neuseelands.

Frühlingsblumen am Wegesrand
Frühlingsblumen am Wegesrand

Der Weg führt als schmaler Pfad am grünen Ufer entlang. Klar und grün glitzert der Waikato im Sonnenlicht. Nach einer Weile erreichen wir eine Steilwand, vor der der Fluss in einer Kurve entlang fließt. Oben ist eine Bungee-Plattform, von der sich Thrill-Seeker in die Tiefe stürzen. Fasziniert beobachten wir einige Sprünge, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Steilwand am Waikato River
Steilwand am Waikato River

Etwas später erreichen wir den Spa Park. Ein heißer Nebenfluss mündet hier in den Waikato River und bildet ein natürliches Thermalbad. Da es keinen Eintritt kostet, ist es gut besucht. Dicht an dicht sitzen die Badenden in den kleinen Felspools.

Unser Weg führt in stetigem, steilem Auf und Ab weiter am Fluss entlang. Zwei Stunden nachdem wir aufgebrochen sind erreichen wir unser Ziel, die Huka Falls. Hier wird der bisher ruhig dahin fließende Waikato zum tobenden Wildwasser.

Der obere Teil der Huka Falls
Der obere Teil der Huka Falls

Von 100 Meter Breite muss sich das Wasser durch eine 15 Meter enge Schlucht zwängen. Smaragdgrün und weißschäumend schießt der Fluss abwärts, um am Ende einen elf Meter hohen Wasserfall hinabzustürzen. Ein großartiger, beeindruckender Anblick, der unsere Paddlerherzen höher schlagen lässt.

Die prächtige Abschluss-Stufe der Huka Falls
Die prächtige Abschluss-Stufe der Huka Falls

Die Erde bebt

Der Abend wird wieder sehr kalt. Wir bleiben noch lange nach dem Abendessen im Aufenthaltsraum sitzen und sind schließlich – wie meistens – die Letzten. Kurz nach Mitternacht, als wir gerade gehen wollen, passiert es. Marcus bemerkt es als Erster: „Es wackelt!“ Der Boden vibriert unter unseren Füßen, die Uhr an der Wand beginnt zu wackeln und der Fernseher bewegt sich hin und her. Ein Erdbeben! Nichts Ungewöhnliches in Neuseeland, aber unser erstes hier. Etwas angespannt warten wir, ob die Bewegungen stärker werden. Die Vibrationen übertragen sich auf meinen Körper und bringen mein Herz zum Rasen, während ich äußerlich gelassen bleibe. Der Spuk dauert etwa eine Minute, dann ist der Boden unter uns wieder fest und sicher, wie er sein sollte. Nur ein leichtes Beben, zum Glück! Eine halbe Stunde später erfahren wir von dem schweren Erdbeben auf der Südinsel, dessen Ausläufer wir bis nach Taupo gespürt haben.

Noch ein Wasserfall

Unser Wetterbericht-optimierter Reiseplan sieht einen weiteren Tag in Taupo vor. Wir fahren zu den zweiten großen Wasserfällen des Waikato Rivers. Die Aratiatia Falls liegen hinter einem Staudamm und sind die meiste Zeit trocken. Zu festen Zeiten wird Wasser durch den Staudamm abgelassen. Dann versammeln sich die Touristen an den eigens dafür eingerichteten Aussichtspunkten und gucken sich das Spektakel an.

Das steile, enge Tal liegt voller riesiger dunkler Felsblöcke. Eine Sirene kündigt das Öffnen der Wehrklappen an. In zwei dicken Schwällen schießt das Wasser aus dem Staudamm. Im Tal passiert zunächst nichts. Dann sehen wir weit oben schäumendes Wasser um die ersten Felsen herum. Langsam steigt der Wasserspiegel, immer mehr Kaskaden entstehen.

Langsam steigt das Wasser
Langsam steigt das Wasser

Die großen Felsblöcke werden völlig überflutet, überall rauscht und schäumt es. Das finstere trockene Tal verwandelt sich in einen zauberhaften weißen Strom. Die Aratiatia Falls sind an sich schon beeindruckend, noch beeindruckender macht sie der Kontrast.

Die gleiche Stelle wie auf dem Foto oben - erkennt ihr sie wieder?
Die gleiche Stelle wie auf dem Foto oben – erkennt ihr sie wieder?

Wie vorhergesagt beginnt am späten Nachmittag der Regen. Der Supermond bleibt uns daher verborgen.

Nach Napier an die East Coast

Auch am folgenden Tag auf unserer Fahrt nach Napier an der East Coast begleitet uns der Regen, tief hängen dunkle Wolken über den Bergen.

Tiefhängende Wolken, null Panorama
Tiefhängende Wolken, null Panorama

Als wir die Küste erreichen, kommt schon wieder die Sonne hervor.

In Napier machen wir einen Rundgang durch die Stadt, die 1931 von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Heute nennt sich Napier die Hauptstadt des Art Deco, da das Zentrum einheitlich in diesem Stil wieder aufgebaut wurde.

So sieht Art Deco aus
So sieht Art Deco aus
Ein weiteres Beispiel
Ein weiteres Beispiel

Im Museum widmet sich eine ganze Etage dem verheerenden Erdbeben, wobei der Fokus darauf liegt, wie die Menschen das Beben erlebt haben.

Die Tölpelkolonie am Cape Kidnappers

Unser Camp schlagen wir in Clive auf halbem Weg zwischen Hastings und Napier auf, denn hier sind wir ganz in der Nähe von Cape Kidnappers, das wir besuchen wollen. Dort nistet eine große Kolonie von Tölpeln. Der Weg dorthin führt am Strand unterhalb der Steilwand entlang und kann nur in einem bestimmten Zeitfenster bei Niedrigwasser begangen werden. Hin- und Rückweg sind zusammen 18 Kilometer, die innerhalb von sechs Stunden geschafft werden sollten. Die Alternative wäre eine lustige Fahrt auf von einem Traktor gezogenen Anhänger über den Strand. Für 44 Dollar. Pro Person.

Campmanager Shaun versorgt uns mit den Tidenzeiten für den nächsten Tag. Drei Stunden nach der Flut soll der ideale Zeitpunkt zum Losgehen sein, das  wäre halb elf. Für unseren Rhythmus die ideale Zeit, gutes Wetter ist auch angesagt, also alles bestens. Shaun macht sich Sorgen, ob wir das auch schaffen, er spricht von 22 Kilometer Weg und versorgt uns mit guten, sich teils widersprechenden Ratschlägen. Für alle Fälle sollen wir unsere Telefonnummer dalassen. Echt rührend!

Pünktlich um halb elf sind wir am Startpunkt der Wanderung. Es geht zunächst über groben Schotter, immer an der Wasserlinie entlang.

Entlang der Steilwand. Man beachte den Baum oben am Rand!
Entlang der Steilwand. Man beachte den Baum oben am Rand!

Von den hohen Klippen zu unserer Rechten halten wir uns so gut es geht fern. Zahlreiche Felsblöcke auf dem Strand bezeugen, dass öfter mal was aus der Steilwand rausbröckelt. Das Panorama ist großartig: links der blaugrüne Pazifik, rechts die majestätischen Klippen.

Felsformationen in den Klippen
Felsformationen in den Klippen

Ab und zu leckt das Meer bis an große Felsen, so dass es gilt, den rechten Moment zwischen zwei Wellen abzupassen, um trockenen Fußes daran vorbei zu huschen.

Schnell, ehe die nächste Welle kommt
Schnell, ehe die nächste Welle kommt

Wir passieren eine Steilwand, in der Seeschwalben nisten. In elegantem Flug gleiten sie an der Klippe dahin und bevölkern die umliegenden Felsen. Wir halten uns nicht lange auf, denn irgendwie sitzt uns die Zeit im Nacken.

Seeschwalben
Seeschwalben

Schließlich erreichen wir das Black Reef und damit die erste Tölpelkolonie. Dicht an dicht sitzen die großen weißen Vögel mit den zart-orangefarbenen Köpfen auf den Felsen und brüten. Wir schießen entzückt einige Fotos, dann geht es weiter. Hinter uns hören wir schon das Brummen der Traktoren, die den steinigen Strand entlang rumpeln.

Dann stehen wir vor einer hohen Felsrippe, die von mindestens kniehohem Wasser umspült wird. Zu steil zum Rüberklettern, zu tiefes Wasser, um trockenen Fußes vorbei zu kommen. Das stand aber nicht in der Wegbeschreibung! Sind wir zu früh und müssen noch warten, dass das Wasser weiter zurückgeht? Unschlüssig stehen wir zusammen mit mehreren anderen Wanderern vor dem unerwarteten Hindernis.

Der rettende Traktor
Der rettende Traktor

Da biegt der erste Traktor um die Ecke und hält auf uns zu. „Hop on!“, ruft uns der Fahrer zu. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und klettern auf den Anhänger, wo noch Platz für zwei Personen ist. Der Fahrer steuert das Gespann durch das tiefe Wasser, die Kinder auf dem Anhänger kreischen entzückt. Wir rumpeln über die Felsrippen und die letzten 300 Meter bis zum Ende des Tracks.

Von hier aus müssen wir den steilen Aufstieg auf die Höhe des Kaps bewältigen. Ein guter Weg führt vom Strand hoch bis zu einer Viehweide, die wir überqueren und weiter einen steilen Pfad hoch wandern. Oben auf dem Plateau erwarten uns tausende von Tölpeln.

So viele Tölpel!
So viele Tölpel!

Sie brüten auf dem Boden, nur durch eine niedrige Absperrung von uns getrennt. Manche turteln und reiben ihre Schnäbel aneinander.

Zwei, die sich gefunden haben
Zwei, die sich gefunden haben

Einzelne Tiere, die wohl noch keine Partnerin gefunden haben, stolzieren auf und ab und schlagen mit den Flügeln.

Einer, der noch sucht
Einer, der noch sucht

Andere kommen angeflogen und landen zielsicher auf einem kleinen freien Platz zwischen den dicht an dicht sitzenden Vögeln. Wir schauen dem Treiben eine ganze Weile zu.

Als sich das Plateau mit mehr und mehr Menschen füllt, die fünf Traktorzüge hier abgesetzt haben, treten wir langsam den Rückweg an.

Cape Kidnappers von oben. Im Vordergrund eine weitere Tölpelkolonie
Cape Kidnappers von oben. Im Vordergrund eine weitere Tölpelkolonie

Obwohl wir gerade Niedrigwasser haben, sind zwei Stellen immer noch so tief, dass wir die Schuhe ausziehen und durchwaten müssen. Man kann nicht immer auf einen rettenden Traktor hoffen…

Doch noch nasse Füße
Doch noch nasse Füße

Das Wasser ist nun soweit zurück gegangen, dass ein breiter Streifen Sand zum Vorschein kommt, auf dem wir relativ bequem gehen können.

Sturmgepeitschtes Meer
Sturmgepeitschtes Meer

Leider bläst uns der Wind in Sturmstärke entgegen und verhindert so einen allzu entspannten Rückweg. Er pfeift uns so laut um die Ohren, dass eine Unterhaltung unmöglich ist. Wir stemmen uns gegen die Böen, werden mit salziger Gischt und aufgewirbeltem Sand besprengt. So sind wir froh, als wir um vier Uhr Kermit wieder erreichen und uns in sein schützendes Inneres flüchten können.

Shaun ist erleichtert, dass wir wohlbehalten und rechtzeitig zurückkommen. Er hatte ganz vergessen, uns zu sagen, dass das Wasser im Moment ungewöhnlich hoch sei. Wahrscheinlich wegen des Supermondes.

(G)

Kermit-Logbuch Tag 22 – 26

Taupo – Napier – Clive

Kilometer: 405

Camps:

Taupo DeBretts Spa & Holiday Park

Clive Motorcamp

Gesamtkilometer: 2442

One Reply to “Von Taupo nach Cape Kidnappers –  Erdbeben und Supermondflut”

  1. Oh, da werden Erinnerungen wach… ich beneide euch um eure Tour durch dieses wunderschöne Land. Zum Glück wart ihr nicht in der Nähe des Erdbebens… auch das erinnert mich an das große Beben in Christchurch vor ein paar Jahren, als wir uns zwar noch auf der Südinsel aufhielten, aber zum Glück weit genug entfernt…

    Ich wünsche euch noch viel Spaß auf eurer Reise. Geht es denn noch von Napier hoch nach Gisborne und ans East Cape? Kann ich nur wärmstens empfehlen.

    LG
    Hartmut

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