Die schwimmenden Dörfer bei Kampong Chhnang

Um von Kampot nach Kampong Chhnang zu gelangen, müssen wir in Phnom Penh umsteigen. Ob wir die Abfahrtszeit unseres Anschlussbusses nicht richtig verstanden haben oder ob es daran liegt, dass noch drei Mann am Motor herumwerkeln wissen wir nicht. Jedenfalls verlassen wir den Busbahnhof in Phnom Penh später als gedacht.

Die schwimmenden Dörfer sind unser Ziel

Schließlich erreichen wir das beschauliche Kampong Chhnang. Beinah hätten wir den Ausstieg verpasst, denn es gibt keinen Busbahnhof. Der Bus hält kurz an der Hauptstraße und offensichtlich rechnet niemand damit, dass ausgerechnet Touristen hier aussteigen wollen. Außer uns fahren alle anderen Fahrgäste weiter nach Battambang und Siem Reap. So antwortet der Fahrer, der nach einem kurzen Schwatz mit einem Kumpel am Straßenrand die Tür schon wieder schließen will, auf unsere Frage, ob hier Kampong Chhnang sei erst mal reflexartig mit Nein. Dann dämmert ihm, was wir gefragt haben und er revidiert seine Antwort zu einem Ja.

Kim wird unser Tuktukfahrer während unserer Zeit in Kampong Chhnang

Kurz darauf stehen wir vier mit unserem Gepäck auf der Straße und befinden uns in Verhandlung mit einem Tuktukfahrer. Da er gut verständliches Englisch spricht, buchen wir ihn gleich auch für den morgigen Tag. Wir wollen einen Ausflug zu den schwimmenden Dörfern machen, die hier viel weniger überlaufen sind als die bei Siem Reap.

Unser Guesthouse entpuppt sich als ein Glücksgriff. Die Zimmer gruppieren sich um einen liebevoll gestalteten, lauschigen Garten. Überall hängen Tafeln mit Lebensweisheiten und sorgen für eine besondere Atmosphäre.

Lauschiger Garten im Garden Guesthouse

Nachdem wir uns eingerichtet haben, verlassen wir das Guesthouse, um etwas essen zu gehen. Kaum sind wir wenige Meter die Straße hinunter, geht es los: überall unterbrechen Kinder ihr Spiel, um uns „Hello!“ zuzurufen und begeistert zu winken. Auch die Erwachsenen lächeln uns zu. Ab und zu werden wir gefragt, wo wir herkommen. In alle Richtungen zurückwinkend bewegen wir uns die Straße hinunter. In einer kleinen Garküche kehren wir ein und lassen es uns schmecken. Der nachfolgende Spaziergang durch überraschend gut beleuchtete Straßen führt uns zum zentralen Platz. Rund um das Denkmal der kambodschanisch-vietnamesischen Freundschaft spielt sich das Leben ab. Kleine Essensstände, Familien, spielende Kinder, Gruppen von Jugendlichen mit ihren Motorrollern und dazwischen ein paar streunende Kühe. Wieder laufen Kinder mit fröhlichem „Hello“ auf uns zu, die ganz Mutigen fragen uns „What’s your name?“ und stieben nach unserer Antwort kichernd auseinander. Was für eine schöne Atmosphäre!

Zu den schwimmenden Dörfern

Kim, unser Tuktukfahrer steht pünktlich am nächsten Morgen parat. An den typischen Stelzenhäusern entlang geht es zum zwei Kilometer entfernten Fischerhafen am Tonle Sap River. Zwei Frauen bieten uns an, uns durch die schwimmenden Dörfer zu rudern. Nachdem wie uns auf einen Preis geeinigt haben, geht es hinunter zum Ufer. Die letzten Meter zum Ufersaum stapfen wir über eine knisternde Schicht aus Plastikmüll. Das ist leider fast überall in Asien so.

Bitte einsteigen

Zwei winzige, schmale Holzboote liegen bereit. Vorsichtig steigen wir hinein und lassen uns auf den Decksbrettern nieder. Bevor es losgeht, schöpft unsere Bootsfrau energisch mehrere Liter Wasser aus dem Kahn. Das ist ja vertrauenerweckend! Diese Prozedur wiederholt sie in regelmäßigen Abständen während der Fahrt.

Regelmäßiges Schöpfen hält das Boot über Wasser…

Zunächst geht es unter Motorkraft den Fluss hinunter. Wir sehen die Häuser, die auf teils schwindelerregend hohen Stelzen am Ufer stehen. Größere und kleinere Boote sind unterwegs, manche bunt bemalt, andere schmucklos.

Nicht direkt barrierefrei
Bootsverkehr auf dem Tonle Sap River

Als wir das schwimmende Dorf erreichen, wird der lärmende Motor ausgestellt und zum Ruder gegriffen. Auf dem schmalen Heck des Kahns stehend, rudern die Frauen mit einem an der Seite befestigtem Blatt souverän durch die Kanäle zwischen den Häusern.

Gut ausbalanciert muss die Rudererin sein

Die Häuser schwimmen auf Bambusflößen. Viele haben blumengeschmückte Veranden, andere sind recht einfach und klein. Kleine Kinder sind schon selbstverständlich mit Booten unterwegs. Wäsche wird im lehmig-braunen Flusswasser gewaschen, die Körperhygiene findet ebenfalls dort statt. Ob sich jemand außer uns Gedanken dazu macht, dass der Toilettengang auch ungefiltert im Fluss endet? Immerhin wird das Flusswasser nicht zum Essen und Trinken genutzt, wie wir auf Nachfrage erfahren.  

Terrasse mit Blumenkübeln, wie bei uns zu Hause
Okay, ich beklag mich nie wieder über meine Waschmaschine
Ganz junge Bootsfrau
Hier wird die Fischfarm angelegt

Wie im Ort winken uns auch hier überall die Kinder begeistert zu. Die Erwachsenen sind zurückhaltender. So interessant das alles hier ist, ein bisschen unbehaglich ist es uns. Schließlich gucken wir den Menschen praktisch in ihr Wohnzimmer.

Winkende Kinder

Unsere Bootsfrau hält kurz an ihrem eigenen kleinen Haus an. Ein schwarzer Hund springt ihr entgegen. Hunde werden viel auf den schwimmenden Häusern gehalten. Wir erhaschen einen Blick auf einen kleinen buddhistischen Schrein, ein paar Kochutensilien und den Durchgang von der Terrasse in den hinteren Raum. Dort lebt sie mit ihrer achtjährigen Tochter.

Das Haus unserer Bootsfrau

An einem schwimmenden Kiosk erwerben wir eine Cola. Diese ist ungekühlt, also etwa 30 Grad warm. Dazu bekommen wir einen großen Plastikbecher, in den aus einer Kühlbox Eis geschaufelt wird. Wir wägen das potenzielle Hygienerisiko gegen den Genuss einer suddelwarmen Cola ab und kippen mutig das Getränk über die Eiswürfel. Es ist erstaunlich schnell kalt und der Genuss bleibt auch ohne Reue.

Schwimmender Kiosk

Das Land der Töpfer

Nach zwei Stunden erreichen wir wieder den Hafen. Kim erwartet uns, es geht weiter zu einer Fahrt übers Land. Kampong Chhnang heißt übersetzt „Hafen der Töpfer“, da in dieser Gegend viele Töpferarbeiten hergestellt wurden. In diversen Projekten wurde das alte Handwerk wiederbelebt, unter anderem mit deutscher Hilfe.

An der Töpferscheibe

Wir besuchen zuerst einen kleinen Familienbetrieb, in denen kunsthandwerkliche Arbeiten gefertigt werden. Gefäße und Dekotiere in verschiedenen Größen gibt es zu bewundern. Kim erklärt, wo der Ton herkommt und wie er verarbeitet wird. Die Produkte werden an Souvenirshops verkauft und sichern der Familie ein Auskommen in der Trockenzeit, wenn sie keinen Reis anbauen können. Wir werden nicht zum Kauf gedrängt, aber natürlich erwerben wir ein paar kleine Teile.

So hübsche Objekte!

Danach geht es zu einem anderen Betrieb. Hier werden große Tonkrüge mit einer traditionellen Technik hergestellt. Mit einem flachen Holzbrett wird von außen das Gefäß bearbeitet, während mit einer Art Stößel von innen dagegen gehalten wird. Ganz ohne Drehscheibe entstehen so die typischen Krüge, die auf den Dörfern zur Aufbewahrung von Wasser verwendet werden. 

Traditionelle Herstellung
Die fertigen Produkte

Als Abschluss besuchen wir den Brennofen, den die Bewohner der Gegend kostenlos nutzen dürfen. Sie müssen nur Brennholz mitbringen. Ein Schild informiert, dass die Einrichtung mit Hilfe der IHK Koblenz erfolgte. Überall liegen Haufen von gebrannten Artikeln herum, ein etwas anderes Ordnungssystem, als wir es gewohnt sind.

Jemand noch ein Sparschwein?

Nach diesem interessanten Ausflug bringt Kim uns zu unserem Guesthouse zurück, wo wir den Nachmittag im schönen Garten entspannen. Morgen geht es weiter nach Battambang. (G)   

Kommentar verfassen