Buschfeuer im Outback – Savannah Way 

Roadtrip mit Kermit Tag 7 – 8

Wir verlassen die Atherton Tablelands Richtung Westen. Es geht ins Outback Queenslands, über den Savannah Way, der unter dem Namen Gulf Developmental Road bis nach Normanton in die Region des Gulf of Carpentaria führt. Der Gulf of Carpentaria ist das große Loch oben in Australiens Küste.

Millstream Falls, sozusagen das Iguazú Australiens
Millstream Falls, sozusagen das Iguazú Australiens

Hinter Ravenshoe machen wir einen kleinen Abstecher zu den Millstream Falls, dem breitesten Wasserfall Australiens. Ganz nett, aber nicht wirklich beeindruckend. Wenn man bedenkt, dass Australien aus ganz viel Wüste besteht, kann man dieses Wasserfällchen mal gelten lassen. 

Nachdem wir die grünen Hügel verlassen haben, fahren wir bald durch locker bewachsene Wälder. Dazwischen riesige Termitenhügel, je nach Farbe der Erde ockergelb, grauweiß oder rotbraun. Manche sind wie Kegel geformt, andere unförmige Gebilde, „wie Alienkacke“, stellt Marcus fest. Viele erreichen locker zwei Meter Höhe. Die Landschaft ist voll davon.

Termitenhügel überall
Termitenhügel überall

Buschfeuer-Spuren  

Später stellen wir fest, dass viele Baumstämme vom Feuer geschwärzt sind. Teilweise ist die Fläche darunter komplett verbrannt, das Laub hängt braun und trocken von den Zweigen. Auf der anderen Straßenseite steht der Wald dagegen voll begrünt da. In anderen Flächen sehen wir, dass das Unterholz wieder nachgewachsen ist, Gräser und Büsche bedecken den Boden zwischen den geschwärzten Stämmen, an denen wieder sattgrüne Blätter wachsen. Ab und zu streckt dazwischen der gespenstisch weißgraue Leichnam eines Baumes seine toten Äste gen Himmel.

Vom Feuer geschwärzte Bäume
Vom Feuer geschwärzte Bäume

Als wir an einem Waldstück vorbeikommen, das offensichtlich erst kürzlich gebrannt hat – die verkohlten Überreste zwischen den Bäumen rauchen noch – fragen wir uns etwas beklommen, wie wir uns im Falle eines Buschfeuers eigentlich verhalten sollten.

Die Frage wird unerwartet schnell beantwortet. Am Rastplatz des 40 Mile Scrub Nationalpark gibt es Infotafeln und Infomaterial zum Mitnehmen.

Infobroschüre für den Touristen. Man sorgt für uns ;-)
Infobroschüre für den Touristen. Man sorgt für uns 😉

Wir lesen, dass die Gefahr von Buschfeuern am Ende der Trockenzeit am höchsten ist – also jetzt. Von Verhaltenstipps wie „Parke immer in Fluchtrichtung“ (welche ist das?) bis zu den schrecklichen Fakten, wie schnell sich Buschfeuer ausbreiten eine beunruhigende Lektüre. Und falls ihr mal im Auto vom Buschfeuer überrascht werden solltet: unterhalb der Fenster kauern, sich mit Baumwolldecken gegen die Hitze schützen, viel trinken (Wasser!) und warten, bis das Feuer durchgezogen ist. Viel Glück!

Diese Skalen am Straßenrand informieren über die aktuelle Gefahr
Diese Skalen am Straßenrand informieren über die aktuelle Gefahr

Mount Surprise

Innerhalb unserer Mittagspause zu Experten für Buschfeuer geworden setzen wir unsere Fahrt fort, misstrauisch die schwarzen Baumstämme am Wegrand musternd.

Noch mehr schwarze Bäume
Noch mehr schwarze Bäume

Unser Ziel ist der kleine Ort Mount Surprise, der in der Nähe des Undara Nationalparks liegt. Der Campingplatz liegt hinter der Zwei-Zapfsäulen-Tankstelle, eine übliche Kombination hier im Outback. Zum ersten Mal sind wir die einzigen ausländischen Touristen auf dem Platz.

Tropische Vegetation auf dem Campingplatz
Tropische Vegetation auf dem Campingplatz
Und einen Emu gibt es auch
Und einen Emu gibt es auch

Ab hier beherrschen die „grey nomads“ das Bild, Heerscharen von Rentnern, die vor dem Winter im Süden Australiens in die warmen Gefilde des Tropical North flüchten. Riesige Caravans mit hoher Bodenfreiheit, damit sie auch über die unbefestigten Straßen des Outbacks gezogen werden können sind hinter bullige Geländewagen oder Pick-Ups gespannt. Eine anderthalb Meter hohe Antenne fürs Satellitentelefon ist an der Fahrzeugfront mit dem kräftigen Rammschutz befestigt. Viele haben ein Aluboot auf dem Dach, um der australischen Leidenschaft fürs Fischen zu frönen.

Wir gehen eine Runde durch den kleinen Ort. Unglaublich breite Straßen, auf denen nichts los ist. Kaum Autos, keine Fußgänger. Ein paar kleine General Stores sind die einzigen Einkaufsmöglichkeiten. Da gibt es ein paar Lebensmittel für den drei- bis vierfachen Preis wie in Cairns und als einziges Brot weißes Toastbrot. Tiefgekühlt, weil kein frisches geliefert wurde.

Undara Nationalpark 

Nach einer sehr ruhigen Nacht fahren wir am nächsten Tag in den Undara Nationalpark. Dort haben wir eine Tour gebucht, da man die gigantischen Lavatunnel nur im Rahmen einer Führung besichtigen kann. Die ist sehr interessant, der Ranger erklärt die Vegetation von trockenem Regenwald bis zu Savannen und die Geologie der vulkanischen Landschaft.

Bottle Tree, typisch für den trockenen Regenwald
Bottle Tree, typisch für den trockenen Regenwald

72 erloschene Vulkane gibt es auf der Fläche des Nationalparks. Der größte, der Undara schickte vor 190.000 Jahren endlose Lavaströme, die bis zum Golf von Carpentaria flossen. Diese erstarrten an der Oberfläche, während innen die Lava weiter floss, so dass bis zu 20 Meter hohe Tunnel entstanden. Diese geologische Wunderwelt wurde erst im letzten Jahrhundert entdeckt. Selbst vielen Australiern ist dieses einzigartige Naturwunder unbekannt.

Über grobe Felsbrocken geht es hinunter in den Lavatunnel
Über grobe Felsbrocken geht es hinunter in den Lavatunnel

Wir steigen über steile Abhänge in zwei der Tunnel hinunter und bekommen typische Gesteinsformationen und Fledermäuse gezeigt. Im Finstern verfolgen wir im Schein unserer Stirnlampen einen Tunnel über mehrere hundert Meter. An Decken und Wänden kann man erkennen, wie die Lava geflossen ist, wo sie Strudel gebildet hat, wo sie anderes Gestein zum Abtropfen brachte.

Von der Lava gestaltet
Von der Lava gestaltet

Auf der Rückfahrt erklärt uns der Ranger, dass Buschfeuer kontrolliert gelegt und abgebrannt werden, um die Gefahr von unkontrollierten Bränden zu minimieren. Ach so! Dann wären die vielen geschwärzten Bäume, die wir bereits gesehen haben, also das Resultat von forstwirtschaftlichen Maßnahmen und nicht von lauter Katastrophen. Mit diesem Wissen können wir unsere Reise unbesorgter fortsetzen. Wir erfahren auch, dass viele Bäume das Feuer brauchen, um ihre Samen zu verteilen.

Auf dem Campingplatz empfiehlt uns ein Nachbar, auf unserem Weg nach Westen auf jeden Fall einen Abstecher nach Karumba am Golf zu machen. Wir hatten den kleinen Ort eigentlich nicht auf dem Plan, aber wir sind ja flexibel. (G)

Kermit-Logbuch Tag 7 – 8:

Millaa Millaa – Mount Surprise

Kilometer: 338

Camp: Mount Surprise Tourist Van Park

Gesamtkilometer: 861

Kommentar verfassen