Rotorua – schwefeliges Gewaber und heiße Flüsse

Roadtrip mit Kermit 2.0 Tag 18 bis 22

Erst gegen Mittag brechen wir in Hamilton auf, aber es sind auch nur 130 Kilometer nach Rotorua. Tanken, einkaufen und ein Besuch der Visitor Info stehen auf dem Programm. Rotorua ist wegen seiner vielen schwefelhaltigen Quellen ein Kurbad. Schon von Weitem sieht man Dampfwolken aufsteigen und der Geruch von faulen Eiern steigt in die Nase.

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Nicht die ganze Stadt ist gefährlich, aber den heißen Quellen sollte man nicht zu nahe kommen

Zum Glück ist unser Campingplatz etwas außerhalb, so dass die Gerüche nicht stören. Nachmittags machen wir nicht mehr viel, aber ein Punkt auf unserer Tagesordnung fehlt noch. Da muss ich etwas ausholen:

Jeder hat ja so seine bestimmten Rituale. Eines unserer Rituale ist das nachmittägliche Kaffeetrinken. Das besteht aus je einer Tasse Kaffee und zwei Scheiben Toast, bei Gina muss Lemon-Butter drauf, bei mir Erdnussbutter. Da wir meist spät Abendessen, kann das Kaffeetrinken auch mal um 18 Uhr stattfinden. Aber ohne geht’s gar nicht, höchstens in Ausnahmefällen. Auf Reisen, speziell wenn sie länger sind, finde ich solche Gewohnheiten sehr wichtig, da Vertrautes Halt gibt. In einem unserer nächsten Beiträge werden wir noch näher darauf eingehen.

So vergeht der Abend mit essen, kochen, essen, spülen, Internet und netten Gesprächen mit anderen Reisenden.

Am nächsten Morgen machen wir einen Spaziergang durch den Kuirau Park in Rotorua. Es gibt zahlreiche dampfende und blubbernde Quellen und wir kommen uns teilweise vor wie im Märchen. Die Dampfschwaden umhüllen uns manchmal vollständig. Hier könnte man gut einen Krimi oder einen Dracula-Film drehen.

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Dampfende Gewässer überall
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Das Wasser ist unheimlich klar

Im Ort treffen wir einen Fahrrad Guide, der mit zwei Touristen auf einer Sightseeing-Velo-Tour durch die Stadt unterwegs ist. Gerade erklärt er ihnen das Waka, ein Kanu der Maori. Wir dürfen zuhören und am Schluss zeigt er auf seinem Tablet ein Video von einem Haka, dem rituellen Tanz der Maori.

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Waka im Unterstand 🙂
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Besonders faszinierend die Schnitzereien des Bootes

Vom nahegelegenen Berg soll es eine gute Übersicht über Rotorua geben. Also ziehen wir los und wandern durch den Redwood-Forest hoch zum Aussichtspunkt. Der Redwood-Forest ist ein Wald, der vor über 100 Jahren gepflanzt wurde. Die Redwoods sind ehrfurchterregende riesige Bäume. Ihren Namen haben sie, wie ihr schon erahnt von der roten Rinde.

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Ist der nicht toll?

Als wir oben ankommen stellen wir fest: Der Reiseführer hat nicht übertrieben, es ist ein imposanter Anblick, den die aus allen Löchern dampfende Stadt bietet. Mehrmals am Tag stößt ein Geysir seine Fontäne 30 Meter in den Himmel, wir sind aber nicht zur richtigen Zeit da, wir sehen es nur mehrmals ungefähr vier Meter hoch aus dem Boden schießen.

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Riesiger Geysir

Dabei fällt mir ein, dass Neuseeland ein hochaktives Gebiet ist, was Erdbeben und Vulkanismus betrifft. Zwar ruhen viele Vulkane, aber das Gebrodel zeigt uns doch, dass wir uns hier auf einem Pulverfass befinden.

Am nächsten Tag besuchen wir das Waimangu Geothermal Valley. 1886 ist hier der Vulkan Mount Tarawera ausgebrochen und veränderte die Landschaft stark. Die damals bedeutendste Sehenswürdigkeit Neuseelands, die Pink and White Terraces wurden vollständig zerstört. Es entstand ein 17 Kilometer langes Tal, das heute mit einigen Seen gefüllt ist und besichtigt werden kann. Auch hier gibt es wieder zahlreiche heiße Quellen, warme Flüsse und einen See, der alle 38 Tage überläuft und damit einen Fluss mit heißem Wasser speist.

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Überall setzt sich der Schwefel ab und erzeugt faszinierende Gemälde
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Nicht nur die Farben, auch die Formen begeistern
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Der See, der alle 38 Tage überläuft, ein bisher ungeklärtes Phänomen

Auf zum Kaituna-River

Als Paddler wollen wir uns natürlich die Okere Falls anschauen, das sind einige Stufen im Kaituna River, die mit einem sieben Meter hohen Wasserfall enden, die geraftet oder auch gepaddelt werden. Eine kurze Wanderung bringt uns zu dem Spot, wo man den großen Fall gut sehen kann. Mist, weder Paddler noch Rafter zu sehen. Lange stehen wir da und versuchen, eine fürs Kajak fahrbare Linie zu finden. Oder einfach runterplumsen? Hält einen die Walze? Wir entscheiden uns, weder im Raft noch im Kajak zu fahren und wandern weiter. Immerhin haben wir den Wasserfall gesehen, den neun Jahre zuvor Jorina geraftet hat 🙂

Ab ans Meer

Wir fahren weiter nach Whakatane, dem Ausgangspunkt für eine Bootstour zur Vulkaninsel White Island. Zuvor aber noch zur Touristen-Info, wo uns ein überschwänglicher Mitarbeiter begrüßt. Yeah, die Tour zur Insel ist ganz schön teuer, yeah, und andere Dinge als die dampfenden und blubbernden Quellen wie in Rotorua seht ihr auch nicht. Danke für die ehrlichen Worte, die 460 Dollar sparen wir uns.

Wir entschließen uns, am nächsten Tag Richtung Taupo zu fahren. Als ich morgens aufwache, ist es nicht wie gewohnt halb acht Uhr, sondern schon viertel vor neun! Wir haben verschlafen, müssen aber trotzdem um 10 Uhr den Campingplatz verlassen. Es regnet in Strömen, und wir ziehen in Rekordzeit unser Morgen-Programm durch: aufstehen, duschen, Müsli, Eier und Kaffee vorbereiten, frühstücken, spülen, Betten machen, alles gut verstauen und… pünktlich um 10 Uhr verlassen wir den Platz. Taupo ist nicht weit, wir haben auf dem Weg Zeit genug, nochmal am Kaituna River den Wasserfall anzuschauen, da es gerade nicht regnet. Und werden belohnt, drei Paddler fahren nach und nach den Wasserfall hinunter. Sieht gar nicht so spektakulär aus 😉

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Wie eine Riesen-Rutsche

Wegen des schlechten Wetters besuchen wir auf dem Weg nach Taupo das Museum in Rotorua. Es wurde uns mehrfach empfohlen. Die Besichtigung des alten Kur-Badehaus und ein Film über den Vulkanausbruch 1886 sind die Highlights. Vom Glockenturm des Musems hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt, der kühle Wind scheucht uns aber schnell wieder nach drinnen.

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Schon von weitem gefällt uns das Museumsgebäude

Dann wird es Zeit, die Fahrt nach Taupo fortzusetzen. (M)

Kermit 2.0 Logbuch Tag 18 – 22

Kilometer: 319

Camps:

Rotorua, Holden Bay Holiday Park

Whakatane, Thornton Beach

Gesamtkilometer: 2037

4 Kommentare

  1. Es macht Spaß eure Berichte zu lesen. Da kommen sehr viele Erinnerungen hoch. Macht weiter so und habt ganz viel Spaß.

    1. Vielen Dank, das freut uns sehr! Wir werden uns bemühen, weiterhin ganz viel Spaß zu haben 😉

  2. Hallo Gina, hallo Marcus,

    vielen Dank für Eure interessanten Artikel.

    Neuseeland ist bei mir schon 8 Jahre her und es werden Erinnerungen wach. Ich war auch mit einem Kermit unterwegs, allerdings mit dem kleinen Bruder von Eurem. Ein Toyota Previa. Der ist euch bestimmt auch schon häufiger begegnet. Modell Heckklappe öffnen um an den Kocher zu kommen. Da musste ich das Auto schon mal umpacken, weil der Wind so ungünstig stand und das Wasser einfach nicht kochen wollte.

    Euer Kaffeeritual finde ich klasse. Ohne eine Tasse Kaffee geht bei mir am Nachmittag auch nicht viel. Statt Toast finde ich Kuchen nicht schlimm 😉 Komisch, dass meine Klamotten immer mehr spannen.

    Ich bin sehr neugierig darauf, wo Euch Eure Reise noch hinverschlägt und bleibe ganz sicher dabei!

    Liebe Grüße aus Perth
    Annik

    1. Liebe Annik,
      ja, Kermit hat ganz viele kleine Brüder hier 😉
      Für Kuchen bin ich auch zu haben, das war am besten in Argentinien, wo ich süchtig nach Dulce de leche wurde.
      In Australien und Neuseeland war es gar nicht einfach, leckeren Kuchen zu bekommen, deswegen sind wir auf die Toastvariante umgeschwenkt. Das war im Outback auch einfacher von der Vorratshaltung her.
      Dir wünschen wir noch viel Spaß im schönen Australien.
      Für uns gehts nächste Woche weiter nach Thailand. Wir freuen uns schon auf warmes Wetter!
      Liebe Grüße
      Gina und Marcus

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