Reise-Rückkehrblues – jetzt schon?  

Langsam, aber sicher neigt sich unser Reisejahr dem Ende zu. In etwas mehr als zwei Wochen werden wir wieder zu Hause sein. Unsere Gedanken haben schon vor einer Weile angefangen, sich damit zu beschäftigen. Was müssen wir alles erledigen? Wohnung einräumen und putzen, Krankenversicherung wieder anmelden, beim Arbeitsamt vorsprechen, Steuererklärung machen, Nebenkostenabrechnung prüfen… Alles Dinge, deren Spaßfaktor überschaubar ist. Der ganz normale Alltag eben, der für das vergangene Jahr ganz anders aussah.

Wir merken seit einiger Zeit, dass wir relativ energielos sind. Nun haben wir auch viel erlebt und gesehen. Viele Eindrücke zu verarbeiten. Vermutlich haben wir eine Grenze unserer Aufnahmefähigkeit erreicht. Am liebsten würden wir nur noch abhängen. Nichts tun. Selbst das Planen und Entscheiden, wo wir als nächstes hinwollen ist anstrengend. Es macht sich das Gefühl breit: „Für die kurze verbleibende Zeit lohnt sich das gar nicht mehr. “

Das entspricht etwa unserem Energielevel

Das ist natürlich Quatsch. Andere Leute (und auch wir früher) haben diese Zeit für ihren Urlaub zur Verfügung und nutzen sie. Und es wäre doch sehr schade, die letzten zwei Wochen nur teilnahmslos rumzuhängen. Also raffen wir uns auf, wenigstens noch ein bisschen was zu unternehmen.  

Aber warum fällt es uns so schwer? Ist das der berüchtigte Rückkehrblues? Jetzt schon? Ist es die Unsicherheit, wie unser Leben aussehen wird, wenn wir wieder daheim sind? 

Rückkehr Nebel
Zukunft im Nebel?

Denn die Reise hat uns verändert. Wir hatten viel Zeit und haben sie genutzt, um über uns nachzudenken. Über unser bisheriges Leben. Über unser jetziges Leben. Und darüber, wie wir unser Leben zukünftig gestalten wollen. Wir wollen nachhaltiger leben, weniger konsumieren, mehr den Moment genießen. Tausende Ideen schwirren in unseren Köpfen herum. Doch gleichzeitig ist die Unsicherheit da, wieviel wir davon umsetzen können. Werden wir nicht doch wieder in den alten Trab fallen, sobald wir wieder im alten Umfeld sind? Wird Marcus im Arbeitsalltag seine Gelassenheit bewahren können oder in altbekannte Stressmuster zurückfallen? Werde ich in der glitzernden Konsumwelt dem Shoppingwahn erliegen?

Unser gesamter materieller Besitz für ein Jahr passt auf einen Gepäckwagen

Marcus kehrt in sein bisheriges Arbeitsverhältnis zurück. Ich habe für mich noch keine rechte Perspektive, was ich machen werde. Das Einzige, was ich weiß ist, dass ich nicht in so einen Job zurück möchte wie den, den ich hinter mir gelassen habe.

Viele Fragezeichen. Das macht es uns schwer, den Moment zu genießen. Blöd eigentlich. Zumal wir vieles jetzt und hier noch gar nicht regeln können. 

Wir versuchen jetzt, einen guten Mittelweg zu finden, unserer Lethargie nicht völlig nachzugeben. Kein großes Programm mehr für die nächsten Tage. Wir werden uns Ruhe gönnen und machen, worauf wir Lust haben. Ganz entspannt. 

Programm Hängematte

Und schließlich gibt es auch ein paar Dinge, auf die wir uns freuen: unsere Töchter wieder in die Arme zu schließen, Familie und Freunde wiederzusehen, frisches Brot und aromatischen Käse zu genießen, auf intakten Bürgersteigen laufen zu können. Ist ja nicht alles doof in Deutschland. (G)

 

9 Kommentare

  1. Ihr Lieben, das habt ihr sehr ergeifend ausgedrückt. Irgendwie habe ich das Gefühle genau zu wissen, was ihr meint – obwohl ich mich hier kaum wegbewegt habe. Aber die Unentschlossenheit -wie verdiene und gestalte ich meinen Lebensunterhalt, warum haben wir so viel, obwohl wir das wenigste davon wirklich brauchen oder benutzen, wohin verschwindet das „jetzt“ immer so schnell… all diese Gedanken begleiten mich täglich. Ich komme weiter, wenn auch in kleinen Schritten. Auch das muss gelernt werden: Gelassenheit und Geduld! Ein Meisterstück für Skorpione 😉

    Ich freue mich auf euch, wie so viele andere auch. Genießt die letzten TagE, bleibt im „Jetzt“ und wenn ihr energielos seid; dann gebt dem doch einfach nach – nach diesen ganzen Abenteuern völlig legal!

    Liebe Grüße Doerte

    1. Liebe Doerte,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass dich ähnliche Ideen umtreiben. Im Ansatz waren sie ja auch schon vor der Reise bei uns vorhanden. Wir konnten uns in diesen Jahr intensiv damit auseinander setzen und sind jetzt gespannt, ob sie dem Alltag standhalten.
      Und Gelassenheit und Geduld – ich arbeite dran. ? Da können wir uns viel von anderen Kulturen abgucken, ob Südamerika oder Asien.

      Liebe Grüße nach Düsseldorf
      Gina und Marcus

  2. Maria Gormanns sagt: Antworten

    Liebe Gina, lieber Markus, so schön ist dieser Beitrag, dass ich mehrmals gelesen habe. Ein wenig kann ich verstehen, wie es ist, nach mehrwöchigem Urlaub nach Hause zu kommen, aber wie ist das wohl nach fast 1 Jahr? Und vor allen Dingen immer zusammen die Zeit zu verbringen und sich 24 Stunden auszuhalten? Wie tief müssen eure Gefühle und Verbindungen sein?! Ich verreise mit meinem Partner sehr häufig, aber ich freue mich immer mal wieder auf mein Alleinsein mit nur meinen Gedanken und Eindrücken und meinem leben. Hier ist natürlich auch bald wieder euer Alltag euer Leben eure Familie eure Freund eure Verpflichtungen und „weniger „Zeit. Und dann das „Habenwollen“ ,Konsum und Komfort.? Das ihr euch um das bald kommende Leben so viele Gedanken macht, ist verständlich. Geniesst einfach das alles, wozu ihr jetzt Lust oder nicht habt.
    Ich möchte noch so viel sagen, bzw ..schreiben ,aber ich kriege das gerade nicht so gut formuliert.
    Samstag bin ich mit Wolfgang in Erkrath spazieren gegangen, dort, wo wir uns letztes Jahr getroffen haben und du mir noch schnell die Mail- Adresse in die Hand gedrückt hast .Wir haben an euch gedacht und uns gefragt, was ihr wohl so machen werdet, wenn ihr wieder zuhause seid-und das die Zeit wahnsinnig schnell vorbei gegangen ist.
    es erwartet euch der Frühling, Sind das nicht tolle Aussichten?
    Ich geniesse jedes WE habe da auch keinerlei Stress sondern unternehme nur schöne Dinge. Das habe ich mühsam erlernt. Selbst auf der Arbeit bin ich meistens gelassen, weil 2018 im September mein Rentenalter beginnen wird. So ist der Plan, wer weiss, weiche Überraschungen mein Leben so bereit hält.
    Am 16.3.fliegen wir nach Lissabon und machen eine 10tägige Rundreise-juchhu:)
    Wieviel Zeit habt ihr noch für eure Reise und wann fliegt ihr wie zurück?
    Alles alles Gute und bitte weiter so wunderbare Mails-habe mir ein Extrapostfach angelegt und blättere manchmal. Wieso könnt ihr das so gut mit dem Internet?
    LG Maria

    1. Liebe Maria,

      vielen lieben Dank für deine Worte, dass freut uns sehr, zu hören, dass das, was wir schreiben auch ankommt.
      Das Einander-aushalten war gar nicht so schwer ? Wir können gut miteinander über das reden, was uns gerade bewegt und das schafft viel Nähe. Natürlich nervt man sich auch mal gegenseitig, das hielt sich aber in Grenzen.
      Es freut mich, dass es dir gelingt, gelassen zu bleiben und bewusst deine Zeit zu genießen. Das ist etwas ganz wichtiges, um gut zu leben.
      Lissabon und Portugal ist bestimmt toll. Ich war da noch nie, möchte auf jeden Fall aber auch irgendwann dahin. Eine ganz tolle Zeit wünsche ich euch da, genießt es!

      Wir sind jetzt in Laos, in zwei Wochen geht es von Hanoi aus wieder nach Hause. Und hoffentlich erwartet uns dort der Frühling, so ist es geplant ?

      Liebe Grüße und lass es dir gutgehen,
      Gina

  3. Ich empfand das Ankommen an einem festen Ort nach einem Jahr Weltreise als ziemlich befreiend. Denn den Reiseblues hatte ich selbst nach ein paar Monaten Langzeitreise erfahren. Da wurde dann das Weiterreisen irgendwann zur Routine.

    Laos ist jedenfalls ein ganz großartiger Ort, um nochmal richtig zu entspannen vor der Rückkehr. Das langsamste Land der Welt.

    Ich wünsche Euch beiden eine gute Zeit dort! Und viel Erfolg beim Leben „danach“!

    1. Vielen Dank!
      Ich glaube, nicht alle naselang packen zu müssen, zu überlegen, wie man wohin kommt etc. wird auch wieder ganz angenehm sein.

  4. Hallo Ihr beiden,

    ich kann mir das gut vorstellen, wie schwer es fällt. Unsere längste Reise waren 30 Tage und da fiel mir die Eingewöhnung in den Arbeitsalltag schon schwer. Unterwegs fühle ich mich immer so frei und bin ein ganz anderer Mensch.

    Liebe Grüße
    Renate

    1. Hallo Renate,

      die Freiheit, die wir auf der Reise gefühlt haben, ist wirklich eines der besten Dinge, die wir erfahren haben. Davon wollen wir uns auf jeden Fall etwas im Alltag bewahren. Wir sind sehr gespannt, wie wir das umsetzen können.

      LG
      Gina

  5. […] Wochen vor der Rückkehr haben wir den Heimkehr-Blues gekriegt. Uns bang gefragt, wie es wohl sein wird, zurück in Deutschland zu sein. Graues Wetter, […]

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