Outback ist Froschland – Savannah Way bis zum Golf

Roadtrip mit Kermit Tag 9 – 10

Im Regen starten wir in Mount Surprise. Der Ranger hatte gestern noch gesagt, dieses Jahr sei die nasseste Trockenzeit seit Jahren. Aber bald klart es auf. Der Himmel zeigt ein Muster von tiefem Blau und weißen, unten wie abgeschnittenen Quellwolken.

On the road again
On the road again

Die Straße ist streckenweise one-line. In der Mitte ein Asphaltstreifen, auf beiden Seiten gesäumt von einem breiten, unbefestigten Rand. Hat man die Straße für sich, was meistens der Fall ist, fährt man auf dem Asphalt. Bei Gegenverkehr verlangsamt man und jeder weicht mit zwei Rädern auf den Seitenstreifen aus. Sollte es sich beim Gegenverkehr um einen Roadtrain handeln, einen der 50 Meter langen Lastwagen mit drei schweren Anhängern, weicht man tunlichst komplett auf den Seitenstreifen aus und lässt das Ungetüm passieren. Wenn der Roadtrain auf den Dreckstreifen muss, riskiert man nämlich seine Windschutzscheibe in dem Gewitter von aufgewirbeltem Schotter.

One-lane-road
One-lane-road

Typisch für das Fahren im Outback ist außerdem der Buschgruß: Entgegenkommende Fahrzeuge werden durch kurzes Heben des Zeigefingers  (die restlichen Finger braucht man zum Festhalten des Lenkrads auf der teils holprigen Strecke) gegrüßt.

Aufmerksamkeit erfordert das Schild „Grid“, dass auf ein Viehgitter in der Fahrbahn hinweist. Dies ist ein sehr grober Rost aus Eisenbahnschienen oder ähnlichem Material und erfordert deutliches Abbremsen, will man nicht riskieren, dass das Geschirr aus dem Schrank hopst.

Viehgitter bedeutet Vieh, wir müssen also aufpassen, dass uns kein Rind vor den Kühler läuft. Anschauliche Schilder weisen auf das Risiko hin.

Kuh frisst Auto?
Kuh frisst Auto?

Ab und zu sehen wir ein totes Rind am Straßenrand liegen. Ob das der Roadtrain erwischt hat? Viel öfter liegen allerdings die Kadaver von Kängurus auf oder neben der Fahrbahn. So haben wir mittlerweile leider mehr tote als lebendige Kängurus gesehen.

Kängurus sind leider nicht tauglich für die Teilnahme am Straßenverkehr
Kängurus sind leider nicht tauglich für die Teilnahme am Straßenverkehr

Im kleinen Ort Georgetown tanken wir und ich gebe im kleinen Post Office einen Brief nach Deutschland auf. (Jorina, hier kommt deine Geburtstagskarte her!) So zwei bis drei Wochen würde der wohl brauchen, erklärt mir der freundliche Angestellte und ist erstaunt, als er seinen Computer konsultiert und dort acht Tage angegeben sieht. Wahrscheinlich von Cairns oder sogar Sydney aus. ?

In Croydon stocken wir in einem kleinen Supermarkt ein paar Vorräte auf. Mittagspause machen wir am nahe gelegenen Lake Balmore. Der Wasserstand ist jetzt Ende der Trockenzeit schon ziemlich niedrig, brackige Ufer lassen es kaum vorstellbar erscheinen, dass dies ein beliebter Wassersportort ist.

In Normanton angekommen nutzen wir den späten Nachmittag, um durch den Ort zu bummeln. Auch hier sind die Straßen unglaublich breit für einen 1500-Einwohner-Ort.

Weite Straßen, weiter Himmel...
Weite Straßen, weiter Himmel…

Wir merken zum ersten Mal, dass Outback Aboriginal-Land ist. Viele schwarze Einwohner gibt es, von denen die meisten ein recht elenden Eindruck machen. Es ist nicht zu übersehen, dass die Aboriginals eine Gruppe am Rand der Gesellschaft sind.

Council-Gebäude in Normanton
Council-Gebäude in Normanton

Dass Normanton mal ein bedeutenderer Ort war bezeugen ein paar hübsche Gebäude aus besseren Zeiten. Ferner wird der Tourist durch die Nachbildung des größten Krokodils, das je geschossen wurde beeindruckt. Die Schützin hat es damit ins Guinness Buch geschafft.

8,63 Meter soll das Kroko lang gewesen sein!
8,63 Meter soll das Kroko lang gewesen sein!

Unser persönlicher Höhepunkt ist jedoch der Purple Pub, der kostenloses und unbegrenztes WiFi bietet. So können wir endlich mal unsere Mails lesen, Facebook und Instagram Posts raushauen und unserem Blog aktualisieren. Und dabei ein kühles Bier schlürfen!

Unser erstes Bier in einem australischen Pub
Unser erstes Bier in einem australischen Pub

Es ist schon dunkel, als wir auf den Campingplatz zurückkehren. Deshalb hätten wie beinahe die fröhlich über die Wiese hüpfenden Frösche übersehen.

Ein Frosch kommt selten allein
Ein Frosch kommt selten allein

Ich bin sogar halb auf einen drauf getreten, der dann weniger fröhlich davon hüpfte. Später, als ich in der lauen Abendluft vor unserem Campervan saß, spürte ich plötzlich etwas Weiches auf meinem Fuß landen und sah gerade noch einen Frosch wegspringen. Das war bestimmt seine Rache für meinen Fußtritt!    

Schon in Mount Surprise hatten wir Frösche in der Toilette vorgefunden, allerdings kleinere als die hier in Normanton. So hatten wir uns angewöhnt, erst mal einen Blick in die Kloschüssel zu werfen.

Kannst du nicht woanders baden?
Kannst du nicht woanders baden?

Das bewährte sich auch hier, den auch die größeren Exemplare hatten offensichtlich ein Faible fürs Baden in der Toilette. Rätselhaft blieb uns, wie der Frosch mal in der einen, beim nächsten Besuch dann in der anderen Toilette saß. 

Offensichtlich wird dieser gutgemeinte Hinweis nicht oft beherzigt
Offensichtlich wird dieser gutgemeinte Hinweis nicht oft beherzigt

Beim hellen Tageslicht hatte der Froschspuk erst mal ein Ende. Dafür wurden wir beim Frühstück von einer Bande Apostle Birds umzingelt, die munter und laut krächzend fast um unsere Füße wimmelte. 

Interessenten für die Frühstückskrümel
Interessenten für die Frühstückskrümel

Nach einer Stunde „Arbeitssitzung“ im Purple Pub fahren wir weiter ins 70 Kilometer entfernte Karumba.

So sieht Marcus idealer Arbeitsplatz aus!
So sieht Marcus idealer Arbeitsplatz aus!

Die Straße führt über eine weite Ebene, ab und zu sehen wir graue Kraniche. 

Nachdem wir uns auf dem Campingplatz eingerichtet haben, laufen wir etwa einen halben Kilometer bis zum Meer und blicken zum ersten Mal auf den Gulf of Carpentaria.

Gulf of Carpentaria
Gulf of Carpentaria

Der Normanton River mündet hier ins Meer. Sandstrand und Schilfgürtel wechseln sich ab. Ersterer völlig nutzlos, da auch hier „Croc Country“ ist und Baden daher lebensgefährlich. Nur wenige Siedlungen gibt es am Golf, Karumba ist die einzige, die über eine normale Straße erreicht werden kann. Hier lebt man von Garnelen- und Barramundifischerei, außerdem werden von hier aus die Produkte einer großen Zinkmine verschifft. 

Abends zum Sonnenuntergang finden wir uns wieder am Ufer ein, wie etwa dreißig andere Touristen, die sich in der schicken und teuren Strandbar oder an der kleinen Promenade verteilen. Der Sonnenuntergang über dem Golf ist schließlich das Ereignis, für das man hierhin kommt (außer zum Fischen und Barramundi verspeisen natürlich!).

Eines von ungefähr 25 Bildern vom Sonnenuntergang
Eines von ungefähr 25 Bildern vom Sonnenuntergang ?

Wir sitzen auf einer Bank und schauen der Sonne beim Versinken zu. Neben uns sitzt ein rüstiger Rentner mit Rauschebart und breitkrempigen Hut, der uns erzählt, dass er aus Tasmanien kommt, wohin seine Familie in den 60er Jahren aus Holland ausgewandert sei. Nun sei er seit einigen Monaten mit dem Motorrad und Zelt rund um Australiens Westküste bis hierhin gereist. Geschichten wie diese hören wir immer wieder. Viele Australier stammen aus Europa, sind erst in den 50er und 60er Jahren eingewandert. 

Nach dem spektakulären Sonnenuntergangs-Kino folgt der zweite obligatorische Programmpunkt eines Karumbabesuchs: Barramundi futtern. Der britische Einfluss macht sich dadurch bemerkbar, dass überall fish&chips angeboten werden. Marcus wählt letzteres, mit Barramundi, ein großer lokaler Fisch, ich nehme Barramundi gegrillt. So ganz können wir den Barramundihype nicht nachvollziehen, aber immerhin haben wir ihn jetzt gekostet. (G)

KermitLogbuch Tag 9 – 10: 

Mount Surprise – Normanton – Karumba

Kilometer:  471

Camp Normanton: Gulfland Caravan Park

Camp Karumba: Karumba Point Service Station

Gesamtkilometer:  1332

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