On the road again – back to the coast

Roadtrip mit Kermit Tag 33 – 41

Von Edith Falls mit seiner schönen Bademöglichkeit gehts ab jetzt zurück Richtung Ostküste. Aber erstmal fahren wir noch viele Kilometer durchs Outback, das uns so gut gefällt.

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So schön kann nur Outback sein ?

Beim Frühstück ereignet sich ein dreister Diebstahl, sozusagen Mundraub: als ich Eier koche und kurz mit dem Rücken zum Tisch stehe, hüpft ein Bowerbird, ein großer braungrauer Vogel, auf den Tisch und klaut sich ein Apfelstück aus meiner Müslischale. Tags zuvor hatte er schon versucht, eine Scheibe Toast zu ergattern. Dies war ihm nicht gelungen, er hatte nur ein Loch in dem Toast hinterlassen.
Beim Aufbruch im Camp müssen wir geschlagene 10 ( in Worten: zehn!!) Minuten an der Ausfahrt warten, da ein Grey Nomad seinen Anhänger quer auf dem Zuweg ankoppelt. Manchmal bin ich ja geduldig, aber in dieser Situation hab  ich mich unnötig aufgeregt. Wir haben keinerlei Zeitdruck, und trotzdem fluche und schimpfe ich noch eine ganze Weile.

In Katherine wird noch getankt und Lebensmittel eingekauft. Beim Optiker schnell die Brille nochmal geradebiegen lassen und in der Apotheke meinen Blutdruck messen lassen: alles wieder im grünen Bereich.

Nachmittags kommen wir in Daly Waters an. Der Ort besteht aus einem Pub mit angeschlossenem Camp. Der Pub ist berühmt, da hier in Daly Waters die erste Landebahn für den internationalen Luftverkehr existierte. Flugzeuge von Singapur kommend landeten hier ab den 1930er Jahren, um Sprit nachzutanken. In diesen Jahren kamen viele Piloten mit Rang und Namen, die im Pub ein eiskaltes Bier nahmen. Der Pub ist über und über mit Andenken aus aller Welt verziert, ob Auto-Nummernschilder, Banknoten, Visitenkarten oder sonstiges. Daly Waters ist sogar auf vielen Landkarten verzeichnet, obwohl der Ort nur 16 Einwohner zählt.

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Verrückte Sachen in Daly Waters
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Daly Waters Pub

Wir trinken Bier und lernen Miriam und Martin kennen, ein Schweizer Paar, die mit ihrem VW-Bus unterwegs sind. Sie erzählen vom Transport ihres Bullis übers Meer. Ein ganz eigenes Abenteuer.

Am nächsten Tag fahren wir nach Tennant Creek. Insgesamt scheint uns, dass die Straßen und die Campingplätze leerer werden, da viele Grey Nomads aus ihren Winterquartieren im Norden wieder zurück in den Süden gekehrt sind.

Es kommen noch ein paar Fahr-Tage, also Tage, um Strecke zu machen. So um die 400 Kilometer am Tag. Klingt nach nicht viel, aber die Straßen sind deutlich schlechter als die Autobahn zu Hause. Meist fahren wir ein Tempo zwischen 80 und 100 km/h und die Hitze strengt trotz Klimaanlage an. Kermit hat einen Unterflur-Motor, wir sitzen während der Fahrt knapp über dem Motor, und speziell die Beifahrerin ist nach einigen Stunden Fahrt fast gar ?.

Heute wollen wir in einem Bushcamp übernachten. Das ist ein unbefestigter Rastplatz an der Straße, auf dem man für eine Nacht kostenlos bleiben kann. Es gibt Picknicktische, Mülleimer und ein Plumpsklo. Mehr nicht. Einige wenige Bäume geben Schatten. Als wir ankommen, sitzen unzählige laut krakehlende Raben auf den Mülleimern und versuchen, diese zu öffnen und essbare Dinge herauszuziehen. Als wir näherkommen, verschwinden sie flugs. Abends ist der Himmel klar und der Halbmond wirft Schatten. Das Kreuz des Südens als Sternenkonstellation ist gut zu sehen. Übrigens steht der Mond hier auf dem Kopf und die Sonne steht mittags im Norden. Verkehrte Welt ?. Es haben sich noch einige andere Bushcamper eingefunden, die mit Caravan, Campervan oder einem PKW unterwegs sind. Eine Unterhaltung beschränkt sich auf „where do you go to“ und einigen kurzen Erklärungen.

Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück sitzen, sind wir alleine. Vor 10 Uhr morgens kommen wir fast nie los, erstmal Obst fürs Müsli schälen und schneiden, Eier und Tee kochen. Später spülen und den Wagen fahrfertig machen. Bewährt hat sich für uns das Durchgehen einer Checkliste kurz vor dem Take Off:

Frischwasser getankt – Check

Abwasser abgelassen – Check

Gas abgedreht – Check

Dachluke zu – Check

Bank gegen Verrutschen gesichert – Check

Stromkabel eingeholt – Check

Alle Vorhänge aufgerollt – Check

Neulich sind wir mit offener Heckklappe losgefahren, ich glaub ich werd alt ??. In Deutschland in den Nachrichten kam neulich eine Meldung, dass ein Mann seine Ehefrau auf dem Rastplatz einer Autobahn vergessen hatte. Schlechte Checkliste!!

Im Bushcamp habe ich Geburtstag!! Nach dem Frühstück fahren wir nach Mount Isa, einer Minenstadt. Mittags machen wir Picknick am Lake Moondarra, der aber wegen vieler Schlingpflanzen am Ufer nicht zum Baden einlädt. Später auf dem Campingplatz springen wir noch in den Pool und gehen abends Steak essen. So kann man seinen Geburtstag auch gut verbringen.

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An den Geburtstag werde ich mich noch lange erinnern

Die nächsten zwei Tage verbringen wir ebenfalls in Mount Isa. Einen Tag machen wir Wäsche, Blog und relaxen, am anderen Tag schauen wir uns die School of the Air an und nachmittags hat Gina einen Frisörtermin auf dem Camp.

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Minenstadt Mount Isa

Die School of the Air ist eine Schule, in der Lehrer und Schüler ursprünglich über Funk den Unterricht bestreiten. Im Outback wohnen Familien teils hunderte Kilometer von der nächsten Schule entfernt.  Deren Kinder bekommen Montags bis Freitags je eine Stunde Unterricht. Die Kleinen bekommen Englisch und Mathe Unterricht, die anderen Fächer müssen zu Hause gepaukt werden. Natürlich funktioniert das heute übers Internet. Wir durften einer Unterrichtsstunde beiwohnen. Sehr interessant. Auf einer Landkarte wurde uns gezeigt, welcher Schüler wo wohnt und wie weit das von der Schule entfernt ist.

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School of the Air – gleich werden wir eine Unterrichtsstunde erleben
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Die Lehrerin erklärt uns, wer am anderen Ende der Leitung sitzt und was heute gelehrt wird

Der Frisörtermin naht: Die Frisörin wohnt in einem Wohnwagen ungefähr zehn Meter von uns entfernt.  Die Schere fliegt, es entwickelt sich ein nettes Gespräch und zum Schluss lasse ich mir noch mein Pony schneiden ?.

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Praktisch, wenn die Frisörin nebenan wohnt

Am nächsten Morgen geht’s weiter. Mittags halten wir für eine Rast im kleinen Ort Julia Creek. Gina hatte herausgefunden, daß am frühen Nachmittag der Dunnart gefüttert wird. Da kann man zuschauen. Was, ihr kennt den Dunnart nicht? Na, wir wussten von dessen Existenz auch nichts. Speziell nichts vom Julia Creek Dunnart, denn den hätte man erst wenige Jahre zuvor entdeckt.

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Kleiner Dunnart vor großem Teller

Gestatten, ich bin Jeff, ein zwei Jahre alter Dunnart. Gehöre zu den Beuteltieren, bin ca. 5cm lang und wiege 50 Gramm. Ich bin schon ziemlich alt und kriege hier in meinem Terrarium mein Essen. Morgens einen fetten Mehlwurm, hmmmm, leeecker, und nachmittags was mit Frucht. Vitamine müssen auch sein. Ich sehe aus wie eine Maus, habe aber größere Augen und riesige Ohren. Kommt mich doch auch mal besuchen hier in Julia Creek. Meine Pflegerin Kathrin  erklärt euch alles genau.

Ja, viel hat sie erklärt und es gab einen Film und die Fütterung zu sehen.

Abends fahren wir wieder in ein Buschcamp. Unsere Nachbarn Jeff und Stefanie vom vorigen Camp sind auch da und so lassen wir den Abend beim gemeinsamen Bier und netten Gesprächen ausklingen.

Am nächsten Tag fahren wir bis Richmond, wo wir Pause machen, in der Touristen-Info stöbern und uns ein paar alte Häuser und ein Museum anschauen. Danach geht es nach Hughenden. Dort gibt es einen alten Friedhof zu bestaunen. Außerdem folgen wir gerade der Dinosaurier-Route. Es wurden hier viele Überreste von Dinosauriern gefunden, unter anderem das fast vollständige Skelett eines 8 Meter großen Kronosaurus. Das Skelett ist aber nicht hier, sondern an der Harvard Universität in den USA zu sehen.

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Der Kronosaurus, hätte ich vorher noch nichts von gehört

Abends geht es zu einem kostenlosen Camp, das hinter dem Prärie-Hotel liegt. Es gibt eine Busch-Dusche, die wir gerne in Anspruch nehmen. Da unser Camping-Gas plötzlich leer ist und auf die Schnelle kein Ersatz zur Hand ist, essen wir im Hotel zu Abend.

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Das Prairie Hotel
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Dusche unter freiem Himmel

Morgens können wir zwei Straßen weiter die Gasflasche auffüllen lassen. Heute fahren wir nach Charters Towers, das unsere letzte Station des Outbacks darstellt. Charters Towers war einst eine wichtige Stadt. Im Jahre 1871 hatte der Aboriginal Jupiter Mosman hier Gold gefunden. Daraufhin setzte ein großer Goldrausch ein und nach einem Jahr zählte man 3000 Goldsucher. Damals wurde Charters Towers zur zweitgrößten Stadt in Queensland und bekam den Spitznamen The World. Heute zeugen nur noch einige schöne koloniale Bauten vom einstigen Reichtum der Stadt und die Einwohnerzahl schrumpfte auf ein Drittel von damals.

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Schöne Bauten in Charters Towers
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So eine prachtvolle Bibliothek

Eine Nacht bleiben wir auf einem Campingplatz am Rande der Stadt. Hier ist dann auch das große Outback-Abenteuer zu Ende. Als Nächstes erwartet uns die Ostküste mit vielen Sehenswürdigkeiten. (M)

Kermit-Logbuch Tag 33 – 41

Edith Falls – Daly Waters – Tennant Creek – Avon Downs – Mount Isa – Charters Towers
Kilometer: 2226
Camps:
Daly Waters Pub
Outdoor Caravan Park Tennant Creek
Avon Downs Free Camp
Mount Isa Caravan Park
Maxwelton Rest Area
Prairie Hotel Camping
Charters Towers Tourist Park
Gesamtkilometer : 6861

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