Lampang, Stadt der Begegnungen

Der Bus von Chiang Mai nach Lampang braucht nur eineinhalb Stunden. Wir nehmen daher den lokalen Bus, der nach unserer Meinung ganz passabel ist. Mit Klimaanlage und ordentlichen Sitzen, auf den Fahrscheinen stehen sogar die Sitzplatznummern. Kurz vor der Abfahrt laufen Händler durch die Reihen und verkaufen allerhand fürs leibliche Wohl. Mittagessen, Getränke oder Süsses, wer hungrig den Bus verlässt, ist selbst Schuld. Wir haben allerdings Proviant mit, den wir unterwegs verzehren.

Bus nach Lampang

Bei der Ankunft in Lampang suchen wir ein Songthaew, das uns zum Hostel bringen soll. Plötzlich sind wir umringt von mehreren Songthaew Fahrern. Unter lautem Palaver und Gewinke sind diese am diskutieren. Streiten sie, wer uns fahren darf? Weit gefehlt, es wird jemand gesucht, der uns zu unserem angebotenen Fahrpreis befördert. Dann endlich steigen wir hinten auf die Ladefläche. Ich muss den Kopf einziehen, so niedrig ist das Dach. Na ja, die Fahrt dauert nur zehn Minuten, dann sind wir da.

Songthaews warten auf Kundschaft
Für kurze Strecken ganz bequem

Einchecken, auspacken, kurz frisch machen. Es ist früher Nachmittag und wir haben Hunger. Laut Plan gibt es ganz in der Nähe einen Markt. Hoffentlich gibt es dort etwas zu essen. Leider werden wir enttäuscht, nur noch wenige Stände sind besetzt, und diese verkaufen kein Essen. Ok, weitersuchen. Wir haben schon festgestellt, dass es in den kleineren Orten nur zu bestimmten Zeiten Essen gibt, also morgens bis mittags und dann nochmal am frühen Abend. Zwischendrin ist fast alles zu. Dann entdecken wir in der Nähe des Flusses ein kleines Restaurant. Es sind noch einige Gäste da und es sieht einladend aus. Das Essen ist gut. Als wir fertig sind, spricht uns ein Gast vom Nebentisch an. Woher wir kommen und warum wir uns ausgerechnet die langweilige Stadt Lampang anschauen. Er spricht sehr gut Englisch und wir kommen ins Gespäch über den Ort und dessen Historie, übers Essen, die Bildung und weitere Dinge.

Nach einer guten Stunde brechen wir auf. Wir wollen uns noch einen Tempel anschauen. Die Straßen sind nicht wirklich fußgängerfreundlich, es gibt kaum Bürgersteige und dazu regen Auto-und Mopedverkehr. Daher nehmen wir nicht den direkten Weg zum Tempel, sondern gehen über Nebenstraßen, wo es ruhiger ist. Leider verlaufen wir uns. Eine ältere Frau kommt aus dem Haus und fragt uns: „Where you go?“ Zum großen Tempel wollen wir und sie erklärt uns freudestrahlend den Weg. Dankend ziehen wir weiter, nach zwei Ecken verschwimmt die Erklärung. Rechts, links oder doch anders? Egal, wenn wir den Tempel heute nicht finden, dann eben morgen. Hinter uns hupt es. „Miss, Mister!“ Die Frau auf dem Roller ist die von vorhin, sie weist uns den Weg, fährt bis zur nächsten Kreuzung und wartet auf uns, dass wir nicht wieder falsch gehen. Dann ist das Ziel in Sichtweite, die Frau auf dem Roller winkt und fährt davon. Stellt euch mal die umgekehrte Situation in Deutschland vor…

Sooo schön!!!
Spendenbox 🙂

Nach der Tempelbesichtigung schauen wir uns noch ein Teakhaus Museum an. Lampang wurde bekannt durch seinen Teakholzhandel vor über 100 Jahren. Zu dieser Zeit hatte man zahlreiche Holzhäuser auf Stelzen errichtet. Viele dieser Häuser existieren heute noch und das Museums-Teakholzhaus kann man besichtigen. Im Eintrittspreis enthalten ist ein kleiner Snack aus Tamarindensaft und Reiswaffeln.

Teakholz-Haus
Drunter steht die Kutsche
Tamarindengetränk mit Reiswaffel, hier ist alles sehr süß

Am nächsten Tag machen wir eine Stadtbesichtigung. Lampang ist zwar nicht so groß und touristisch, aber gerade das macht seinen Charme aus. Wir besichtigen einen Tempel, der wirklich schon bessere Zeiten gesehen hat. Bröckelndes Mauerwerk, abgeknickte Spitzen, sieht fast ein wenig unheimlich aus. Hinter dem Tempel sitzen in einer Gebetshalle Mönche beim Gebet. Ein älterer Mönch, der gerade nicht dabei sitzt, kommt auf uns zu. Wir kommen ins Gespräch. Er ist seit zwölf Jahren Mönch, vorher hatte er einen Job bei der Post. Jetzt, im Rentenalter, möchte er Anderen helfen, indem er die jungen Leute in Buddhismus unterrichtet. Was für eine schöne Vision, im Rentenalter diese Aufgabe anzugehen.

Wer hat die Spitzen abgeknickt??
Mönche beim Beten, diese sind nicht fotoscheu

Es gibt noch einen fantastischen liegenden Buddha hier in Lampang. Klar schauen wir auch den an. Auf dem Weg liegt auch das Museum, das wir nicht auslassen.

Wieder ein imposanter liegender Buddha

Wie so oft, schauen wir uns die Sehenswürdigkeiten alleine an, andere Touristen treffen wir kaum. Unten im Museum haben zum Tode des Königs Studenten einer Cooking-University aus verschiedenen Reissorten Konterfeis des Königs gemacht. Beeindruckend.

Zum Gedenken an den König gibt es in jeder Stadt irgendetwas Besonderes
Hier sind es die Reisbilder

So hinterläßt Lampang einen guten Eindruck, nicht zuletzt durch die Begegnungen mit dem Mann aus dem Restaurant, der Frau auf dem Roller oder dem Mönch. Zwei Nächte hier reichen völlig, morgen geht es mit dem Bus weiter ins etwas lebhaftere Sukhothai. (M)

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