Kakadus und Krokodile – unterwegs im Kakadu Nationalpark

Roadtrip mit Kermit Tag 23 – 25

Der Kakadu Nationalpark ist eines der Ziele, bei denen schon vor der Reise feststand, dass wir es besuchen wollen. Allein der Name hört sich schon nach exotischem Paradies an. Mit großen Erwartungen fahren wir also los und planen vier Nächte im Nationalpark. Große Erwartungen sind ja immer so eine Sache…

Große Termitenhügel gibt es schon mal...
Große Termitenhügel gibt es schon mal…

Zum Glück hatten wir unsere Tickets schon im Lazy Lizard erworben. Das war auch gut so, denn am Mary River Roadhouse, das am Eingang des Kakadu Nationalpark liegt, war das Schild „Visitor Information“ dick durchgestrichen. Die nächste Möglichkeit, Tickets zu erwerben wäre das zentrale Bowali Visitor Center mitten im Park, also mal 100 Kilometer weiter.

Auf dem Kakadu Highway
Auf dem Kakadu Highway

Die Attraktionen des Parks bestehen aus Wasserfällen, Felszeichnungen der Ureinwohner, den Wetlands und der Tierwelt, also Krokodile, Kakadus und Wasservögel. Die Wetlands sind Ebenen, durch die Flussläufe ziehen, die in der Regenzeit weit überflutet werden.

Die Wasserfälle haben nach genauerer Recherche den Nachteil, dass sie alle über unbefestigte, meist sogar nur mit 4WD-Autos befahrbare Straßen zu erreichen sind. Für uns also gar nicht, da wir mit Kermit keine unsealed roads befahren dürfen. 

Also haben wir uns als erstes einen Walk ausgeguckt, der uns zu einem Aussichtspunkt über das South Alligator Valley und ein Stück an einem Arm des South Alligator Rivers entlang führen soll. Laut Informationsheft werden dafür zwei bis drei Stunden benötigt.

Reise-Ringel hat keine Angst vorm Kroko
Reise-Ringel hat keine Angst vorm Kroko

Nachdem wir ein Krokodil-Warnschild passiert haben, stehen wir wenige Meter weiter vor einem sandigen, ausgetrockneten Flussbett. Ist ja Trockenzeit. Der andere Zweig des Wegs führt über Schotter leicht ansteigend durch eine ausgetrocknete Landschaft auf einen Hügel. Hier haben wir einen Blick über die verschiedenen Grün-Schattierungen der Ebene.

Fifty shades of green
Fifty shades of green

Am Horizont erhebt sich eine kleine Hügelkette. Schön. Aber nicht spektakulär. Und statt zwei bis drei Stunden haben wir für die ganze Unternehmung nur eine Dreiviertelstunde benötigt. 

Die Wetlands des Yellow River

Da schaffen wir auch noch das eigentlich schon für den zweiten Tag vorgesehene Programm: die Wetlands am Yellow River. Hier kann man Schiffstouren und Helikopterflüge buchen oder ein bisschen laufen. Das Informationsheft beschreibt einen Boardwalk und einen 2,6 Kilometer langen Wanderweg, der nur in der Trockenzeit zugänglich ist. Passt ja. Um den Boardwalk zu finden, bedarf es eines gewissen detektivischen Spürsinns. Ausgeschildert ist er nämlich nicht. Schließlich finden wir ihn in Verlängerung zu den Bootsablegestellen. Über sumpfiges Grasland führt er zu einer Plattform, von der aus wir über die floodplains des Yellow River blicken. In den Bäumen rund um uns kreischen, flattern und turnen Corella-Kakadus.

Yellow River
Yellow River
Corella-Kakadus
Corella-Kakadus

Der andere Wanderweg ist gesperrt, „seasonal closed“ verrät uns das Schild, das offensichtlich seit der letzten Regenzeit dort hängt. Sieht ganz so aus, als hätte man keine Lust gehabt, ihn zur Trockenzeit wieder aufzumachen. 

Hier ist der Weg zu Ende
Hier ist der Weg zu Ende

Nachdem der Besuch am Yellow River auch deutlich kürzer als geplant ausfällt, beschließen wir, sofort zum Camp Merl zu fahren, das eigentlich erst für die dritte Nacht geplant war. Es ist ein typisches Bushcamp, im Wald gelegen, ohne Strom und Trinkwasser. Immerhin gibt es Toiletten und Duschen.

Kermit im Bushcamp
Kermit im Bushcamp

Abends kommt der Ranger auf dem Fahrrad vorbei und sammelt die Campgebühren ein. Später sitzen wir draußen, als im Baum wenige Schritte neben uns plötzlich quietschende Töne und Geraschel erklingen und sich ein riesiger schwarzer Schatten durch die Luft davon schwingt. Wie eine Fledermaus, nur viel größer! Wahrscheinlich ein Flughund.    

Der Tag war sehr heiß und auch in der Nacht kühlt es kaum ab. In Kermit staut sich die Hitze. Wegen der Moskitos können wir die Türen nachts nicht offen lassen. Nur die Dachluke und ein kleines Seitenfenster haben ein Moskitonetz und können für ein bisschen Luft sorgen. 

Felsenzeichnungen und Aboriginalkultur

Am nächsten Morgen fahren wir zum naheliegenden Ubirr, wo es Felsenzeichnungen zu sehen gibt. Eine Rangerin erklärt in einer zweistündigen Führung nicht nur die mehrere tausend Jahre alten Malereien, sondern auch viel über die uns sehr fremde Kultur der Aboriginals.

Die Regenbogenschlange
Die Regenbogenschlange

Die in den Zeichnungen dargestellte Regenbogenschlange gilt als Erschafferin der Landschaft. Wo sie entlang kroch, erstanden die Flüsse. An einer anderen Felswand ist wie ein Menü aufgemalt, welche Speisen verzehrt wurden, von Barramundi und anderen Fischen über Schildkröten bis zu Wallabies. 

Die Speisekarte als Rock Art
Noch mehr Rock Art

Tierisch was los: Croc frenzy, zankende Flughunde und fröhliche Kakadus

Von der Rangerin erhalten wir auch den Tipp, wo es Krokodile und Flughunde zu sehen gibt. Also auf zu Cahill’s Crossing, wo eine Straße über bzw. durch den East Alligator River führt. Es ist eine flood road, die bei höherem Wasserstand überspült wird. Vom Meer her drückt die Flut hinein, überspült die Straße und bringt frische Nahrung für die zahlreichen Krokodile, die hinter der Straße durch das milchig grüne Wasser cruisen. Ab und zu gibt es einen lauten Platsch, wenn ein Krokodil nach einem Fisch schnappt. Die schiere Anzahl der vermeintlich träge herum treibenden Schnapptaschen ist beeindruckend.

Croc-Tussi?
Croc-Tussi?

Und das ist keine Tierparkshow, sondern echte Natur! Besonders gefällt uns ein Exemplar, das mit zur Seite gestreckten Vorderbeinen die Krallen geziert aus dem Wasser spreizt. Bestimmt ein Mädchen! 

Nachdem wir lange genug den Crocs zugeguckt haben, machen wir uns zum Wanderweg auf, auf dem wir Kolonien von Flughunden sehen sollen. Der geht gleich hier vom Parkplatz los. Am obligatorischen Krokodil-Warnschild vorbei und wenige Meter in den Wald hinein, nehmen wir schon bald den typischen Geruch war. Quietschende Geräusche zeigen uns schnell die Bäume, in denen die Flughunde hängen.

Flughunde-Kolonie
Flughunde-Kolonie

Wie groteske schwarze Früchte baumeln sie von den Ästen. Eigentlich sollte jetzt am hellen Tag Schlafenszeit für sie sein. Trotzdem ist an einigen Stellen richtig was los, Gezänk und Geturne. Es hört sich an, als ob Quietscheenten sich streiten. Ab und zu breitet einer der Flughunde die Schwingen aus und fliegt los. 

Die Jahreszeiten nach der Aboriginalkultur
Die Jahreszeiten nach der Aboriginalkultur

Am Nachmittag informieren wir uns im Bowali Visitor Center über die typische Flora und Fauna, dann fahren wir zum Campground Aurora Kakadu Resort, wo uns Stromanschluss und ein großer Pool locken. Eine sehr lebhafte Atmosphäre schaffen die Schwärme von Corella-Kakadus, die den Campground bevölkern.

Kleine Erfrischung gefällig?
Kleine Erfrischung gefällig?

Kreischend toben sie durch die Bäume, versuchen, an Rasensprengern zu trinken und hüpfen als fröhlicher Haufen über den Rasen. Als die Dämmerung einsetzt, formieren sie sich zu einem großen Schwarm, fliegen eine lärmende Abschiedsrunde über den Platz und verschwinden für die Nacht. 

Vogelwelt der Wetlands

Mamukale Wetlands
Mamukale Wetlands

Zum Abschluss unseres Besuchs im Kakadu Nationalpark fahren wir zu den Mamukale Wetlands. Dort können wir schwarz-weiße Magpiegänse, schwarze Sumpfhühner mit feuerrotem Schnabel und andere Vögel der Sumpfgebiete beobachten.

Magpiegans
Magpiegans

Ein Walk führt uns in einer Dreiviertelstunde durch heiße, schattenarme Savannenlandschaft am Rand des Feuchtgebiets vorbei.

Vogelparadies
Vogelparadies

Einen zweiten Walk in der Nähe des Campgrounds unternehmen wir, weil er durch monsoon forest, also vermutlich Schatten führen soll.

Bushwalk durch den recht trockenen monsoon forest
Bushwalk durch den recht trockenen monsoon forest

Leider haben durch die Trockenheit viele Bäume schon einiges an Laub eingebüßt, so dass es trotzdem ziemlich heiß wird. Am Ende kommen wir an einem Billabong vorbei. So nennt man die Teile von ausgetrockneten Flüssen, in denen gewöhnlich noch Wasser stehen bleibt.

Steg über fast trockenem Billabong
Steg über fast trockenem Billabong

Hier deutet allerdings nur die ausgedehnte mit Schilf bewachsene Fläche darauf hin, dass der Boden noch relativ feucht ist. Wasser ist keines zu sehen.  

Abkühlung nach dem Walk
Abkühlung nach dem Walk

Nach nur zwei statt der geplanten vier Übernachtungen verlassen wir den Kakadu Nationalpark schon wieder. Er hat uns nicht so viel geboten, wie wir gehofft hatten. Zum Teil lag es sicher daran, dass Ende der Trockenzeit nicht die ideale Saison für den Park ist. Mit ausgedehnten Wasserflächen sind die Wetlands bestimmt beeindruckender. Enttäuscht hat uns auch, dass viele der Wanderwege einfach gesperrt waren und die restlichen eher lieblos hergerichtet schienen. Dafür gibt es viele Ziele, die nur per 4WD-Track oder zumindest über unbefestigte Straßen erreichbar sind. Als großer Spielplatz für Geländewagenfahrer eignet sich der Kakadu Nationalpark anscheinend gut.    

South Alligator River. Wenigstens gab es noch Wasser da
South Alligator River. Wenigstens gab es noch Wasser da

Nach den zwei anstrengenden Bushwalks in der Hitze heute und den warmen, schlafarmen Nächten fühlen wir uns zu erschöpft, um bis Darwin zu fahren. So machen wir bereits nach 90 Kilometern am Bark Hut Inn Roadhouse Schluss. Der unpowered  (ohne Stromanschluss) Stellplatz ist kostenlos und einen Pool gibt es auch. (G)    

Kermit-Logbuch Tag 23 – 25 

Pine Creek – Kakadu Nationalpark – Bark Hut Inn Roadhouse

Kilometer: 481

Camps: Nationalpark-Camp Merl

               Aurora Kakadu Resort 

               Bark Hut Inn Roadhouse

Gesamtkilometer: 3838

 

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