Irrwege durchs Hafenviertel

Sonntag, graues und regnerisches Herbstwetter, das schreit ja förmlich nach Museumsbesuch!

Schnell haben wir uns auf das Museo de la Inmigración geeignet, das in Hafennähe im ehemaligen Hotel de los Inmigrantes untergebracht sein soll. Der Reiseführer verrät uns die Adresse: Avenida Antártida Argentina 1355. Die Befragung der App für den öffentlichen Nahverkehr in Buenos Aires liefert verschiedene Buslinien, die mehr oder weniger nah am gewünschten Ziel enden. Hm, die Adresse liegt jenseits des Busbahnhofs Retiro, eine Gegend, von der der Reiseführer grundsätzlich abrät.

Also gut, die dicke Kamera darf zu Hause bleiben und wir wählen eine Buslinie, die ganz in der Nähe des Museums hält und nicht schon am Bahnhof Retiro endet. Theoretisch jedenfalls, denn auch dieser Bus beendet am Busbahnhof seine Fahrt.
Wir konsultieren zwei Apps, die uns zwei verschiedene Richtungen vorgeben.
Ein Blick auf die Hausnummern, die auf jedem Straßenschild für den nächsten Abschnitt angegeben sind, lässt uns die Richtung in die zweifelhafte Gegend hinter dem Bahnhof einschlagen. Schnell wirkt alles ziemlich abgerissen: sehr schadhafte Gehwege, dubiose Gestalten, teils in größeren Gruppen. Mit einem mulmigen Gefühl wechseln wir die Straßenseite (also über sechs bis acht Fahrspuren). Die andere Seite wird gesäumt von teils verlassenen Bürogebäuden und wirkt ziemlich einsam. Wir hasten Richtung der 1300er Hausnummern, umkreisen einmal den Block, ohne einen Hinweis auf das Museum zu finden.
Okay, also schnell wieder zurück in zivilisierte Gegenden. Nun versuchen wir, den Punkt, den die Triposo-App für das Museum anzeigt zu finden. Es geht an verlassenen Hafengebäuden entlang, auch nicht sehr vertrauenerweckend die Gegend hier. Ich bin mir nicht sicher, ob ich froh darüber bin, dass uns keine Menschenseele begegnet oder beunruhigt. Um eine improvisierte Unterkunft eines (oder mehrerer?) Obdachlosen machen wir einen großzügigen Bogen.

Schließlich kommen wir an Gebäuden der Inmigración, also Einwanderungsbehörde vorbei. Davor leere Parkplätze mit Seen aus Pfützen. An einem halboffenen schmiedeisernen Tor finden wir tatsächlich einen Hinweis: „Mueso de la Inmigración 100 m“. Aber die nächste und übernächste Tür ist wieder verschlossen.
Wir kehren zurück zu dem halboffenen Tor und gehen hindurch. Eine Wachbeamtin in Uniform kommt aus der Tür. Wir fragen nach dem Museo und bekommen die vage Antwort: „Sí, al fondo“. Immerhin irren wir jetzt im gut umzäunten Staatsgelände umher, das ist doch schon mal ein Fortschritt. Wir könnten jetzt durch Gebäude mit Bürotrakten marodieren, die Türen stehen offen. Tun wir natürlich nicht.
Schließlich entdecken wir das Museum. Schöne große Banderolen zeigen den Standort an.

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Wenn man es erstmal auf das Gelände geschafft hat, eigentlich ganz einfach zu finden.

Der versteckten Lage entsprechend ist der Besucherandrang sehr bescheiden. Das Museumspersonal ist deutlich in der Überzahl 😉

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Entspannt schauen wir uns die Ausstellung an, die über die Einwanderungen aus Italien, Spanien und anderen europäischen Ländern berichtet.

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Im kleinen Museumscafé verzehren wir unsere mitgebrachten Brote und natürlich eine unvermeidliche Dulce-de-leche-Leckerei aus dem Angebot des Cafés.

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Zum Abschluss möchten wir nun aber die tatsächliche Adresse des Museums erfahren. Wir fragen an der Theke des kleinen Shops. Die Dame blättert im Prospekt und zeigt auf die Adresszeile: Av. Antártida Argentina 1355. Das sei richtig?, fragen wir erstaunt. Jaja, da steht es ja, versichert die Dame.
Beim Verlassen des Geländes über das „richtige“ Tor werfe ich einen Blick zurück: Hausnummer 425 steht da!

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Nachtrag: Heute, am Montag, werde ich mitten in der Stadt, direkt am Teatro Colón Zeugin, wie ein Taschendieb flüchtet, mit lautem Geschrei verfolgt und von seinen Verfolgern zu Boden geworfen wird. Sie reißen ihm die gestohlene Geldbörse aus der Hand und schlagen und treten auf ihn ein, alles wenige Meter vor mir. Erst im Nachhinein merke ich, wie sehr mich die hässliche Szene geschockt hat. (G)

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