Iguazú-Fälle – das nasseste UNESCO-Welterbe

Die Iguazú-Fälle sind mit Worten kaum zu beschreiben, deshalb kommt heute das Video ganz am Anfang unseres Berichts. Macht euch gefasst auf gaaaanz viel Wasser  (nein, NOCH mehr!), niedliche Räuberbanden von Coatís, ein kurzes Special für Wildwasserpaddler und einen Lachanfall im Duett mit einer Rotstirnamazone. Und wenn ihr weder wisst, was Coatís noch Rotstirnamazonen sind, auch das werdet ihr erfahren! Für die Freunde des geschriebenen Wortes und der unbewegten Bilder folgt natürlich der Artikel über unsere Erlebnisse.

Nach einer fünfstündigen Busfahrt mit einem Fahrer, der offensichtlich vorhatte, sich für die Rallye Paris-Dakar zu qualifizieren  (was etwas beängstigend sein kann, wenn man ganz oben ganz vorne im Doppelstockbus sitzt! ), erreichen wir Puerto Iguazú bei angenehmen subtropischen Temperaturen und – endlich Sonnenschein!

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Rennstrecke nach Puerto Iguazú

Beim letzten Tageslicht besuchen wir das Dreiländereck Argentinien – Brasilien – Paraguay. Hier fließt der Rio Iguazú, von den Wasserfällen kommend, in den Rio Paraná. An den drei Ufern hat jedes Land einen großen Kegel in den entsprechenden Landesfarben aufgestellt.

Am Hito Argentino
Am Hito Argentino

Cataratas do Iguacu, Brasilien
Am nächsten Tag geht es per Linienbus nach Brasilien. Die Grenzformalitäten laufen routiniert ab: an der argentinischen Kontrolle müssen alle aussteigen, sich an den Schaltern anstellen und den Stempel für die Ausreise geben lassen. Im Gegensatz zur paraguayischen Grenze wartet der Bus, wir müssen nicht den nächsten nehmen. Beim Einsteigen sammelt der Schaffner alle Pässe ein. Wir fahren über die Brücke, auf der brasilianischen Seite steigt der Schaffner mit dem Stapel Pässe aus und legt sie den brasilianischen Grenzern zum Stempeln vor.
Zurück im Bus, darf sich jeder seinen Pass aus dem Stapel heraussuchen. Deutsche Datenschützer würden aufschreien!
Am Eingang des brasilianischen Nationalparks dürfen wir unseren Eintritt in argentinischen Pesos zahlen – für einen satten Aufschlag! Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir ein paar brasilianische Reales gezogen.
Wir werden mit bunten Bussen durch den weitläufigen Park gefahren, bis wir an den Panoramaweg gelangen, der entlang der Fälle führt. Hier steigen wir aus und werden von Dutzenden possierlichen Coatís, Nasenbären, empfangen, die den Besuchern um die Füße wuseln.

Süß, aber spitze Zähne und scharfe Krallen
Süß, aber spitze Zähne und scharfe Krallen

 Sie haben gelernt, dass von ihnen Essen zu erwarten ist. Leider geht das nicht mit Dankbarkeit einher, sondern mit einer klaren Anspruchshaltung, die sich in Aggressivität äußert, sollte das Futter nicht freiwillig rausgerückt werden. Obwohl überall Schilder hängen, die mit deutlichen Fotos von Kratz- und Bisswunden davor warnen, den niedlichen Räubern zu nahe zu kommen, locken entzückte Touristen die Tiere für ein exotisches Foto nah zu sich heran. Man erzählt uns später, dass täglich zehn Besucher von den Coatís verletzt werden. Wir folgen dem Weg und bald sehen wir die ersten mächtigen Wasserfälle.

Das ist nur ein kleiner Teil
Das ist nur ein kleiner Teil

Beeindruckend groß! Aber das ist erst der Anfang, mit jeder Ecke, um die wir biegen, eröffnen sich neue Ausblicke auf immer mehr, immer größere Fälle. P1090296-1

Zwischendurch sehen wir exotische Vögel und jede Menge Schmetterlinge, die sich sogar auf unseren Händen niederlassen.

..oder auf Marcus Brille
..oder auf Marcus Brille

Am Ende führt ein langer Steg etwa 200 Meter vor einem mächtigen, herabdonnernden Wasserfall über die schäumende Wasserfläche zu einer Aussichtsplattform.

Steg vorne, Wasserfall hinten
Steg vorne, Wasserfall hinten

Für ein paar Pesos werden einfache Plastikponchos verkauft, denn die Gischt des Falls drückt mit solcher Wucht herüber, dass man völlig durchnässt wird. Wir hüllen uns in unsere Regenjacken und betreten den Steg.

Im Gischtsturm ;-)
Im Gischtsturm 😉

Ab der Mitte wird uns die Gischt mit Sturmgewalt ins Gesicht geblasen, so dass wir kaum die Augen offen halten und nur mit Mühe atmen können. Es macht uns regelrecht high, diese Urgewalt des Wassers zu spüren und lachend drehen wir uns in dem Gischtsturm, bis wir wirklich triefnass sind.

Nass, aber glücklich!
Nass, aber glücklich!

Tief beeindruckt von der schier unendlichen Ausdehnung und der Gewalt der Wassermassen sind wir gespannt, ob uns der für den nächsten Tag geplante Besuch der argentinischen Seite noch mal so mitreißen kann.
Parque nacional Iguazú, Argentinien – big water, ganz nah

Ganz nah dran
Ganz nah dran

Der argentinische Nationalpark Iguazú liegt eine halbstündige Busfahrt vom Ort Puerto Iguazú entfernt. Es gibt verschiedene Rundwege, die zu diversen Wasserfällen führen. Im Unterschied zur brasilianischen Seite, die den großen Überblick bietet, kommt man hier ganz nah an einige Fälle heran.

Coatis, Gang-mäßig organisiert
Coatis, Gang-mäßig organisiert

Wir laufen erst den unteren, dann den oberen Rundweg, alles mit spektakulären Ausblicken.

San Martín Fall
San Martín Fall

Im Sonnenschein bilden sich immer wieder Regenbögen in den sprühenden Wasserschleiern. Es ist zum Niederknieen schön!

Wasserfälle und Regenbogen
Wasserfälle und Regenbogen

Wir gelangen an den oberen Rand einiger Fälle, sehen, wie die Wasserwucht an der Kante Wellen und Locken bildet, ehe sie abrupt im Abgrund verschwindet. Es rauscht und tost, dass man kaum sein eigenes Wort verstehen kann.

Abrisskante San Martín Fall
Abrisskante San Martín Fall

Am späten Nachmittag machen wir uns mit der parkeigenen Touristen-Bimmelbahn auf zur eindrucksvollsten Stelle: der Garganta del Diablo, dem Teufelsschlund. Dies ist der wasserreichste Fall in Iguazú. Über lange Stege, die über das Flussbett führen laufen wir eine Viertelstunde bis zu unserm Ziel. Unterwegs sehen wir Schildkröten, die sich auf den Felsen im hier so harmlos aussehenden Flusses sonnen.tmp_18288-P1100132-1995315708
Schon von weitem erblicken wir die Gischtwolke, die aus den Tiefen des Teufelsschlunds aufsteigt.

Der Schlund mitten im Fluss
Der Schlund mitten im Fluss

Als wir die Aussichtsplattform erreichen, sehen wir, wie sich anscheinend mitten im Fluss ein gigantisches Loch auftut und unglaubliche Wassermassen von mehreren Seiten hinunter donnern. tmp_18288-P1100425-2099292341Der Steg vibriert unter unseren Füßen. Der Kessel ist komplett mit Gischt gefüllt, in der sich ein fast senkrechter Regenbogen gebildet hat.

Wasser, Gischt und Regenbogen
Wasser, Gischt und Regenbogen

Ab und zu pulsiert die schäumende Masse hoch und weht Wasserschleier über uns.
Ehrfürchtig staunend stehen wir vor dem Schauspiel. Die endlose, mächtige Wasserflut zieht uns so in ihren Bann, wir können uns gar nicht von dem Anblick losreißen. Diese wilde ungezähmte Schönheit ist einfach ergreifend.

 

Vogelpark

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Nach so viel aufregender Naturschönheit gönnen wir uns am Sonntag einen ruhigen Tag im brasilianischen Vogelpark. P1100552Hier werden exotische Vögel, die krank oder misshandelt aus illegalem Handel stammen, wieder aufgepäppelt und wenn möglich wieder ausgewildert. P1100703-1Wir sehen viele bunte Vögel, manche von ihnen ganz zutraulich.

Tukan, recht zutraulich
Tukan, recht zutraulich
Nandu, auch nicht scheu
Nandu, auch nicht scheu
Ara, ganz zahm
Ara, ganz zahm

Und eine Rotstirnamazone stimmt mit mir zusammen einen Lachanfall an. (G)

9 Replies to “Iguazú-Fälle – das nasseste UNESCO-Welterbe”

  1. Wow, ist das toll. Mit dem Gesicht in die Gicht, und dieses riesige alles verschlingende Wasserloch. Wirklich ergreifend – schon die Bilder.
    Für den Tipp für unsere Bongogruppe bedanke ich mich im Namen aller – da wäre endlich wieder Stellplatz in unserem Club :-;

    Wo habt Ihr eigentlich euer Gepäck, schon irgendwo eingecheckt oder ist das eine Tagestour?

    Ganz liebe Grüße aus dem grauen kalten Düsseldorf im Mai
    Doerte

    1. Hi Doerte,
      wir hatten für einige Tage unsere Unterkunft in Puerto Iguazu, von da aus konnten wir bequem Tagesausflüge machen. Wir hatten echt Glück mit dem Wetter, einen Tag später wurde es kühl und bewölkt, da wären die Bilder nicht so schön geworden.
      Grüße auch an die Paddelgruppe

    2. Hi Doerte,
      wir hatten für einige Tage unsere Unterkunft in Puerto Iguazu, von da aus konnten wir bequem Tagesausflüge machen. Wir hatten echt Glück mit dem Wetter, einen Tag später wurde es kühl und bewölkt, da wären die Bilder nicht so schön geworden.
      Grüße auch an die Paddelgruppe

  2. Maria Gormanns sagt: Antworten

    Liebe Gina, lieber Markus
    unglaublich schöne beeindruckende Bilder!!!!!!!!!!!!!!Und dazu der spannende Reisebericht!!!!!!!!!!!!!!!!!Ich bin wieder mal fasziniert von all den Eindrücken und den passenden Bildern-danke…………………………………………..Ich wusste garnicht, dass die Iguazu-Fälle soo imposant sind.
    Ich wünsche euch weiterhin viele Erlebnisse Abenteuer Eindrücke gesunde Busfahrten und ich freue mich auf euren nächsten Beitrag:)Viele Grüsse aus dem kühlen (10 Grad) und diesigen Langenfeld.
    Diese Woche werden wir wieder verwöhnt durch den Feiertag(Fronleichnam)Und da soll es wieder warm werden.Schön, dass ihr T-Shirtzeit habtAdios Maria

    1. Hallo Maria,

      die Wasserfälle sind wirklich unbeschreiblich schön. Mit dem Wetter hatten wir Glück, damach war es hier eher bewölkt und kühl. Derzeit sind wir in Tilcara, einem kleinen staubigen Kaff auf 2400m, tagsüber knallt die Sonne und nachts gehts Richtung Frost.
      Alles Liebe

  3. Hallo Gina und Marcus,
    soso, gibt es diese frechen Nasenbären immer noch und auch den tollen Vogelpark!
    Ich war zuletzt 2002 in Iguacu und bis heute ist es für mich der schönste und kraftvollste Platz auf Erden.
    Dabei ist die Welt doch so schön!
    Danke für die Erinnerung!
    Liebe Grüße
    Steffi

    1. Ja,es ist wirklich ein magischer Ort. Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat. 🙂

  4. Hallo ihr Lieben,

    danke für den ausführlichen Bericht eurer Zeit rund die Iguazú-Fälle! Ich war Ende 2014 dort und da war leider der Teufelsschlund geschlossen! Von daher hat es mich sehr gefreut, mich euch da nun einmal hinzureisen 🙂

    Liebe Grüße
    Barbara

    1. Oh, das war bestimmt eine bittere Enttäuschung, wenn du nicht zum Teufelsschlund konntest. Damit muss man leider auf Reisen immer wieder rechnen, dass eine Attraktion, die man unbedingt sehen möchte, aus irgendwelchen Gründen nicht zugänglich ist. Schön, dass du dich über unseren Bericht freuen konntest. Liebe Grüße Gina

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