Esteros de Iberá – Naturjuwel mitten im Nirgendwo

Im tiefsten Inneren der Provinz Corrientes liegt das Naturreservat Esteros de Iberá, das zweitgrößte Sumpfgebiet der Welt. Unser Reiseführer widmet ihm nur eine halbe Seite, aber das reicht, um uns neugierig zu machen.

Nach viereinhalb Wochen in lauten Großstädten steht uns der Sinn nach Ruhe und Natur. Also wird flugs umgeplant und statt der Stadt Corrientes das kleine Dorf Colonia Carlos Pellegrini als Ziel auserkoren.tmp_24438-P1090262-1925771828

Herauszufinden, wie man dorthin kommt ist nicht ganz einfach, das Hinkommen ein Abenteuer für sich.

Das nennt sich hier Carretera
Das nennt sich hier Carretera

Unsere Gastgeber in der einfachen Posada El Yacaré (Yacaré=Kaiman) sind gleich mit Tipps und Vorschlägen bei der Hand.

Unsere Posada
Unsere Posada

Der Eingang zum Naturreservat ist drei Kilometer entfernt, man ist sich einig, dass wir soweit nicht laufen sollen und verfrachtet uns in einen staubigen Geländewagen.

Unser "Taxi"
Unser „Taxi“

Ein Geländewagen ist hier eine vernünftige Fahrzeugwahl, im Dorf selber gibt es keine einzige befestigte Straße. Renzo, der Sohn des Hauses fährt uns zum Besucherzentrum. Nur mit Mühe können wir abwehren, dass er uns auch wieder abholen kommt.
Der Besucherandrang ist überschaubar, er besteht aus uns beiden. Die Rangerin erklärt uns die verschiedenen kleinen Wanderwege.
Direkt vor dem Besucherzentrum grasen Wasserschweine. Wir können ganz nah heran gehen, sie sind fast gar nicht scheu. Ich bin ganz entzückt von den plump-possierlichen Tieren. Sie strahlen so eine Ruhe und Lebenszufriedenheit aus.

Entzückte Gina und Wasserschwein, dem das herzlich egal ist
Entzückte Gina und Wasserschwein, dem das herzlich egal ist
Warum zum Fressen aufstehen, wenn es auch im Sitzen geht?
Warum zum Fressen aufstehen, wenn es auch im Sitzen geht?

Wir machen uns zunächst auf, den 30-minütigen Rundweg durch einen kleinen tropischen Wald zu erkunden.

Hier geht es zu den Affen - vielleicht...
Hier geht es zu den Affen – vielleicht…

Hier soll eine Kolonie Brüllaffen leben, die angeblich lautesten Tiere der Welt. Diese hier sind allerdings die leisesten Brüllaffen der Welt, wir hören und sehen keinen einzigen, obwohl wir angestrengt in die Baumwipfel starren.

Palme im Affenwald, leider ohne Affen
Palme im Affenwald, leider ohne Affen

Nun denn, auf zur Pasarela. Ein breiter Holzplankensteg führt über den flachen Uferbereich der Lagune. Hohes Schilf wechselt mit flacher Vegetation ab. Und schon bald sehen wir den ersten Kaiman. Träge liegt er im Wasser und blinzelt.

Unser erster Kaiman!
Unser erster Kaiman!

Ein paar Meter weiter schnauft und raschelt es im Schilf. Ein Wasserschwein macht seinem Namen Ehre und planscht durch das Röhricht. So geht es weiter: bewegungslose Kaimane hier, fröhlich mampfende Wasserschweine da. Auch den ein oder anderen Vogel bekommen wir zu Gesicht, allerdings sind die immer schnell wieder davon.

Der hielt mal lange genug still
Der hielt mal lange genug still

Schließlich entdecken wir noch am fernen Waldrand den Sumpfhirsch, leider nur von weitem. Über allem liegt das Zirpkonzert von tausenden Grillen.

Wasser und Schilf...
Wasser und Schilf…

Der Tag neigt sich, wir machen uns auf den Weg zurück ins Dorf. Über die Holzbohlenbrücke, in den 1980er Jahren als Provisorium eingerichtet und immer noch im Gebrauch erreichen wir den Ort und machen eine Runde durch die staubigen Straßen. Pferde laufen frei herum und suchen sich Flächen zum grasen.

Wie Fototapete, nur echt: Sonnenuntergang über der Lagune
Wie Fototapete, nur echt: Sonnenuntergang über der Lagune

Strahlender Sonnenschein begrüßt uns am folgenden Morgen und wir machen schnell die Bootstour über die Lagune klar.

Guide Renzo - wie bei Argentiniern üblich, ist der Mate immer dabei
Guide Renzo – wie bei Argentiniern üblich, ist der Mate immer dabei

Renzo ist Guide und fährt uns mit seinem Motorboot über die Lagune. Wir sehen Kaimane, viele Vögel, deren Namen wir uns nicht merken können, natürlich auch wieder Wasserschweine und Renzo erzählt uns viel Wissenswertes über Fauna und Flora. Eine Besonderheit ist, dass die Inseln hier auf der Lagune schwimmen. Sie haben keinen Kontakt zum Seegrund.

Einer von vielen Kaimanen
Einer von vielen Kaimanen
Keine Ahnung, wie der Vogel heißt. Ist aber sehr romantisch, weil lebenslang monogam
Keine Ahnung, wie der Vogel heißt. Ist aber sehr romantisch, weil lebenslang monogam

Nachdem wir den Nachmittag auf der Terrasse gechillt haben, ist abends noch mal Bewegung angesagt.

Erst chillen, dann wandern
Erst chillen, dann wandern

Mit Renzo geht es auf eine Nachtwanderung. Mit Stirnlampen und wasserdichten Wanderstiefeln ausgerüstet geht es ins stockfinstere Naturreservat. Wir erhaschen einen kurzen Blick auf den kleinsten Sumpfhirsch, den es hier gibt. Zu unserer Überraschung treffen wir auch mitten in der Nacht überall auf eifrig futternde Wasserschweine.

Kann man nicht mal nachts in Ruhe fressen?
Kann man nicht mal nachts in Ruhe fressen?

Ein kleines Gürteltier rennt mit steil aufgerichtetem Schwanz durch den Wald. In der Nähe des Besucherzentrums wohnt eine Wildkatze, klein wie eine Hauskatze, gefleckt wie ein Jaguar. Sie streicht um unsere Beine, anfassen lässt sie sich aber nicht.

Wildkatze
Wildkatze

Und über uns wölbt sich ein grandioser Sternenhimmel, mit Milchstraße und Kreuz des Südens. Letzteres sogar dreimal, weil wir nicht genau wissen, welches es ist 😉
Unseren letzten Tag in Carlos Pellegrini verbringen wir mit der Erkundung der noch nicht begangenen Wanderwege im Naturreservat.

Wandern im Naturreservat
Wandern im Naturreservat

Auch den Brüllaffen geben wir noch zweimal eine Chance, aber sie lassen sich nicht blicken. Naja, einen Brüllaffen zumindest kenne ich von meiner letzten Arbeitsstelle, das reicht eigentlich 😀
Dafür treffen wir wieder reichlich Wasserschweine. Und als Höhepunkt läuft zehn Meter vor uns der corzuelo, der kleinste Sumpfhirsch auf den Weg und äst unbeirrt an den Zweigen am Wegesrand, bevor er langsam wieder im Wald verschwindet.

Sieht klein aus, ist aber schon ausgewachsen
Sieht klein aus, ist aber schon ausgewachsen

Und auch von dieser wunderschönen Ecke der Welt haben wir ein kleines Video erstellt, mit O-Ton!

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3 Replies to “Esteros de Iberá – Naturjuwel mitten im Nirgendwo”

  1. Maria Gormanns sagt: Antworten

    Liebe Gina, du solltest ein Abenteuerbuch über eure Weltreise schreiben ,bzw.die Berichte zusammen fassen. Du schreibst so interessant und kurzweilig, es macht mir so viel Freude, eure Berichte zu lesen-und dadurch, dass ihr immer wieder Bilder oder Videos einstellt, ist alles so gut vorstellbar-toll.
    Ja schade mit den Brüllaffen, ich habe so über deinen Kommentar vom Brüllaffen auf der Arbeit gelacht, ich kann mir denken, wen du damit meinst…:):(Viel Spaß und Abenteuer weiterhin LG Maria aus dem sommerlichen und sonnigen Langenfeld(25 Grad)solls heute wieder werden

    1. Vielen lieben Dank! Es freut mich, dass dir die Berichte so gut gefallen. Ja, der Scherz mit dem Brüllaffen war nicht sehr subtil :-))

  2. […] haben atemberaubende Landschaften gesehen: die entspannte Ruhe in den Esteros de Iberá, die Urgewalt der Iguazú-Fälle, die unglaublichen Farben der Quebrada de Humahuaca, […]

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