Ab in den Dschungel – von Riesenameisen und frechen Papageien

Nach Cusco soll es endlich wieder in wärmere Gefilde gehen, wir wollen zum Amazonas, die einmaligen Pflanzen und Tiere hautnah erleben. Der Flug nach Puerto Maldonado ist günstig und dauert nur knapp 40 Minuten. Durch das Fenster im Flugzeug beobachte ich fasziniert die sich verändernde Landschaft: Aus dem kargen Braun der Anden mit tiefblauen Seen wird plötzlich sattes Grün, durchzogen von rot-braunen Flüssen. Kaum sind wir aus dem Flieger gestiegen, kann auch schon die Fleecejacke ins Handgepäck, es ist nämlich warm und schwül. Ein dreirädriges Mototaxi bringt uns zum Hostel.

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Da gehen tatsächlich drei Fahrgäste rein, das Gepäck wird hinten gegurtet

Der Ort Puerto Maldonado liegt im Tropenwald des Amazonas-Tieflandes, dort fließt der Rio Tambopata in den Rio Madre de Dios. Nicht weit hiervon gibt es das Tambopata Naturreservat, wo man in Lodges übernachten und mit Guides den Tropenwald entdecken kann. Ansonsten bietet Puerto Maldonado nicht viel, man kann entspannen und eben den Trip in den Urwald buchen.

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Die Brücke über den Rio Madre de Dios, über 700m lang

Da wir abwechselnd kränkeln, bleiben wir länger als geplant. Immerhin sehen wir einen Tag einen Ara auf dem Strommast landen und ein Faultier im Gras liegen.

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Ara auf Strommast – fast zum Anfassen nah –

Endlich entschließen wir uns zu einer drei Tage / zwei Nächte Tour mit dem Highlight, am letzten Morgen Papageienschwärme Lehm fressen zu sehen. Aber der Reihe nach:
Zusammen mit einem belgischen Paar, einer Irin und einem Amerikaner werden wir am nächsten Morgen mit einem Pickup abgeholt. Da wir mitsamt Fahrer zu siebt sind, dürfen zwei von uns während der zweistündigen Fahrt hinten auf der Ladefläche sitzen. Wir überlassen gerne den jungen Leuten diese Plätze. Schon nach einer Stunde biegen wir in den Urwald ein, von nun an wird der Vierradantrieb des Toyota nötig, denn der Weg ist schlammig, mit tiefen Rillen, durch die sich das Fahrzeug durchkämpft.

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Trotz 4WD und gutem Profil kommt das Fahrzeug immer wieder ins Rutschen 🙁

Nur selten begegnet uns ein anderes Fahrzeug. Dann aber sehen wir mitten auf dem Weg ein Lastendreirad, das seit einem Ausweichmanöver im Schlamm feststeckt. Dessen Fahrer beweist uns, wie glitschig der Schlamm ist, indem er nach zwei Schritten ausrutscht und der Länge nach in den Schlamm fällt.
Selbstverständlich hilft unser Fahrer und zieht das Dreirad aus dem Matsch und die Fahrt geht weiter. Später fahren wir weitere zwanzig Minuten mit einem Boot, bevor wir mittags die Lodge erreichen.

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Alle Mann an Board
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Je Unterkunft gibt es eine Hängematte

Dort werden erstmal die Zimmer aufgeteilt. Wir bekommen ein Doppelzimmer mit eigenem Bad. Man muß sich das so vorstellen: Der Eingang zu unserer Lodge besteht aus einem Vorhang, das Fenster hat weder Scheibe noch Netz und es gibt keine Zimmerdecke, sondern nur ein gemeinsames Dach über allen nebeneinanderliegenden Lodges. Gegen Moskitos gibt es wenigstens (etwas löchrige) Moskitonetze über den Betten. Toilette und Dusche sind auch nur durch Vorhänge vom Zimmer getrennt und das Duschwasser ist kalt. Also schon recht rustikal.

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Aublick beim Zähneputzen

Beim Mittagessen lernen wir Polli kennen, einen kleinen grünen Papagei, der zur Lodge gehört. Dieser erweist sich allerdings als ziemlich frech, indem er Gina an diesem Tag nicht mehr von der Seite weicht. Er kackt vor unsere Lodge-Tür und will mit Gina in die Hängematte und versucht dies mit Schnabelgewalt durchzusetzen.

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Lass mich auch in die Hängematte…

Nachmittags steht dann die erste Urwald-Expedition an. Diese unternehmen wir mit unserem Guide Jesús, ein ausgemachter Macho und Urwaldkenner. Wir sollen beim Laufen ruhig sein, dann könne man auch Affen sehen. Da Jesús mit für uns etwas zu hohem Tempo den Urwald durchquert, sehen wir nur unsere Füsse und unseren Vordermann. Hier und da stoppen wir und schauen uns Pflanzen und Termiten an. Der Urwald ist nicht gerade einfach zu begehen. Überall gibt es Hindernisse in Form von umgestürzten Bäumen, Schlingpflanzen als Stolperfallen, wuchernde Gewächse oder Ameisennester, die man umgehen muss, und dann soll man ja nichts anfassen, da überall kleine bissige Plagegeister sitzen können.

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Also die Bäume sind ganz schön groß…

Noch vor dem Abendessen ist eine Nachtbootsfahrt geplant, die Dunkelheit setzt hier schlagartig gegen halb sechs ein. Dabei fängt Jesús mit bloßen Händen einen jungen Kaiman, den wir dann aus der Nähe betrachten oder sogar halten dürfen.

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Irgendwie unheimlich, diese Schnapptasche ?

Am Ufer sehen wir noch ein jugendliches Wasserschwein, das anscheinend auf Brautschau ist.
Nach dem Abendessen erzeugt ein Generator noch eine Stunde Strom, als um halb zehn dieser auch verstummt, können wir voll und ganz den Sternenhimmel geniessen.
Den nächsten Tag verbringen wir mit Beobachtungen im Wald, wobei sich die Tierwelt vor uns versteckt. Eine Tapir-Spur ist das einzig Interessante. Aus Stöcken baut Jesús einige Angeln, die dann für eine Viertelstunde ins Wasser gehalten werden, leider ohne Erfolg. Nach dem Mittag fahren wir mit Sit-on-Top-Kajaks auf dem Fluss, ein großer Spaß, bei dem wir sogar Affen am Ufer beobachten können.
Die später angesetzte Nachtwanderung lassen wir ausfallen. Als der Rest der Gruppe zurückkommt, berichtet man uns stolz von Taranteln und Riesenameisen.

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Oh wie putzig, dieser kleine Racker ???

Am nächsten Morgen verlassen wir früh um viertel nach fünf das Camp, um mit dem Boot zu den Lehm fressenden Papageien zu fahren. Die Papageien müssen diesen zu sich nehmen, da der Lehm giftige Früchte oder Pflanzen im Magen neutralisiert. Sie fressen aber nur dann, wenn keine Raubvögel in der Nähe sind.

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So hätte es aussehen sollen…

Wir sehen an diesem Morgen viele Papageien hin- und herfliegen, alle unter großem Getöse.

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Im Formationsflug
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Wir bleiben noch in den Bäumen sitzen 🙂

Leider haben sich auch Falken eingefunden, so daß die große Show ausbleibt. Die kleinen Papageien verziehen sich zu kleineren Lehmstellen, die man nicht beobachten kann und die großen Aras bleiben oben in den Ästen sitzen. Wir nehmen noch ein kurzes Frühstück zu uns und fahren dann zurück zur Lodge. Dort gehts nach dem Mittagessen auch schon zurück nach Puerto Maldonado (m).

2 Replies to “Ab in den Dschungel – von Riesenameisen und frechen Papageien”

  1. Schwesterherz sagt: Antworten

    Prima, dass bei euch alles so gut läuft! Ein Viertel ist ja schon rum….die Zeit rennt…
    Wir sitzen hier den verregneten Sommer aus und freuen uns über euren bunten Berichte aus der Ferne… Bleibt gesund ?

    1. Ja, die Zeit vergeht schnell, wobei ich mich seit einer Woche mit einer Erkältung rumschlage. Heute morgen lag auf dem nahegelegenen Vulkan Misti Schnee, das ist ungewöhnlich, also auch hier ist das Wetter schlechter als sonst, aber zumindest besser als in Deutschland. Liebe Grüße in die Heimat ??

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