Cuba – wie war es denn nun?

Und unser Fazit nach vier Wochen Cuba?

Es bleibt bei den Widersprüchen. Wie Ilona auf ihrem Blog auch schreibt, ist Cuba nicht einfach nur toll oder nur schrecklich. Cuba ist faszinierend, mit einer freundlichen, offenen Bevölkerung. Natürlich sind viele von ihnen an unseren Devisen interessiert. Wer will ihnen das verdenken, es ist schließlich lebensnotwendig für sie. Dennoch hatten wir oft den Eindruck, dass sie auch an uns selbst interessiert sind wie die ältere Frau in Santiago, die sich zu uns auf die Bank setzte, obwohl wir ihr nichts gegeben hatten und mit uns über ihre und unsere Familien plauderte. Die Kehrseite davon sind junge Männer, die „berufsmäßig“ Touristen vollquatschen, um etwas zu erbetteln.

Andererseits ist die Armut bedrückend. Wenn wir sehen, in was für Bruchbuden die Menschen teilweise hausen müssen, ist das für uns schwer zu verdauen.

Man sieht auch deutlich, wo Leute wohnen, die Devisen verdienen: dort ist das Haus schön bunt angestrichen, auch Zimmer und Bad sind auf nahezu westlichem Standard – zumindest da, wo die Gäste untergebracht werden. Im Privatbereich sieht es oft schon wieder anders aus.

Theoretisch haben alle die gleichen Chancen: es gibt Schulbildung, Studium, medizinische Versorgung, Wohnraum und Lebensmittel für alle.

Schüler in Cienfuegos
Schüler in Cienfuegos

Allerdings reicht die monatliche Lebensmittelration nicht zum Leben. Das für Pesos erhältliche Angebot ist äußerst spärlich. Weitere Lebensmittel sind nur gegen Devisen erhältlich, wenn überhaupt.

CUC - Peso convertible, die Devisenwährung Cubas
CUC – Peso convertible, die Devisenwährung Cubas

Daher halten sich viele Kubaner gerade im ländlichen Raum Hühner oder Schweine. Rinder dürfen nur von staatseigenen Betrieben gehalten werden, es gibt weder Rindfleisch noch frische Milch zu kaufen. Dafür laufen selbst in der Innenstadt Havannas Hühner rum.

Das Gehalt der kubanischen Staatsbediensteten liegt zwischen 15 und 20 Euro monatlich. Da wundert man sich auch nicht mehr über unmotiviertes Personal in staatlichen Restaurants und Hotels. Mittlerweile gibt es wohl auch Schwierigkeiten, genug Lehrer oder Ärzte zu gewinnen. Schließlich bringt eine einzige (illegale) Taxifahrt mit Touristen soviel ein wie ein Monatsgehalt im Staatsdienst. Das Nachsehen haben diejenigen, die keine Möglichkeit haben, irgendwie an Devisen zu kommen wie Rentner ohne Angehörige.

Cuba ist ein sicheres Reiseland. Das ist die positive Kehrseite eines Polizeistaats. Wir haben uns überall unbesorgt bewegen können. Ob die reichlich vorhandenen Plakate mit sozialistischen Parolen tatsächlich zur Motivation der Bevölkerung beitragen, sei dahingestellt.

Es gibt reichlich beeindruckende und nahezu unberührte Natur. Auch das ist eine positive Folge dessen, dass der technische Fortschritt einen großen Bogen um Cuba gemacht hat. Keine zubetonierten Landschaften, keine Schadstoffe ausspuckenden Fabriken. Gut, die antiquierten Fahrzeuge stoßen schon ordentliche Rußwolken aus, aber bei knappem Benzin und sonstigen Ressourcen werden sie nicht so viel rum gefahren.

Trotz oder gerade wegen aller Widersprüche hat uns unsere Reise durch Cuba sehr gut gefallen. Wir haben aufgeschlossene Menschen kennengelernt, die bei allen Widrigkeiten ihres Alltags immer wieder fantasievolle Lösungen finden, fröhlich bleiben und tatsächlich die karibische Lebensfreude widerspiegeln. Die Cubaner machen letztendlich den Charme aus, den die Karibikinsel trotz aller sozialistischen Tristesse ausstrahlt. (G)

4 Kommentare

  1. Hallo Gina,

    Kuba ist so schön und fotogen, dass selbst Knipser wie ich ein paar sehenswerte Fotos nach Hause bringen. Kuba ist vielseitig von der Landschaft (Vinales bis Baracoa), vom Essen und der Unterkunft (staatliches Einerlei bis zu den gastlichen Casa Particular), von der Spanne zwischen Arm und Reich…

    …und natürlich den Menschen selber: Jene, welche CUC verdienen können, schimpfen über den Sozialismus. Jene, welche von der Partei und deren Beziehungsgeflecht profitieren, schimpfen über den Kapitalismus. Jene, welche weder noch profitieren, schimpfen über die beiden vorgenannten Gruppen.

    Ich finde diese Beschreibungen, wenn man sie etwas landestypisch anpasst, jedoch auf viele Länder übertragbar/anpassbar. Exemplarisch fallen mir gerade ein: Gegensätze Arm/Reich (Indien), mangelnde Pressefreiheit (Usbekistan, Vietnam), landschafliche Vielfalt (Bolivien, Chile) oder fragwürdige Rechtsstaatlichkeit (USA). Ich habe es schätzen gelernt, dass wir in Deutschland in einem Paradies leben. Dies wird mir bei fast jeder Reise erneut deutlich.

    Oh, was schreibe ich hier?!?! – Es stimmt zwar, aber anderseits fällt mir auf, dass ich bei keinem anderen meiner Reiseberichte am Ende derart viel „Un-touristisches“ geschrieben habe, wie bei meinen Kuba-Erzählungen aus 2010. Kuba ist auch für mich also kein „normales“ Reiseland gewesen.

    Ich denke gerade an die alte Frau, welche in Havanna am Straßenrand ihre gebrauchten Schuhe zum Kauf anbot. Sie hatte Hunger. – Ich denke an die Mutter, welche mich bat abzuwarten bis die Kinder zur Schule sind. Sie wollte sich mit mir offen unterhalten. – Ich denke Kuba berührt. Dieses große Gefängnis mit herzlichen Menschen…

    bernard

    1. Hallo Bernard,
      das hast du nochmal treffend auf den Punkt gebracht. Gerade die Menschen Cubas berühren und wie sie jeder auf seine Weise mit dem System klar kommen. Da scheinen sich deine Erfahrungen mit unseren zu decken.
      LG
      Gina und Marcus

    2. Sicher stimmt es für viele Länder mit den Gegensätzen, aber z.B. ist es mir in Usbekistan nicht so ins Auge gestochen. Ich war nicht SO hin- und hergerissen, wie auf Kuba, was ich denn nun über Usbekistan denken soll.

      Allerdings lag meine Hin- und Hergerissenheit bei Kuba auch noch an anderen Dingen, nicht nur an der politischen Situation.

      1. ja, das ist immer ein sehr subjektiver Eindruck. Es kommt drauf an, wen man trifft, was man erlebt, wie es einem selber dabei gerade geht und viele Dinge mehr.

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