Cloncurry, Heimat der Flying Doctors

Roadtrip mit Kermit Tag 11 – 13

Heute nehmen wir 450km unter die Räder. Wir staunen nicht schlecht, über wieviele ausgetrocknete Bachbetten man fährt. Und jedes staubtrockne Bachbett ist mit einem Warnschild „Floodway“ und einem dazugehörenden Pegelmesser, teilweise bis 6m Höhe messend, ausgestattet.

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Immer wieder Anzeichen drohender Fluten

In der Wet Saison stehen dann viele Straßen nach heftigen Regenfällen (und bis zu 50 Grad Hitze) unter Wasser. Wie gehen die Aussies damit um? Sie bleiben einfach zu Hause.
Plötzlich sehe ich in einiger Entfernung etwas Großes auf der Sraße stehen. Dieses Etwas entpuppt sich als prächtige Emudame, die ihren Nachwuchs über die Sraße führt und geduldig in der Mitte wartet, bis die Kleinen den sicheren Seitenstreifen erreicht haben. Zeit genug für ein paar schöne Fotos.

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Der rettende Busch ist erreicht

Wenig später geraten wir in einen Heuschreckenschwarm. Immer wieder fliegen die riesigen Insekten mit beträchtlichem Knall gegen Motorhaube, Windschutzscheibe oder Kühlergrill. Eine Heuschrecke verirrt sich durch die Seitenscheibe und springt Gina fast auf den Schoß. Zum Glück hüpft sie im gleichen Augenblick auch wieder raus. Stunden später entdecken wir die noch zappelnden Überreste einiger Tiere am Kühler. Zum Glück erbarmt sich ein Vogel dieser, pickt sie aus dem Kühlergrill und verspeist sie mit Genuss vor unseren Augen. Eine Win-win Situation.

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Gleich kommt der Vogel…

Auf halbem Weg machen wir Rast im Bourke und Wills Roadhouse. Auf dieser Strecke die einzige Abwechslung am Straßenrand und auch der einzige Abzweig. Das Roadhouse ist nach den beiden Pionieren benannt, die im 19. Jahrhundert zu einer Expedition von Süd- nach Nordaustralien aufgebrochen waren. Schon für heutige Verhältnisse ist das ein riesiges Unterfangen. Damals, als es noch keine Straßen gab, war es selbstmörderisch. Leider haben die Beiden es auch nicht geschafft, sie sind irgendwo verschütt gegangen. Eine rasch eingeleitete Suche blieb erfolglos. Auf der Terasse des Roadhouse essen wir hausgemachte Pies, umringt von laut lärmenden Happy Jacks, amselgroße grau-schwarze Vögel. Diese treten meist im Dutzend auf, zanken sich frech und scheinen immer gut gelaunt zu sein.

Hier am Roadhouse sehen wir auch erstmals die Roadtrains von Nahem. Beladen mit hunderten von Kühen, zweistöckig, drei Anhänger hintereinander. Beim Losfahren macht das Vieh ebensoviel Lärm wie die Zugmaschine.

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Roadtrain mit vielen, vielen Kühen

Nachmittags kommen wir in Cloncurry an. Dieser Ort, von den Outbackern nur „The Curry“ genannt hat seinen Namen nach Lady Elizabeth Cloncurry, der Cousine eines der Entdecker. Als ich davon das erste Mal höre, muss ich lachen, ist der Name doch eher ungewohnt.

Von der Rezeption des Campingplatzes lotst uns der freundliche Platzwart mit seinem Golf-Kart die 60 Meter zu unserem Stellplatz. Seine geschätzten 180 kg Lebendgewicht sind bestimmt nicht leicht zu bewegen.

Cloncurry ist seit längerem wieder ein Ort, in dem man relativ günstig einkaufen kann und Telefonempfang hat. Da uns der Campingplatz auf Anhieb gut gefällt, beschließen wir, mindestens zwei Nächte zu bleiben. Wir müssen einkaufen, Wäsche waschen und skypen, und der Platz hat einen verlockenden Pool. Mittlerweile haben die Tagestemperaturen Badewetter erreicht.

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Easy Going ?
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Eine Badenixe ?

Man glaubt ja nicht, wieviel Zeit fürs Einkaufen draufgeht. Als wir im Woolie’s ankommen, freuen wir uns über ein großes Angebot und moderate Preise. Oft habe ich den Eindruck, dass das Personal hier hilfsbereiter und freundlicher ist als bei uns. Oder liegt es daran, dass wir so entspannt sind?

Die normalen Supermärkte dürfen aus rechtlichen Gründen keinen Alkohol im Angebot haben. Dafür müssen wir in die Bottleshops. Es wird vielfach für den mäßigen Umgang mit alkoholischen Getränken geworben, trotzdem haben wir den Eindruck, daß gerade im Outback viel getrunken wird.

Am nächsten Tag will ich neben den üblichen Haushaltsaufgaben noch einen Campingstuhl reparieren. Ein Niet fehlt und ich habe die Idee, diesen durch eine Schraube zu ersetzen. Da bei mir nicht nur eine Schraube locker ist, sondern ganz fehlt, gehe ich zum netten Platzwart und erkläre ihm das Problem des Campingstuhls. Der Campingwart führt mich in seine Werkstatt und repariert mit seiner Popnietzange ruckzuck den Stuhl, wohlgemerkt gratis. Was für ein Service!

Beim abendlichen Spülen in der Camp Kitchen haben wir Besuch von Fröschen und Geckos. Die Geckos sind scheu und veschwinden sofort in irgendwelchen Ritzen, während ein Frosch uns geduldig beim Abwasch zuschaut.

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Der Spülfrosch

Ein Highlight in Cloncurry ist das Museum der Flying Doctors. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der in Cloncurry lebende Pastor John Flynn die Idee, im Outback verletzten oder erkrankten Personen schneller als bisher zu helfen. Statt tagelanger quälender Ritte oder Fahrten des Patienten zum Doktor in die nächste Stadt sollte der Doktor zu den Verletzten kommen, per Flugzeug. Flynn erreichte 1928 das Ziel unter großer Mühen mit Hilfe von Sponsoren und ebenso engagierten Mitstreitern. Das Flugzeug war eine von QANTAS geliehene Maschine. Ein detailgetreues Modell ist im Museum zu bestaunen.

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Damit flogen die ersten Flying Doctors (also mit dem Original)

Mit der Flugrettung einher ging die Entwicklung der ersten mobilen Funkgeräte. Statt Strom aus der Steckdose gab es einen Pedalantrieb, mit Hilfe dessen ein Generator den Strom erzeugte. Mit diesen Funkgeräten konnte man die Flying Doctors rufen. Noch heute retten die Flying Doctors täglich Menschenleben. (M)

Kermit-Logbuch Tag 11 – 13:

Karumba – Cloncurry

Kilometer: 456

Camp: Oasis Caravan Park Cloncurry

Gesamtkilometer: 1788

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