Choeung Ek, die Killing Fields bei Phnom Penh

Nicht nur prachtvolle Gebäude, beeindruckende Kunstwerke, Skurrilitäten und kulturelle Highlights gehören zu den Dingen, die man auf einer Reise besichtigt. Manchmal gibt es auch sehr düstere Zeugnisse der Geschichte eines Landes zu sehen. Kambodscha hat mit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in gar nicht so weit zurückliegender Vergangenheit eines der dunkelsten Kapitel der Neuzeit aufzuweisen.

Die Killing Fields in Choeung Ek bei Phnom Penh sind ein stilles und gleichzeitig sehr beredtes Mahnmal. Hier gedenkt man der Gräueltaten, die zwischen 1975 und 1979 am kambodschanischen Volk verübt wurden.

Heute ein unwirklich friedlicher Ort: Gedenkstupa in Choeung Ek

Ein Tuktuk bringt uns in einer Stunde Fahrt dorthin. Mit dem Eintritt erhalten wir einen deutschsprachigen Audioguide. Dieser liefert sowohl Informationen als auch erschütternde Augenzeugenberichte zu den damaligen Geschehnissen.

Wir sind zu viert, aber nach den ersten Stationen geht jeder für sich allein. Heute wirkt das Gelände unwirklich friedlich. Grüne Rasenflächen, blühende Bougainvilleen, stille Teiche. Die Gebäude sind abgerissen. Nur Infotafeln erinnern an das dunkle Gefängnis, in dem Menschen auf ihren Tod warteten, an das Haus der Wachen, an die Chemikalienkammer.

Große Gruben zeigen die bis heute geöffneten Massengräber an. Immer noch werden nach Regenfällen Knochen und Kleidungsstücke an die Oberfläche gespült.

Die Opfer wurden auf Lastwagen aus dem berüchtigten Tuol Sleng Gefängnis nachts hierhin transportiert. Dort hatte man ihnen unter Folter Geständnisse abgepresst. Ob sie ihren Peinigern glaubten, als diese ihnen erzählten, sie würden entlassen und an einen Ort gebracht, wo sie ein neues Leben anfangen sollten?

Tafeln informieren über die Stationen

Hier angekommen wurden sie bestialisch mit Knüppeln, Hacken oder Äxten erschlagen – man wollte keine Munition auf sie verschwenden. Um ihre Schreie zu übertönen, schallte laute Musik aus in Bäumen aufgehängten Lautsprechern.

Das erschütterndste Mahnmal ist ein über und über mit bunten Gedenkbändchen geschmückter Baum. Hier wurden vor den Augen ihrer Mütter Babies und Kleinkinder gegen den Stamm geschleudert. In der Grube daneben fand man die Leichen der jungen Frauen und ihrer Kinder.

Ich kann die Tränen nicht mehr zurückhalten, als ich an diesem Ort des Grauens ankomme. Unfassbar, zu was Menschen fähig sind! Und wie traurig die Gewissheit ist, dass so etwas überall auf der Welt jederzeit wieder passieren kann. Ein paar krankhaft narzistische Führungspersonen und eine Masse, die blindlings oder eingeschüchtert folgt, mehr braucht es nicht. Gedenkstätten, ob Killing Fields oder Konzentrationslager sind wichtig, um das Unrecht nicht vergessen zu lassen. Ob sie eine läuternde oder vorbeugende Wirkung haben, wage ich zu bezweifeln.

Mit diesen traurigen Gedanken besuche ich zum Abschluss den Gedenkstupa. Tausende von Schädeln und Knochen sind hier aufbewahrt und geben noch einmal eine Vorstellung von dem Massenmord, der hier und auf vielen anderen Killing Fields des Landes geschehen ist.

Blumenkranz vor dem Gedenkstupa

Am Ausgang treffen wir vier uns nach und nach wieder. Wir haben ziemlich lange gebraucht, um diesen Ort auf uns wirken zu lassen und unseren Gedanken nachzuhängen. Für den eigentlich geplanten Besuch des Tuol Sleng Gefängnisses in Phnom Penh bleibt am Nachmittag daher nicht mehr genügend Zeit. Vielleicht auch gut so, für heute haben wir genug Schreckliches gehört und gesehen. (G)

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