Mexico

Zu meinem 50. Geburtstag wollten wir – statt einer Feier mit launigen Gedichten über mein vorgerücktes Alter über mich ergehen zu lassen – in die Ferne flüchten. Ende Oktober kommen da eher tropische Destinationen in Betracht.

Unsere erste Fernreise führte uns so nach Mexico. Da wir aber ein bisschen verschreckt von den vielen Warnungen (Drogenkrieg! Raub! Überfall! Diebstahl!….) waren, trauten wir uns noch nicht so richtig, auf eigene Faust loszuziehen. So buchten wir eine Rundreise in einer Kleingruppe und fürs Abenteuer noch einige Tage davor und danach individuell. Um es kurz zu machen: die individuell gestalteten Teile der Reise waren die besten!

Veracruz

Wir begannen (ausgerechnet!) in Veracruz, der Stadt, wo Cortéz zum ersten Mal mexikanischen Boden betreten haben soll. Wir liefen durch die Stadt, ohne überfallen zu werden, aßen mexikanisches Essen, ohne von Montezumas Rache getroffen zu werden und fuhren mit klapprigen Nahverkehrsbussen, ohne zu verunglücken.

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Xalapa

Mit dem Fernbus, der im Gegensatz zu den Nahverkehrsbussen kein bisschen klapprig war, sondern im Gegenteil so luxuriös, dass man sich in Europa eine Scheibe davon abschneiden könnte, ging es vom tropischen Veracruz in höher gelegene Xalapa (auch Jalapa geschrieben). Hier lockte uns das Anthropologische Museum, nach dem in Mexico City das zweitgrößte des Landes. Im Gegensatz zu Mexico City gab es hier keinen Touristentrubel, wir hatten das riesige Museum fast für uns.

Überall wurde schon für Allerheiligen, den „Día de los Muertos“ dekoriert. Abends gab es in den Gassen der Universitätsstadt entspanntes Kneipenleben mit heißen Rhythmen und zum Abschied von Xalapa konnten wir noch einen Blick auf den meist hinter einem Wolkenvorhang versteckten Vulkan Orizaba erhaschen.

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Mexico City

Ein weiterer Bus der Luxusklasse brachte uns für erstaunlich kleines Geld nach Mexico City, wo wir unsere Reisegruppe trafen. Wir kamen am 01. November an, hatten ein Hotel am zentralen Platz Zócalo, wo die ultimative Día-de-los-Muertos-Feier stattfand. Riesige aus bunten Blütenblättern gestreute Bilder schmückten das Pflaster, auf verschiedenen Bühnen gab es Darbietungen und eine fröhliche Menschenmenge schob über den Platz. Kein Gedrängel, keine Aggressionen – erstaunlich!

Die ersten Tage besichtigten wir die Attraktionen in und um Mexico City, wie das Anthropologische Museum, die alte Stadt Teotihuacan mit Sonnen- und Mondpyramide, die barocke Kathedrale, die langsam im sumpfigen Untergrund zu versinken drohte.

Auch hier überall Totenkopf- und Skelettdekos, oft in fröhlichen Farben mit bunten Blütenblättern geschmückt.

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Von Mexiko City ging es im Kleinbus über die Berge der Sierra Madre Richtung Süden. Der Vulkan Popocatépetl versteckte sich hinter dichten Wolken.

In der hübschen Stadt Puebla hatten wir ein paar Stunden Aufenthalt. Besonders gut gefielen uns die mit den typischen braunen Schmuckkacheln verzierten Häuser. Rund um den Zócalo herrschte entspanntes Treiben und wir probierten eine Spezialität der Region: gefüllte Spitzpaprika mit einer köstlichen weißen Walnuss-Soße. Lecker!

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Oaxaca

Weiter führte die Reise in den Bundesstaat Chiapas, wo wir relativ spät abends ankamen. Das Hotel lag etwas außerhalb des Zentrums, der Speiseraum hatte den Charme einer Bahnhofshalle. Unsere Ängste vor Latino-Kriminalität waren inzwischen soweit abgeklungen, dass wir uns zusammen mit einem anderen Paar der Reisegruppe zu Fuß auf den Weg zum Zócalo machten. In einem Lokal probierten wir mutig eine weitere lokale Spezialität: gegrillte Heuschrecken. Sie waren in Salz und Zitrone eingelegt und schmeckten dementsprechend hauptsächlich salzig und sauer.

Der nächste Tag bescherte uns nach dem Marktbesuch das Event „Kochen bei einer Zapotekenfamilie“. Mit einfachsten Utensilien wie ein Mahlstein zum Zerkleinern der Soßenzutaten, Holzkohlefeuer und Ton- oder Blechtöpfen bereiteten wir gemeinsam einen schmackhaften Eintopf zu. Es macht nachdenklich, zu sehen, in welch ärmlichen Umständen diese Leute leben.

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Nachmittags füllte sich die Dorfstraße mit Schulkindern, die nach Hause gingen oder in dreirädrigen Mototaxis nach Hause gefahren wurden.

Weiter durch Chiapas

Auf der Weiterreise machten wir Halt an den Zapoteken- und Mixteken-Stätten Monte Albán und Mitlá.

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Zum Übernachten ging es runter an einen Ort an der Pazifikseite, der uns allerdings nicht weiter in Erinnerung geblieben ist. Hier war es wieder tropisch warm, ebenso wie im Sumidero Canyon, durch den wir mit einem röhrenden Speedboat jagten. An den Ufern lagen vereinzelt Krokodile, an anderen Stellen wuselten ganze Schwärme von Geiern rum, weiter oben im Canyon boten die hochragenden, nahezu senkrechten Seitenwände ein großartiges Panorama.

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Unsere nächste Station in San Cristóbal de las Casas sorgte für ordentlich Abkühlung, denn hier in 2100 m Höhe wird es empfindlich kalt. San Cristóbal ist ein indigenes Zentrum, rundum gibt es viele traditionelle Dörfer, wie San Juan Chamula, welches wir besuchten. Die Frauen tragen traditionelle Tracht mit langen schwarzen Röcken und bunt bestickten Schultertüchern, in der kleinen Dorfkirche herrschte eine fröhlich-mystische Stimmung. Auf dem Friedhof sah man noch die farbenprächtigen Blumen und Obst- und Gemüsegaben von der Día-de-los-muertos-Party.

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In den Straßen von San Cristóbal sieht man viele bunte Pick-Ups, die mit Bildern und Namen geschmückt sind.

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Agua Azúl und Misol Ha

Nach zwei Tagen in den kalten Höhen um San Cristóbal waren wir froh, als es wieder in tropische Gefilde ging. Auf dem Weg nach Palenque machten wir Halt an den türkisblauen Sinterterrassen von Agua Azúl. In mehreren Stufen fällt der Fluss in weißschäumender Gischt von Becken zu Becken. In den Becken stand das Wasser so ruhig, dass wir darin baden konnten.

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Ein weiterer Wasserfall auf dem Weg war Misol Ha, der aus 20 Meter Höhe in ein dunkles Wasserbecken stürzte. Hinter dem Wasserfall konnten wir einen schlüpfrigen Pfad entlang gehen.

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Palenque

In Palenque besichtigen wir die Pyramiden mitten im Dschungel. Die dichte grüne Vegetation schien von allen Seiten die verwitterten Bauten anzugreifen, eine mystische Atmosphäre lag in der Luft. Große Teile der Anlage sind immer noch unter dem Dschungel verborgen.

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Uxmal

Weiter ging es über Campeche Richtung atlantische Küste. Nun befanden wir uns im Bundesstaat Yucatán. Eine der eindrucksvollsten Pyramiden war für uns Uxmal, mit der riesigen ovalen Pyramide des Zauberers, unzählige steinerne Chaaks mit ihren Rüsselnasen als Verzierung und die aus dem Dschungel aufragenden Giebel des noch unerforschten Taubenhauses. Dicke Leguane sonnten sich auf den sonnengewärmten Steinen.

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Mérida

Von Mérida aus machten wir einen Bootsausflug in die Mangroven der Atlantikküste. Von den Uferfelsen beäugten uns Pelikane, in der Lagune standen Heerscharen von Flamingos und schließlich tauchten wir mit dem Boot in grüne Tunnel aus Mangroven ein.

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Chitchén-Itzá

Die bekannteste Pyramide im Maya-Land ist sicherlich Chitchén-Itzá. Da sie von den Badeorten der Karibikküste einigermaßen gut erreichbar ist, werden Busladungen von Touristen hier hin gekarrt. So schoben wir uns mit Hunderten anderer Menschen durch die weitläufige Anlage.

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Tulúm

Auf dem Weg zu unseren Hotels an der Küste wurde noch ein Halt bei den Pyramiden von Tulúm eingeschoben. Es war der einzige Maya-Ort, der direkt am Meer lag. Die nicht ganz rechtwinklig ausgeführten Gebäude erinnern uns irgendwie an Comic-Zeichnungen.

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Playa del Carmen

In Playa del Carmen wurden die Reiseteilnehmer auf die von ihnen vorher gebuchten Hotels verteilt. Wir hatten selber ein kleines Hotel im Zentrum des Ortes ausgesucht, das wunderhübsch war und in dem wir noch ein paar Tage relaxten, bevor es ins winterkalte Deutschland zurückging.

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