Chaiten bis Coyhaique

Als wir uns Chaitén nähern, werden die Auswirkungen des verheerenden Vulkanausbruchs von 2008 immer sichtbarer. Ganze Hänge von abgestorbenen Bäumen, deren Stämme kahl emporragen, dazwischen der Boden von grauer Asche-Schlammschicht bedeckt.

Von Vulkanasche erstickte Vegetation bei Chaitén
Von Vulkanasche erstickte Vegetation bei Chaitén

Der Vulkan Chaitén brach nach jahrtausenderlanger Ruhe völlig überraschend aus und erstickte den gleichnamigen Ort in einer dicken Ascheschicht. Der neben der Stadt entlangfließende Fluss wurde durch die Asche aufgestaut, trat aus seinem Bett und sorgte als mächtige Asche-Schlammlawine für weitere Verwüstung.

Spuren der Verwüstung in Chaitén
Spuren der Verwüstung in Chaitén

Der Ort hat immer noch in weiten Teilen das gespenstische Flair einer Geisterstadt. Ungefähr ein Drittel der vorigen Einwohner ist zurückgekehrt. Die restlichen Häuser sind versperrt. Viele Häuser stehen immer noch halb voll mit der Asche-Schlamm-Masse. Darüber kann man teilweise den Hausrat erkennen. In der Straße, die der Asche-Fluss zu seinem neuen Bett auserkor, sind die übriggebliebenen Häuser krumm und schief, aus den Fundamenten gehoben oder teilweise weggerissen.

Smaragdgrüner Rio Yelcho
Smaragdgrüner Rio Yelcho

Hinter Chaitén folgen wir dem Tal des Rio Yelcho, der sich in breiten Armen zwischen Kiesbänken durchwindet. Am Ventisquero Yelcho unternehmen wir eine etwa dreistündige Wanderung bis zum Fuß des blauleuchtenden Gletschers.

Riesige Nalca-Pflanze
Riesige Nalca-Pflanze
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Gletscher Ventisquero Yelcho

Unsere Fahrt führt weiter Richtung Süden. Wir überqueren weite Flussbetten, in denen der Strom zwischen ausgedehnten Kiesbänken mäandert. Auf den Kiesbänken liegen große Baumleichen und anderes Schwemmholz, ein Zeichen, mit welcher Kraft das Wasser hier entlangfließen kann.

Carretera Austral Schild
Straßenschild

Nach La Junta wird die Straße noch holpriger und schmaler. Wir kommen jetzt in den Nationalpark Queulat. Puerto Puyuhuapi ist unser heutiges Ziel.

Puyuhuapi bienvenidos
Willkommen in Puerto Puyuhuapi

Der kleine Ort besteht aus einer Handvoll Holzhäuser am Ufer des Fjords. Vier etwas größere Häuser stehen optisch hervor. Es sind die Häuser der sudetendeutschen Pioniere, die den Ort erst 1935 gegründet haben. Eines davon, das von der Tochter eines der Gründerväter heute als Hostal geführt wird, ist unsere Unterkunft. Wir beziehen unser Zimmer an der Giebelseite unterm Dach, von wo aus wir einen weiten Blick über den Fjord haben.

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Tiefe Wolken über der Bucht
Auf dem Rückweg bei strahlendem Wetter
Auf dem Rückweg bei strahlendem Wetter

Die Wanderung zum berühmten Ventisquero Colgante – dem Hängenden Gletscher findet bei typisch patagonischem Wetter statt – strömenden Regen. Wasserfest eingepackt machen wir uns auf dem Weg.

Wanderung Ventisquero Colgante
Der Weg ist fast schon paddelbar 😉

Eine breite Holz-Hängebrücke überquert einen reißenden Gletscherfluss.

Ventisquero Colgante Hängebrücke
Brücke über den Fluss

Auf der anderen Seite geht es auf schmalen Pfad durch den triefenden Wald bergauf. Fuchsien, Nalcas und Bambusgewächse begleiten den Weg. Nach anderthalb Stunden Wanderung erreichen wir den Aussichtsplatz. Wir haben Glück, dass der Niederschlag jetzt nachlässt und der zunächst regenverschleierte Blick auf die gegenüberliegende Felswand klarer wird. Dort schiebt sich zwischen zwei Berggipfeln ein blauglitzernder Gletscher an die Kante der schwarzen Steilwand. Zwei Schmelzwasserfälle rauschen gischtsprühend hinunter. Ab und zu löst sich ein größerer Eisbrocken und donnert in die Tiefe.

Ventisquero Colgante - der Hängende Gletscher
Ventisquero Colgante – der Hängende Gletscher

Auch der nächste Tag beginnt regnerisch. Unterwegs klart es auf. Die Wälder leuchten in frischem, dunklem Grün. Überall aus den Hängen stürzen kleinere und größere Wasserfälle. Die Straße führt entlang eines Flusslaufs Richtung Meer. Kurz vor Puerto Cisnes ist eine Straßenbaustelle eingerichtet, die Verkehrsführung ist einspurig. An jedem Ende der Baustelle steht ein in Warnsignal-Orange gekleideter Arbeiter mit einem Schild, das auf einer Seite rot mit „Pare“ (Stopp) und auf der anderen grün mit „Siga“ (Fahren) beschriftet ist. Per Walkie-Talkie wird sich offensichtlich mit dem anderen Baustellenende verständigt und das entsprechende Signal gezeigt.

Carretera Austral Baustelle
Typische Baustelle

Puerto Cisnes ist ein kleiner Hafenort mit schmucken Holzhäuschen an einer hübschen Bucht. Auf dem Wasser schaukeln kleine Fischkutter, kleinere Boote liegen auf dem flachen Strand. Nur die schwarzen Schwäne, nach denen der Ort benannt ist, lassen sich nicht blicken.

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Morgenstimmung in Puerto Cisnes

Außer dass es ein gewisses Angebot an Supermärkten und Restaurants gibt, hat Coyhaique keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Wir erkundigen uns nach den Fahrzeiten der Fähre, die den Lago General Carrera zwischen Chile Chico und Puerto Ibánez überquert. Leider stellt sich heraus, dass die Tage, an denen die Fähre verkehrt, nicht in unseren Zeitplan passen. So muss die geplante Umrundung des größten Sees Chiles leider ausfallen.

Weiter geht es Richtung Süden, zunächst noch auf asphaltierter Straße, die beim Abzweig Richtung Villa Cerro Castillo wieder in Schotterpiste übergeht. Cerro Castillo ist ein Gebirge mit bizarren Bergspitzen, die an ein mit Türmen und Giebeln geschmücktes Felsschloss erinnern. Die Straße schraubt sich bis auf über 1000 Meter Höhe hinauf.

Cerro Castillo
Schneebedeckte Höhen im Cerro Castillo
Cerro Castillo Berge
Unten grün, oben weiß

Kurz hinter Villa Cerro Castillo führt ein unscheinbarer Feldweg zu einer kulturhistorischen Attraktion: den Manos de Cerro Castillo. Hier finden sich Felszeichnungen der Ureinwohner, die vor 8000 bis 10000 Jahren entstanden sind. Mit roter Farbe und teilweise in Negativtechnik sind viele unterschiedlich große Hände auf der Felswand verewigt.

Manos de Cerro Castillo
Hände an der Felswand

weiter zu Lago General Carrera

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