Salar-de-Uyuni-Tour – muss das sein?

Salar-de-Uyuni-Tour – wirklich ein must-see?
Zu den Highlights einer Reise ins Atacama-Gebiet gehört die Tour übers bolivianische Altiplano und den Salar de Uyuni.

Salar de Uyuni
Salar de Uyuni

Wüste in allen Farben, bizarre Felsformationen, vielfarbige Lagunen, von Heerscharen von Flamingos bevölkert und die blendendweiße endlose Ebene des größten Salzsees der Welt – auf vielen Fotos bewundert, will man das natürlich auch mit eigenen Augen sehen. Uns ging es nicht anders, selbstverständlich war die Salar-Tour von vornherein eingeplant.
Mit hohen Erwartungen ging es los, mit zwiespältigen Gefühlen blicke ich zurück. Warum? Das will ich versuchen, in diesem Beitrag zu beschreiben.Hohe Erwartungen
Das erste sind die hohen Erwartungen. Den Árbol de Piedra, die Laguna Colorada, die Kakteeninsel auf dem Salar, die verrückten Perspektivfotos auf der endlosen Salzfläche, die rostenden Loks auf dem Cementerio de Trenes – alles schon auf perfekt inszenierten Bildern gesehen. Da ist der Himmel leuchtend blau, die Flamingos posen in Reih und Glied und keine störenden Warnschilder ragen ins Foto. Perfekte Fotos machen es der Realität schwer mitzuhalten.
In der Realität stehen rund um den Árbol de Piedra störende Pfähle mit Warnschildern, ist der Himmel über der Laguna Colorada bedeckt, so dass ihre Farben nicht zum Leuchten kommen und mit Mühe und Not lassen sich ein paar einsame Flamingos entdecken, zu weit weg, um mit der vorhandenen Telebrennweite ein bildfüllendes Motiv zu ergeben.

Laguna Colorada - mit Wolken, ohne Flamingos
Laguna Colorada – mit Wolken, ohne Flamingos

Und die lustigen Fotos im Spiel mit der Perspektive auf dem Salar wollen auch nicht so recht gelingen.

Strapazen und Kälte
Das zweite sind die recht strapaziösen Umstände der Reise. Das zeigen die superschönen Fotos nämlich nicht. Herumgesprochen hat sich wohl die durchaus schwankende Qualität der bolivianischen Touranbieter.

Top oder Flop? Wartende Autos der Touranbieter
Top oder Flop? Wartende Autos der Touranbieter

Da hört man von maroden Autos, betrunkenen Fahrern, Nicht-Einhalten des Reiseplans. Muss alles nicht passieren, kann aber. Dass wir darauf keinen Einfluss haben und nur hoffen können, nicht an ein schwarzes Schaf zu geraten, war uns vorher klar. Abgesehen davon, dass die Reifen unseres Fahrzeugs null Profil hatten, war alles in Ordnung.

Reifenprofil? Geht auch ohne!
Reifenprofil? Geht auch ohne!

Unser Fahrer war nüchtern und freundlich, wir hatten keine einzige Panne und die Route wurde eingehalten.
Strapaziös ist die Enge und die Kälte. Man sitzt zu sechs Reisenden  (plus Fahrer) im Auto, fast drei Tage lang. Wenn man nicht gerade als Gruppe bucht, weiß man nicht, mit wem man drei Tage auf engsten Raum zusammen sein wird. Mit uns fuhren zwei französische Paare, halb so alt wie wir. Klar, dass sie nur französisch miteinander sprachen, wodurch wir kommunikativ etwas abgehängt waren. Dabei waren sie durchaus nett und sie unterhielten sich auch mal mit uns. Trotzdem hatten wir ein wenig das Gefühl, Außenseiter zu sein.

Kalt?
Kalt?

Noch schlimmer empfand ich die beißende Kälte. Wir waren im Winter unterwegs, es wurde auch tagsüber trotz Sonne nicht richtig warm, da ein eisiger Wind über den Altiplano fegte. So kalt, dass sogar die Flamingos sich in wärmere Gefilde nach Chile aus dem Staub gemacht hatten!
Die Fotostopps an den berühmten Sights verliefen daher meist so, dass wir aus dem Auto sprangen, ein paar Fotos schossen und schnellstmöglich wieder ins warme Auto zurück flüchteten.

Sechs Grad Raumtemperatur im Dorm des Refugios
Sechs Grad Raumtemperatur im Dorm des Refugios

Das erste Refugio, in dem wir übernachteten, hatte weder Heizung noch warmes Wasser. Wir erreichten es zur Mittagszeit, aßen dort, fuhren nachmittags noch mal kurz zur Laguna Colorada (Wolken, eisiger Wind, keine Flamingos) und verbrachten den Rest des Tages in der ungeheizten Bude und kühlten immer mehr aus. Nachts hatte ich unter mehreren Decken fast alles an, was ich an Kleidung mit hatte und brauchte Stunden, bis meine eisigen Füße wieder warm wurden.
Die zweite Nacht in einem Hotel am Rand des Salar (auch ohne Heizung, aber mit heißer Dusche!) endete sehr früh, denn um fünf Uhr brachen wir auf, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf der Insel Incahuasi zu sein. Das Auto hatte keine funktionierende Heizung, ich war schon völlig durchgefroren, als wir dort ankamen. Im Halbdunkel stolperten wir den steilen Pfad zum Aussichtspunkt hinauf, kurzatmig in der dünnen Luft. Dort erwarteten wir zitternd den Sonnenaufgang. Ein optisches Vergnügen, dass ich wegen der durchdringenden Kälte nicht völlig genießen konnte.

Frierend im Sonnenaufgang
Frierend im Sonnenaufgang

Ja, ich bin verfroren. Und ich werde sehr schlecht gelaunt, wenn ich längere Zeit frieren muss. Das hat für mich den Spaß an der Tour sehr getrübt. Natürlich habe ich trotzdem die spektakuläre Landschaft, den zum Weinen schönen Sternenhimmel und die sagenhafte Weite des Salars genossen. Vielleicht wäre mein Erlebnis im Sommer anders ausgefallen. Unter den gegebenen Umständen war die Salar-Tour jedoch kein must-see für mich.

Meine Konsequenzen
Was lerne ich daraus? Ich werde bei zukünftigen Plänen meine eigenen Bedürfnisse mehr im Auge behalten. Ich bin jemand, der Sonne und Wärme braucht. Mag die Landschaft in der Antarktis oder in Grönland noch so toll sein, das sind keine must-sees für mich. Weiterhin werde ich bei der Vorbereitung genauer hinschauen. Für mich war Wüste bisher gleichbedeutend mit heißem Wetter, zumindest tagsüber. Dass eine Wüste in 4300 Meter Höhe bittere Kälte mit sich bringt, war mir bis kurz vor der Reise nicht bewusst. Hätte ich besser recherchiert, hätte ich vielleicht noch mal drüber nachgedacht.

Trotzdem:
Aber bevor jetzt die Vorstellung aufkommt, die Tour sei ein totaler Flop gewesen: so schlimm war es auch wieder nicht. Wir nehmen trotzdem tolle Eindrücke und Bilder mit. Hier eine kleine Auswahl davon:

Das ist der bolivianische Grenzposten in der Wüste
Das ist der bolivianische Grenzposten in der Wüste
... Sand und Steine in der Wüste Siloli
Sand und Steine in der Wüste Siloli
Laguna Verde - eine von vielen Lagunen des Altiplano
Laguna Verde – eine von vielen Lagunen des Altiplano
Leuchtende Berge
Leuchtende Berge
Geysire, die richtig Dampf machen
Geysire, die richtig Dampf machen
Auch in der Sonne heißt es warm einpacken
Auch in der Sonne heißt es warm einpacken
Árbol de Piedra
Árbol de Piedra
Doch noch ein paar Flamingos gesichtet!
Doch noch ein paar Flamingos gesichtet…
aber schon rufen die Fahrer: "Vamos! Vamos! "
aber schon rufen die Fahrer: „Vamos! Vamos! „
Condor aus Fels
Condor aus Fels
Grasende Llamas
Grasende Lamas
Vulkan Ollangue - mit Rauchfahne
Vulkan Ollangue – mit Rauchfahne links oben
Sonnenaufgang auf der Isla Incahuasi
Sonnenaufgang auf der Isla Incahuasi
Und über dem Salar
Und über dem Salar
Und jetzt kommen sie: die Salar-Fotos mit dem Spiel mit der Perspektive!
Und jetzt kommen sie: die Salar-Fotos mit dem Spiel mit der Perspektive!
Reise-Ringel ganz groß
Reise-Ringel ganz groß
Tanz auf dem Apfel
Tanz auf dem Apfel
Waaaaaah!!!
Waaaaaah!!!
Ich wollte schon immer auf Händen getragen werden
Ich wollte schon immer auf Händen getragen werden
Eine Sonnenbrille kann gar nicht groß genug sein
Eine Sonnenbrille kann gar nicht groß genug sein
Cementerio de los trenes - Friedhof der Züge in Uyuni
Cementerio de los trenes – Friedhof der Züge in Uyuni
Der Zug ist abgefahren - vor langer Zeit
Der Zug ist abgefahren – vor langer Zeit
Ich war das nicht!
Ich war das nicht!

11 Kommentare

  1. Claudia Nussdorfer sagt: Antworten

    Hi ja das kann ich mir vorstellen, dass das schon sehr kalt war! Wir warenja vor knapp einem Monat da unterwegs und zeitweise war es schon bitter kalt, wenn auch immer noch strahlend schön mit blauem Himmel. Und die Flamingos waren noch recht zahlreich, wenn auch schon viele weg Richtung Chile flogen. Ich weiss nicht wie’s uns gegangen wäre wenn wir immer gefroren hätten…. Aber trotz allem – ich fand die Natur, die Farben und das Gefühl drei Tage mal wirklich weg von allem zu sein einmalig! Ich hoffe ihr habt euch jetzt gut erholt und geniesst die Weiterreise nach Peru!

    1. Hi Claudia,
      ja, wir hatten in La Paz ein schönes Zimmer mit Heizung und heißer Dusche, da haben wir ein paar Tage nur gechillt. Heute geht es von Copacabana weiter nach Puno.
      Euch auch eine schöne weitere Reise!

  2. Maria Gormanns sagt: Antworten

    Liebe Gina, nicht so „schön“wie sonst, aber tolle Bilder.
    Was für ein Abenteuer!

    1. Ja, so ist es eben manchmal auf Reisen, nicht alles kommt so aus, wie man es sich vorher vorstellt. Dafür gibt es dann die anderen Gelegenheiten, bei denen man positiv überrascht wird und es besser ist als gedacht, z. B. La Paz. Das gleicht sich dann wieder aus, wenn nicht sogar die schönen Momente überwiegen.

  3. Ja, ein wenig ernüchternd, mit einer solchen Kälte wäre ich auch nicht so froh gewesen… na gut, es sind auch die Berge, aber 6 Grad IM RAUM muss es nicht sein!
    Muss man eine Tour buchen? Kann man nicht selber ein Auto mieten und autonom dahin gehen?

    1. Realistischerweise geht es nur über eine gebuchte Tour. Es gibt keine eindeutige Straße, nur eine Vielzahl von Fahrspuren, die nur für Ortskundige Sinn ergeben. Es gibt auch keine Auswahl an Unterkünften in der Wüste, nur dieses eine Refugio.

      1. Hmm, ok, ich verstehe! Ja, schade. Dann werde ich mich erstmal mit deinen doch sehr schönen Bildern begnügen, ich fühle mich jetzt nicht so abenteuerlich und kälteimmun 😀

        1. In der wärmeren Jahreszeit soll es wohl besser sein, zumindest tagsüber.

  4. Für das Hochland ist die beste Reisezeit Ende März bis Mai und September bis November. Ist ja klar das es mitten im Winter auf über 4000 m kalt wird. Ich habe die Strecke San Pedro – Uyuni schon zwei mal mit dem eigenen Fahrzeug gemacht und es ist wirklich sehr eindrücklich und spektakulär. Eine organisierte Tour wie beschreiben würde ich mir allerdings nicht antun 😉

    1. Da bist du ja in einer glücklichen Lage, wenn du die Tour mit dem eigenen Fahrzeug machen kannst. 🙂
      Mit der Reisezeit: ja, das hätte ich vorher besser recherchieren sollen. War mir dann nachher auch klar.

  5. Hallo,
    toller Bericht, der genau meine Gedanken bei der Planung zum Salar de Uyuni trifft. Ich hatte am Vulkan Bromo in Indonesien schon einmal eine kalte Nacht erlebt und in dieser Nacht alles angezogen was ich dabei hatte. Das bei dir klingt noch eine Stufe heftiger.
    Danke für die Informationen.
    Lg Thomas

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